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28.02.2003

Anklage gegen ehemalige Vorstände und Aufsichtsräte von Mannesmann

Nach zweijährigen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Düsseldorf in der Mannesmann-Affäre Anklage erhoben. Den sechs Angeklagten wird Untreue oder Beihilfe zur Untreue vorgeworfen – JUVE nennt die Verteidiger.Vertreter Klaus Esser: Thomas Deckers Wehnert Elsner (Düsseldorf): Dr. Sven Thomas;
Prof. Dr. Franz Salditt (Neuwied)

Vertreter Joachim Funk: Heimes & Müller (Saarbrücken): Prof. Dr. Egon Müller

Vertreter Josef Ackermann: Kempf, Dannenfeldt (Frankfurt): Eberhard Kempf

Vertreter Klaus Zwickel: Hamm Michalke Köberer Pauly Kirsch (Frankfurt): Prof. Dr. Rainer Hamm, Jürgen Pauly

Vertreter Jürgen Ladberg: Prof. Dr. Tondorf & Böhm (Düsseldorf): Prof. Dr. Tondorf

Vertreter Dieter Droste: Dr. Waldowski, Stünkel (Düsseldorf): Frank Linzenich

Mit Thomas, Müller, Kempf und Hamm haben führende Wirtschaftsstrafrechtler die Verteidigung der Angeklagten übernommen. Zu einer engeren Zusammenarbeit der Anwälte untereinander wird es voraussichtlich jedoch nicht kommen. “Eine klassische Sockelverteidigung macht in diesem Verfahren wenig Sinn, dazu sind die Ansatzpunkte der Verteidigung zu unterschiedlich”, erläutert Prof. Dr. Egon Müller.
Die Affäre in Gang gesetzt hatte Prof. Dr. Mark Binz aus der Stuttgarter Kanzlei Binz & Partner, der vor rund drei Jahren Strafanzeige erstattete. „Es geht hier um die Glaubwürdigkeit und Ethik des Geschäfts. Wir waren das unserer Mandantschaft – Mittelständlern und Familienunternehmen – schuldig, die nicht in fremde Kassen reingreifen kann“, sagt Binz‘ Partner Dr. Martin Sorg.
Hintergrund ist die Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunker Vodafone im Jahre 2000 – die bisher größte Übernahmeschlacht in Deutschland. Der Aufsichtsrat gewährte ehemaligen Vorständen und Managern des Unternehmens Abfindungen von insgesamt 250 Millionen Mark.
Betroffen sind der frühere Konzernchef Klaus Esser, die ehemaligen Ausichtsräte Josef Ackermann – heute Vorstandssprecher der Deutschen Bank -, Joachim Funk und Klaus Zwickel, der IG Metall-Vorsitzende. Zudem nahm die Staatsanwaltschaft den einstigen Konzenbetriebsratschef Jürgen Ladbeg und den früheren Personalmanager Dieter Droste ins Visier. Das Verfahren gegen weitere Personen der ehemaligen Mannesmann-Führungsetage wurde abgetrennt.
Die Anklageschrift befand sich zum Redaktionsschluss noch auf dem Wege der Zustellung. Presseberichten zufolge wirft die Staatsanwaltschaft den Beschuldigten Untreue in besonders schwerem Fall bzw. Beihilfe zur Untreue vor. Für die Abfindungen habe es keine Rechtsgrundlage gegeben; die Beschuldigten hätten mit der Gewährung der Gelder dem Interesse des Unternehmens geschadet. (Meike Nohlen/Jörn Poppelbaum)

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