Artikel drucken
04.03.2020

Finanzierung: Signa platziert 250-Millionen-Euro-Anleihe mit Arnold, Skadden und Clifford

Die Signa-Gruppe beschafft sich Geld über eine Anleihe und ihre Wiener Postsparkassen-Immobilie: Zunächst hatte das Unternehmen Ende 2019 mit der Bundesimmobiliengesellschaft der Republik Österreich einen Baurechtsvertrag für eine Laufzeit von 99 Jahren abgeschlossen. Nun leiht es sich über diese Laufzeit von der R+V Versicherungsgruppe 250 Millionen Euro und finanziert sich so günstig.

Florian Arnold

Florian Arnold

Die Postsparkassen-Immobilie ist eines der herausragenden Jugendstilgebäude in Wien. Das vom Architekten Otto Wagner errichtete achtgeschossige Gebäude gehört seit 2013 der Signa. Experten schätzten den damaligen Kaufpreis auf rund 150 Millionen Euro. Bis 2017 diente es als Zentrale der Bawag, danach war die langfristige Nutzung offen. Ende 2019 schloss Signa dann mit der Republik Österreich einen Baurechtsvertrag, der vorsieht, dass Universitäten und öffentliche Einrichtungen das Baudenkmal für die nächsten 99 Jahre nutzen. Signa konnte ihrerseits damit einen bonitätsstarken Vertragspartner gewinnen.

Die Anleihe beruht auf einer Credit-Tenant-Lease-Struktur. Deren Basis ist ein langfristiger Mietvertrag zwischen dem Immobilieneigentümer und einem Mieter mit sehr guter Bonität – in diesem Fall die Republik. So abgesichert konnte Signa eine Anleihe begeben, die selbst bei dieser langen Laufzeit den Bonitätsanforderungen einer Versicherung entspricht.

Günstig finanziert

Über die Verzinsung der Anleihe bewahrten alle beteiligten Stillschweigen. Die gewählte Form der Besicherung beschert Signa allerdings eine günstige Refinanzierung. Zum Vergleich: Ultralangläufer bonitätsstarker Emittenten rentieren am Kapitalmarkt mit etwa einem halben Prozent, während unbesicherte Papiere mit schwächerem Rating durchaus um drei Prozent Rendite vorweisen.

Stephan Hutter

Stephan Hutter

Berater Signa
Skadden Arps Slate Meagher & Flom (Frankfurt): Dr. Stephan Hutter (Federführung), Dr. Katja Kaulamo; Nico Feuerstein (alle Kapitalmarktrecht)
Arnold (Wien): Dr. Florian Arnold (Immobilienrecht), Dr. Bernhard Vetter von der Lilie; Associate: Michael Fischer (beide Corporate/Finanzierung)
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Josef Brinkhaus (Aufsichtsrecht)

Berater R+V
Inhouse Recht (Wiesbaden): Olaf Reinicke (Syndikusrechtsanwalt)

Hintergrund: Arnold beriet die österreichischen Aspekte dieser Emission. Die Kanzlei hatte Signa bereits bei Erwerb des Gebäudes von der Bawag und der Begründung des Baurechts unterstützt. Die Kanzlei ist Stammberaterin von Signa. Beide Namenspartner Dr. Nikolaus Arnold und Dr. Florian Arnold beraten das Immobilienunternehmen regelmäßig, noch im September 2019 bei einer großen Kapitalerhöhung über 1,2 Milliarden Euro und Mitte 2019 beim Verkauf von Kika-Filialen an den Konkurrenten XXXLutz. Der jüngere Partner Vetter von der Lilie wurde Anfang 2019 Gesellschafter. Damit erweiterte die Kanzlei erstmals die Partnerriege um ein Nichtfamilienmitglied.

Skadden beriet Signa bei der Erstellung der Anleihedokumentation nach deutschem Recht. Die Kanzlei arbeitete bereits mehrfach gemeinsam mit Arnold für die Mandantin. Im vergangenen Jahr etwa war Hutter ebenfalls beim Kauf einer architektonisch wertvollen Immobilie involviert: Damals kaufte ein Joint Venture der Signa-Gruppe und des New Yorker Immobilienentwicklers RFR Holding das Chrysler Building in Manhattan von den bisherigen Eigentümern. Hutter und sein Team sind häufig aufseiten großer Finanzinstitutionen zu sehen, im Sommer 2019 beispielsweise bei den IPOs von BioNTech und Teamviewer.

Brinkhaus ist langjährig erfahren bei der steuer- und aufsichtsrechtlichen Beratung institutioneller Immobilieninvestoren. Bei diesem offenbar sehr konsensualen Deal beriet er zwar Signa, beantwortete aber auch die für die R+V wesentlichen versicherungsaufsichtsrechtlichen Fragen. Er beriet 2019 diverse Immobiliendeals, darunter den Asset-Manager Amundi, als dieser vom deutschen Immobilieninvestor Warburg HIH ein Bündel von fünf Gewerbeimmobilien kaufte. (Ludger Steckelbach)

  • Teilen