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29.01.2019

Teheran: CMS Hasche Sigle richtet sich im Iran neu aus

Das iranische Büro von CMS Hasche Sigle wird unabhängig. Der Standort löst sich aus dem Kanzleiverbund und operiert künftig unter neuem Namen als Kooperationsbüro von CMS Hasche Sigle nach dem Best-Friends-Modell. „Damit reagieren wir auf die sich verändernden Rahmenbedingungen, halten aber an unserem Engagement im Iran fest“, sagte CMS-Managing-Partner Dr. Hubertus Kolster im Gespräch mit JUVE.

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Hubertus Kolster

Er distanzierte sich damit von einer Darstellung in der Legal Week. Die englische Publikation hatte am Freitag vergangener Woche berichtet, CMS Hasche Sigle schließe ihr Büro in Teheran aufgrund der wieder eingeführten US-Sanktionen gegen den Iran. „Das ist nicht korrekt, unser Büro vor Ort bleibt bestehen − wenn auch in einer veränderten Gesellschaftsform und unter neuem Namen“, so Kolster. Dieser war allerdings zum Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Die Düsseldorfer Partnerin Shaghayegh Smousavi und Partner Jürgen Frodermann sind laut Kolster weiterhin für europäische Unternehmen Ansprechpartner bei Fragen zum Iran-Geschäft, die Anwälte im Büro in Teheran bleiben vor Ort für bestehende und neue Mandanten tätig. „Wir haben mit dem dortigen Team viele europäische Mandanten in den Iran begleitet und können diese über die neue Kooperation auch weiter beraten“, sagt Kolster. 

Als Grund für den Schritt gab er die sich verändernden politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen an. „Das Interesse von europäischen Mandanten am Iran ist insgesamt etwas zurückgegangen. Auch beim Outboundgeschäft aus dem Iran hat das iranische Team zunehmend andere Märkte außerhalb Europas, namentlich Russland und China, im Blick“, so Kolster. Zudem konzentriere sich das Büro in Teheran unter der Leitung der Anwälte vor Ort künftig verstärkt auch auf nationales Geschäft.

Als erste internationale Großkanzlei war CMS Hasche Sigle im Februar 2016 − kurz nach dem Inkrafttreten des Nuklearabkommens und der damit verbundenen Lockerung der Sanktionen − mit einem eigenen Büro im Iran gestartet. Im Gegensatz zu dem Büro in Istanbul, das von der CMS-Allianz betrieben wird, eröffnete CMS Hasche Sigle das Büro in Teheran alleine. Zunächst war neben Smousavi und Frodermann, die regelmäßig zwischen Deutschland und Teheran pendelten, ein weiterer, im Iran zugelassener Anwalt vor Ort tätig. In den vergangenen Jahren baute die Kanzlei den Standort weiter aus, sodass in Teheran aktuell sechs Berufsträger arbeiten.

Iran-Euphorie der Kanzleien abgeklungen

Nach der Öffnung des Irans war die Euphorie besonders bei deutschen Unternehmen zunächst groß, viele Mittelständler aber auch Dax-Unternehmen drängten auf den Markt. Dadurch beflügelt, bauten auch viele Wirtschaftskanzleien ihre Beratung mit Iran-Bezug aus und eröffneten zum Teil sogar eigene Niederlassungen vor Ort. Bereits 2015 hatte die Hamburger MDP-Kanzlei WZR Rechtsanwälte (damals Wülfing Zeuner Rechel) ein eigens Büro in Teheran eröffnet und Ende 2016 wagte auch Rödl & Partner den Schritt in den Iran. Bei Kanzleien wie Freshfields Bruckhaus Deringer oder Friedrich Graf von Westphalen hingegen beraten iranisch-sprachige Anwälte aus Europa heraus und wieder andere wie Dentons setzen auf Kooperationen mit Kanzleien vor Ort.

Doch seit der Wiedereinführung der US-Sanktionen gegen den Iran ist es um die Iran-Beratung der Kanzleien ruhiger geworden. Vor allem große internationale Unternehmen, die auch Geschäftsbeziehungen in den USA pflegen, zogen sich nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Sanktionen wieder einzuführen, aus dem Land zurück. Gleichzeitig untersagt die verschärfte Anti-Boykott-Verordnung der EU den europäischen Firmen, ihre Geschäftspolitik nach den US-Sanktionen auszurichten.

Als eine der wenigen internationalen Großkanzleien ist CMS nicht mit eigenen Büros in den USA vertreten, weshalb ihr Geschäft traditionell weniger stark als das anderer internationaler Sozietäten auf den US-Markt ausgerichtet war. Nach dem Brexit könnte der britische Zweig der Allianz möglicherweise jedoch künftig stärker auf das US-Geschäft setzen, weswegen CMS Cameron McKenna die formale Trennung von dem iranischen Büro durchaus entgegen kommen dürfte. (Konstanze Richter)

 

 

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