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30.01.2020

Nach Korruptionskandal: Riel und Dorda begleiten Odebrecht E&P in die Insolvenz

 

Im Sommer 2019 hatte der durch einen Korruptionsskandal bekannt gewordene brasilianische Mischkonzern Odebrecht Konkurs angemeldet. Nun folgte ihm die Wiener Tochterfirma Odebrecht E&P GmbH in die Insolvenz. Die Passiva könnten nach Angaben des Kreditschutzverbands KSV 1870 über 100 Millionen Euro liegen. 

Stephan Riel

Stephan Riel

Als Hauptgläubiger hatten die Deutsche Bank und die ING den Insolvenzantrag gestellt. Ihre Kredite in Millionenhöhe waren nach der Insolvenz der Odebrecht-Muttergesellschaft nicht mehr bedient worden. Nach Angaben des KSV scheinen im Jahresabschluss 2018 Verbindlichkeiten von 117 Millionen Euro auf. Die erste Gläubigerversammlung ist für den 23. März 2020 geplant, Gläubiger können ihre Forderungen bis 9. März anmelden. Das Handelsgericht Wien hatte schon im Dezember 2019 sogenannte einstweilige Vorkehrungen verfügt.

Der brasilianische Mutterkonzern soll über Jahre hinweg Schmiergeld in Höhe von rund 800 Millionen US-Dollar gezahlt haben, um an lukrative Staatsaufträge zu kommen. In Lateinamerika löste der Korruptionsskandal ein politisches Beben aus, ermittelt wurde gegen Hunderte Politiker, Unternehmer und Beamte, unter anderem gegen die ehemaligen brasilianischen Präsidenten Lula da Silva und Dilma Rousseff. 

Schulden in Milliardenhöhe

Felix Hörlsberger

Felix Hörlsberger

2016 wurde das Unternehmen zunächst zu einer Strafe von 3,5 Milliarden US-Dollar verurteilt. In einem Vergleich einigte man sich später auf 2,6 Milliarden Dollar. Drei Jahre später, im Sommer 2019, meldeten die brasilianische Odebrecht S.A. und eine Reihe von Tochtergesellschaften Insolvenz an – mit Schulden in Höhe von 51 Milliarden Reais (rund 11,67 Milliarden Euro). 

Geschäftsführer der Odebrecht E&P und weiterer österreichischer Niederlassungen ist der Wiener Anwalt Paul Doralt. Den Grund für die Pleite sieht er im Korruptionsskandal und der Insolvenz der Muttgergesellschaft, durch die man die millionenhohen Kredite der Deutschen Bank und ING, die für ein Pipelineprojekt in Peru aufgenommen worden waren, nicht mehr bedienen konnte. Auswirkungen auf Österreich habe die Pleite nicht, so Doralt, da die Odebrecht E&P keine Mitarbeiter beschäftige. Das Unternehmen fungiere lediglich als Eigentümer für Firmen in Angola, Peru und Venezuela – aus Steuergründen.

Masseverwalter
Riel & Partner (Wien): Dr. Stephan Riel, Dr. Katharina Widhalm-Budak (Masseverwalterstellvertreterin)

Schuldnervertreter
Dorda (Wien): Dr. Felix Hörlsberger (Restrukturierung), Dr. Tibor Varga (Bank- und Finanzrecht; beide Federführung), Magdalena Nitsche (Restrukturierung)
White & Case (Miami): Victor Mendoza – aus dem Markt bekannt

Gläubigervertreter Deutsche Bank/ING
Wolf Theiss (Wien): Dr. Andreas Schmid (Bank- und Finanzrecht), Eva Spiegel (Insolvenzrecht; beide Federführung), Marika Lomashvili (Bank- und Finanzrecht); Associate: Markus Taufner (Corporate)

Hintergrund: Der zum Masseverwalter bestellte Riel gehört zu den angesehen Insolvenzverwaltern in Österreich. Gemeinsam mit seinen Partnerinnen Dr. Katharina Widhalm-Budak und Denise Rohringer verwaltet er seit 2018 die Großinsolvenz von Waagner-Biro. Auch für das Ende 2019 in die Pleite geschlitterte Pharmaunternehmen Sanochemia wurde Riel & Partner zum Verwalter bestellt. 

Odebrecht-Geschäftsführer Dr. Paul Doralt ist der Kopf des Steuerrechtsteams bei Dorda und bereits seit 2006 in der Kanzlei. Zuvor leitete er das Steuerteam bei Schönherr. Er gilt als einer der Anwälte mit dem wichtigsten Brasiliengeschäft im Markt. Die als Gläubigervertreter tätigen Partner Hörlsberger und Varga vertreten aktuell auch gemeinsam die Interessen einer großen Gläubigergruppe bei der Restrukturierung der Steinhoff-Gruppe.

Wolf Theiss ist spezialisiert auf die Restrukturierungsberatung an der Schnittstelle zum Bank- und Finanzrecht und zählt traditionell viele Kreditinstitute zu ihren Mandanten. In der Steinhoff-Restrukturierung stehen die Wolf Theiss-Anwälte jedoch aufseiten des Unternehmens. Insolvenzrechtlerin Spiegel war im vergangenen Jahr zudem in die Pleite des Modehändlers Charles Vögele involviert, bei der sie die Muttergesellschaft Sempione Fashion beriet. (Annette Kamps)

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