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20.01.2011

KapMuG-Verfahren: Tilp vertritt Musterkläger gegen HRE

Das Oberlandesgericht (OLG) München hat mit Christian Wefers einen Musterkläger im Prozess gegen die Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) bestimmt. Damit startet nach zweijähriger Prüfung das Verfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMug). Wefers arbeitet selbst als Senior Associate bei der auf Kapitalmarktrecht spezialisierten Kanzlei DRRT.

Tilp_Andreas

Andreas Tilp

Hinter der Musterklage stehen rund 40 Fonds aus Deutschland, Luxemburg, den USA und Kanada darunter auch die Deka Bank und Tochtergesellschaften der Allianz. Damit vereinigt Wefers Forderungen in Höhe von 320 Millionen Euro hinter sich.

Die Ansprüche kommen von institutionellen und privaten Anlegern, die von 2007 bis Mitte Januar 2008 Aktien der Hypo Real Estate Holding AG erworben hatten. Laut Gerichtsbeschluss wird auch der Börsenzulassungs-Prospekt für die Übernahme der in Irland ansässigen Pfandbriefbank Depfa durch die HRE 2007 geprüft.

Zahlreiche Aktionäre werfen der HRE und ihren Ex-Vorständen Georg Funke und Markus Fell vor, sie im Krisenjahr 2008 über den wahren Zustand der Bank getäuscht und ihnen wichtige Informationen vorenthalten zu haben. Die HRE-Aktie war im Januar 2008 stark eingebrochen, nachdem das Unternehmen letztlich zugeben musste – trotz vorangegangener, gegenteiliger Beteuerungen – doch in erheblichem Ausmaß von der US-Immobilienkrise betroffen zu sein. Inzwischen befindet sich die angeschlagene HRE in Staatsbesitz.

Beobachter rechnen mit einem Beginn des Verfahrens in der zweiten Jahreshälfte. Bis dahin muss das OLG noch über eine sofortige Beschwerde seitens der HRE gegen den Vorlagebeschluss entscheiden. (Ulrike Barth)

Vertreter Musterkläger Wefers
Tilp:
Andreas Tilp, Associates: Peter Gundermann, Marc Schiefer

Vertreter HRE
Gleiss Lutz
(Stuttgart): Dr. Wolf von Bernuth (Federführung), Dr. Eric Wagner; Associates: Dr. René Kremer, Dr. Katrin Liebner, Jonas Prümm
Sernetz Schäfer
(München): Dr. Helge Großerichter, Dr. Ferdinand Kruis
Inhouse
(München): Harald Pospischil – aus dem Markt bekannt

Vertreter Georg Funke
Heiss & Partne
r (München): Dr. Franz Heiss – aus dem Markt bekannt

Vertreter Markus Fell
Brehm von Moers
(Berlin) – aus dem Markt bekannt

OLG München
Guido Kotschy (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Tilp vertritt neben dem Musterkläger Wefers rund 40 weitere Kläger vor dem Landgericht München in diesem Fall. Die Kanzlei ist unter anderem aus ihrer Tätigkeit für Anleger im Telekom-Prozess bekannt (mehr…). Rund 16.000 Kleinanleger hatten Klage gegen die Deutsche Telekom eingereicht, Tilp vertritt hier ebenfalls den Musterkläger.

Rund 70 ehemalige HRE-Aktionäre werden zudem von der Kanzlei Rotter beraten.

Heiss & Partner vertrat Funke bereits im Streit mit seinem Ex-Arbeitgeber HRE wegen seiner fristlosen Kündigung (mehr…).

Gleiss Lutz stand bereits bei anderen Aktionärsklagen an der Seite der HRE (mehr…).

Sernetz Schäfer kam dem Vernehmen nach Ende 2009 in dieses Mandat. Die Kanzlei ist ebenfalls schon häufiger für die HRE tätig gewesen. Kruis, der neben Großerichter im Mandat ist, war im Juni 2009 von Linklaters in die Kanzlei gewechselt (mehr…).

Einen Tag später entschied die 5. Handelskammer des LG München I unter dem Vorsitz von Richter Helmut Krenek bezüglich der Aktionärsklagen gegen die HRE-Hauptversammlung 2009 und den dort beschlossenen Squeeze-out, dass die Verstaatlichung der Bank rechtens war und der Squeeze-out nicht gegen das Grundgesetz verstoße (mehr…).

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