Laut Anklage sollen in der Bilanz des Konzerns für das Jahr 2006 Umsätze falsch ausgewiesen worden sein. Conergy hatte den Jahresumsatz nachträglich um rund 70 Millionen Euro senken müssen.
Die Ermittler werfen Rüter und auch P. vor, dass sie im Wissen um die falsche Bilanz im Frühjahr 2007 Aktien der Conergy AG zu einem Kurs von weit mehr als 50 Euro verkauft haben. Rüter soll dabei 16,4 Millionen Euro eingenommen haben und P. mehr als 100.000 Euro. Auch K. soll sich wegen Bilanzdelikten, Kursmanipualtion und Insiderhandel verantworten. Wenige Monate nach den Verkäufen wurde die schlechte wirtschaftliche Lage von Conergy öffentlich und die Aktie brach ein. Mit 30 Cent kostet sie noch heute nur einen Bruchteil des damaligen Wertes.
Dieter Ammer wird vorgeworfen, die Bilanz nicht aktiv gefälscht, aber von der falschen Bilanz gewusst haben. Er war zu der fraglichen Zeit Aufsichtsratsvorsitzender und soll durch den Verkauf von Conergy-Papieren im März 2007 10,9 Millionen Euro eingestrichen haben.
Vertreter Rüter
Kempf & Dannenfeldt (Frankfurt): Eberhard Kempf
Vertreter P.
Heuking Kühn Lüer Wojtek (Düsseldorf): Dr. André-Marcel Szesny
Vertreter Ammer
Otmar Kury (Hamburg)
Vertreter K.
Samson & Langrock (Hamburg): Dr. Marc Langrock
Hintergrund: Alle Vertreter sind aus dem Markt bekannt.
Die Vorgänge rund um den Jahresabschluss 2006 sind nicht zum ersten Mal im Visier der Staatsanwaltschaft. Im Juni 2009 wurde bekannt, dass es wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung und unrichtige Ad-hoc-Mitteilungen bei Conergy Hausdurchsuchungen der Staatsanwaltschaft Hamburg gegeben hat. Aus dem Markt ist bekannt, dass Conergy bei der Durchsuchung 2009 auf Anraten Kurys den Hamburger Strafrechtler Jes Meyer-Lohkamp von der Kanzlei Meyer-Lohkamp & Pragal hinzugezogen haben soll. Dem Vernehmen nach steht er auch aktuell an der Seite von Conergy.
In finanzrechtlichen Belangen zählt seit 2006 Latham & Watkins zu den regelmäßigen Beratern von Conergy (mehr…). Der Aufsichtsrat mandatierte im Hinblick auf die zusätzliche Kreditlinie und eine Kapitalerhöhung Ende 2007 Freshfields Bruckhaus Deringer.
Die Angeklagten haben sich den Beistand bekannter Verteidiger gesichert: Kempf gehört seit Jahren zu den führenden Strafrechtlern hierzulande. Gleiches gilt für Kury, der immer wieder bei wichtigen wirtschaftsstrafrechtlichen Verfahren mit von der Partie ist. So zuletzt etwa im Verfahren um Beluga Shipping (mehr…) oder in den Affären um die HSH Nordbank. Szesny gehört im Gegensatz zu den beiden zu einer jüngeren Riege von Strafrechtlern, die erst allmählich auf sich aufmerksam macht. Auch K.-Vertreter Langrock gehört zu den jüngeren, ist aber mit einem der wohl bekanntesten Strafrechtsprofessoren, Prof. Dr. Erich Samson, in einer Kanzlei.