Seit Anfang der Woche steht auch der Vorwurf im Raum, Mitarbeiter der Compliance-Abteilung seien in die Vorgänge verwickelt gewesen. Zudem sollen Mitarbeiter der internen Revision im Visier der Ermittler stehen. Über ein Netz geheimer Konten sollen, so die Staatsanwaltschaft, mehr als 200 Millionen Euro geflossen sein. Ob und inwieweit das Geld zur Bestechung im Ausland verwendet wurde, ist noch nicht geklärt.
Das Verfahren, das aufgrund einer anonymen Anzeige und Rechtshilfeersuchen aus Italien und der Schweiz in Gang kam, bezieht sich vor allem auf gegenwärtige und ehemalige, zum Teil hochrangige Mitarbeiter der Siemens-Sparte Communications.
Vertreter Siemens
DR. MÜLLER HEYNG GUSSMANN SCHÜTRUMPF (München): Dr. Eckhart Müller
LOHBERGER & LEIPOLD (München): Dr. Klaus Leipold
INHOUSE (München): Compliance-Abteilung
Individualverteidiger
@ECKSTEIN & LEITNER (München): Werner Leitner
NÖRR STIEFENHOFER LUTZ (München): Dr. Christian Pelz
DINGFELDER EYSELL VON MÁRIÁSSY DR. V. STETTEN (München): Dr. Wolfgang Dingfelder, Wilfried Eysell, Andreas von Máriássy, Dr. Annette von Stetten
@BREHM & VON MOERS (München): Thilo Pfordte, Jens Bosbach
WANNEMACHER (München): Dr. Leonard Walischewski
@KREUZER PFISTER & GIRSHAUSEN (München): Dr. Wolfgang Kreuzer
UWE FRHR. VON SAALFELD (München)
WITTING CONTZEN DEGENHARDT (München): Peter Witting
@WESTPFAHL & SPILKER (München): Dr. Marion Westphal, Dr. Ulrich Wastl
UFER & PARTNER (München): Steffen Ufer, Dr. Florian Ufer
Siemens hat unmittelbar nach der Durchsuchungsaktion Hans-Otto Jordan, Partner der Nürnberger Kanzlei Dr. Beckstein & Partner, als Ombudsmann eingesetzt. Der Konzern verfügte bislang über keine so genannte Whistleblower-Stelle.
Alle Beteiligten sind aus dem Markt bekannt, die Liste der Indivualverteidiger ist aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht vollständig. Wie von beteiligten Anwälten bekannt wurde, koordiniert bei Siemens die Compliance-Abteilung das Verfahren. Der erfahrene Strafrechtler Müller ist nicht das erste Mal für Siemens tätig. Wie die Aufteilung der Arbeit zwischen Müller und Leipold aussieht, ob etwa einer von ihnen potenziell als Zeugenbeistand agieren soll, ist derzeit nicht bekannt.
Auffällig ist, dass in dem Verfahren derzeit nur Münchner Verteidiger auftreten. Der lokale Markt ist unter Verteidigern als geschlossene Gesellschaft bekannt – eine Einschätzung, die sich auch in diesem Verfahren bewahrheitet. Die hier genannten Verteidiger agieren zum Teil im Team (so etwa Pfordte und Walischewski), demgegenüber ist die Kanzlei Dingfelder an der Seite mehrerer Beschuldigter tätig. Von Saalfeld begegnet hier einem alten Kollegen: Er war früher bei Nörr tätig. Insgesamt ist praktisch die gesamte etablierte Münchner Riege der Wirtschaftsstrafverteidiger beteiligt.