Artikel drucken
21.02.2018

Optioment: Lansky Ganzger und Brandl & Talos beraten in Bitcoin-Betrug

Auf rund 100 Millionen Euro schätzen Ermittler den Schaden aus dem Anlagebetrug durch Optioment. Rund 10.000 Betroffene haben keinen Zugriff mehr auf das Geld, das sie über die Plattform in Bitcoins investierten, seit die Webseiten verschwunden sind. Gegen zwei mutmaßliche Drahtzieher gingen bereits Ende Dezember 2017 bei der Staatsanwaltschaft Wien Anzeigen ein.

Ronald Frankl

Ronald Frankl

Die Ermittler bei der Landespolizeidirektion Wien gehen davon aus, dass betroffene Anleger neben Österreich unter anderem auch in Deutschland und der Türkei ansässig sind; sie rechnen mit einem europaweiten Netzwerk. Eine Veranstaltung in Vösendorf bei Wien sollen noch im November 700 Interessenten besucht haben. Ende November blieben versprochene Auszahlungen allerdings schon aus. In der Folge erstatteten etliche Betroffene Anzeige, etwa bei lokalen Polizeistationen und der Finanzmarktaufsicht (FMA). Diese wandte sich Ende Jänner mit einer Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft.

Optioment hatte mit einer übertrieben hohen Rendite von 1,5 bis vier Prozent pro Woche um Anleger geworben. Es handelte sich nach ersten, vorläufigen Erkenntnissen um ein Pyramidenspiel: Die Beiträge neu angeworbener Kunden finanzierten die Auszahlungen an die bestehenden Investoren. Das bedeutet jedoch auch: Die Grenze zwischen Tätern und Opfern ist nicht immer klar zu ziehen, wenn Altanleger Neukunden anwarben.

In Österreich traten zwei Männer aus der Steiermark und ein Niederösterreicher als Vertriebsleute für Optioment auf. Auf sie gehen die Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft von Ende Dezember zurück. Die drei sehen sich derzeit teilweise persönlichen Angriffen ausgesetzt. Bislang führt sie die Staatsanwaltschaft in der Sache als Zeugen, ein Tatbeitrag scheint jedoch nicht ausgeschlossen.

Nach den vermeintlichen Hintermännern fahnden die Ermittler inzwischen mit Hilfe von Interpol. Spuren führen wohl nach Nordeuropa. Doch ob es die beiden unter den derzeit kursierenden Namen tatsächlich gibt, ist bislang unklar.

Berater Geschädigte
Lansky Ganzger & Partner (Wien): Ronald Frankl, Valentin Neuser (beide Anlageprodukthaftung; Prozessrecht)

Christopher Schrank

Christopher Schrank

Berater Vertriebsleute
Brandl & Talos (Wien): Dr. Christopher Schrank; Associates: Volkert Sackmann, Alexander Stücklberger (beide Rechtsanwaltsanwärter; alle Wirtschaftsstraf-, Kapitalmarkt- und Haftungsrecht)

Hintergrund: Ronald Frankl beschäftigt sich seit Ende Dezember mit der Optioment-Masche, als drei erste Geschädigte auf ihn zukamen und Rat suchten. Inzwischen vertritt die Kanzlei gut 150 Betroffene, um für sie Schadensersatz zu erreichen. In einem ersten Schritt strebt der Lansky-Partner an, die Ansprüche über das strafrechtliche Verfahren als Privatbeteiligte durchzusetzen.

Neben Lansky Ganzger betreuen auch andere Kanzleien geprellte Anleger. Rund drei Dutzend Geschädigte aus Linz und Graz stehen hinter Anfragen, die sich seit Dezember an SCWP Schindhelm richteten. Den Kontakt zur Kanzlei brachte unter anderem eine Empfehlung aus dem bestehenden Mandantenkreis. Noch vor Jahresende verschickten der Partner Dr. Markus Nussbaumer und der Rechtsanwaltsanwärter Philipp Leitner für eine Gruppe Betroffener Forderungsschreiben an die Optioment-Vertriebsleute. Im Moment besteht jedoch kein konkretes Mandat.

Die drei österreichischen Vertreiber der Plattform kamen ebenfalls über eine Empfehlung zur Kanzlei Brandl & Talos, die unter anderem im Kapitalmarktrecht und in Fragen der Beratungshaftung hoch angesehen ist. Im Anwaltsteam um den Wirtschaftsstrafrechtler Christopher Schrank arbeitet auch Volkert Sackmann mit, der frühere Co-Leiter der Staatsanwaltschaft Wien. Er wechselte vor gut einem Jahr in die Kanzlei. (Raphael Arnold)

Aktualisiert am 21. Februar 2018.

  • Teilen