Artikel drucken
28.02.2012

Milliardenklage: Schickedanz mit Ringstmeier gegen Hengeler-Mandantin Sal. Oppenheim

Das Landgericht Köln muss über eine Schadensersatzklage der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz gegen das Bankhaus Sal. Oppenheim, den Immobilienunternehmer Josef Esch und weitere Beteiligte entscheiden. Der Gesamtstreitwert liegt bei 1,9 Milliarden Euro. Kurz vor Jahresfrist hat die Klägerin beim Oberlandesgericht Köln die Festlegung des Gerichtsstands beantragt. Über diesen Antrag wurde nun entschieden (Az 8 AR 65/11).

Andreas Ringstmeier

Andreas Ringstmeier

Für die Einreichung der Klage bleiben drei Monate Zeit. Die Klage ist zwar bereits vorbereitet, noch ist aber unklar, ob es tatsächlich zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen wird. Insider berichten, dass auch ein außergerichtlicher Vergleich noch möglich ist und intensive Gespräche zwischen den Streitparteien geführt werden.

Allerdings gibt es bereits einen umfassenden Klageentwurf, der unterstreicht, dass Schickedanz es mit der Erhebung der Klage ernst meint. Aus dem Entwurf geht hervor, dass die Klägerin gegen insgesamt 14 Beklagte vorgehen will. Sie greift dabei vor allem Sal. Oppenheim selbst an. Schickedanz will mit der Klage zum einen erreichen, dass sie ihre Darlehensverbindlichkeiten bei Sal. Oppenheim nicht mehr begleichen muss. Daneben begehrt sie eine Schadensersatzzahlung in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.

Schickedanz hat auch etliche Ex-Funktionäre der Bank im Visier. Insbesondere den ehemaligen persönlich haftenden Gesellschaftern Matthias Graf von Krockow, Christopher Freiherr von Oppenheim, Dieter Pfundt und Friedrich Carl Janssen weist sie eine besondere Verantwortung zu. Der Ex-Aufsichtsratschef von Sal. Oppenheim, Georg Baron von Ullmann, gehört ebenfalls zu den potenziell Beklagten.

Schickedanz greift auch Ex-Vermögensverwalter Esch an

Markus Meier

Markus Meier

Darüber hinaus spielt der Immobilienunternehmer Josef Esch eine zentrale Rolle bei den Ansprüchen, die Schickedanz nun geltend machen will. Esch war mit Sal. Oppenheim geschäftlich verbunden. Zusammen hatten die Partner etliche geschlossene Immobilienfonds konzipiert und bei sehr vermögenden Privatpersonen platziert. Auch Madeleine Schickedanz hat Oppenheim-Esch-Fonds gezeichnet, die sich im Nachhinein als verlustreiches Investment herausgestellt haben.

Überdies agierte Josef Esch als Schickedanz´ Vermögensverwalter. Die Klägerin wirft Esch vor, sie dazu gedrängt zu haben, ihre Anteile am Warenhauskonzern KarstadtQuelle – später als Arcandor firmierend – immer weiter aufzustocken. Finanziert wurden die Investments mit Krediten von Sal. Oppenheim, teilweise auch verdeckt über die Briefkastenfirma ADG. Weil die ADG selbst nicht ausreichend kreditwürdig war, bürgte eine Gruppe von Sicherheitengebern. Zu dieser Gruppe gehörten wiederum zwei Esch-Gesellschaften, die Eheleute Krockow, die Eheleute Ullmann und die inzwischen verstorbene Baronin Karin von Ullmann sowie Christopher von Oppenheim.

Schickedanz vertritt nun die Position, von ihrem Berater Josef Esch und der Bank zu diesen hochriskanten Transaktionen genötigt worden zu sein. Spätestens als Arcandor Mitte 2009 in die Insolvenz schlitterte (mehr…) war klar, dass die Wette nicht aufgegangen war. Schickedanz hat einen Großteil ihres Vermögens verloren.

Berater Madeleine Schickedanz
Dr. Ringstmeier & Kollegen (Köln): Dr. Andreas Ringstmeier, Dr. Stefan Homann – aus dem Markt bekannt
Beisse & Rath (Nürnberg): Peter Rath – aus dem Markt bekannt

Berater Sal. Oppenheim
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Markus Meier – aus dem Markt bekannt
Wellensiek (Heidelberg): Dr. Göran Berger – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Köln): Dr. Jörg Mucke (Leiter Rechtsabteilung), Peter Lindt (Rechtsabteilung Deutsche Bank, Frankfurt) – aus dem Markt bekannt

Berater Josef Esch
Busse & Miessen (Bonn): Dr. Torsten Arp – aus dem Markt bekannt

Berater der Gruppe von Sicherheitengebern des ADG-Kredits
Gleiss Lutz (Hamburg): Dr. Andreas Rittstieg – aus dem Markt bekannt

Berater Dieter Pfundt
Haarmann (Frankfurt): Robert Bastian – aus dem Markt bekannt

Berater Friedrich Carl Janssen
Taylor Wessing (Düsseldorf): Dr. Dietrich Max – aus dem Markt bekannt

Berater Matthias Graf von Krockow
CMS Hasche Sigle (Frankfurt): Joachim Kühne, Dr. Christoph Schücking – aus dem Markt bekannt

Berater Christopher Freiherr von Oppenheim
Grub Brugger (München): Dr. Norbert Scharf – aus dem Markt bekannt

Berater Georg Baron von Ullmann (Ex-Aufsichtsratsvorsitzender)
Oppenhoff & Partner (Köln): Dr. Peter Etzbach, Michael Oppenhoff – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die zentralen Berater in dieser Auseinandersetzung sind Dr. Andreas Ringstmeier und Peter Rath auf der Seite von Madeleine Schickedanz sowie Dr. Markus Meier von Hengeler Mueller. Rath ist langjähriger Berater der Familie Schickedanz. Insbesondere für den bevorstehenden Prozess wurde zusätzlich der erfahrene Ringstmeier mandatiert. Ringstmeier gilt vor allem im Rheinland als hervorragend vernetzt und soll über die Empfehlung eines Kollegen ins Mandat gekommen sein. Einen ausgezeichneten Ruf hat Ringstmeier als Insolvenzverwalter, punktuell übernimmt er aber auch Beratungsaufträge.

Sal. Oppenheim hat ebenfalls auf die bevorstehende Klage reagiert und mit Hengeler-Partner Meier einen der renommiertesten Prozessspezialisten Deutschlands mit ins Boot geholt. Meier hat überdies hervorragende Kontakte in die Rechtsabteilung der Deutschen Bank, die den Streit ihrer Tochter Sal. Oppenheim eng begleitet. Zuletzt hat Meier die Deutsche Bank im Streit mit der Kirch-Gruppe vertreten (mehr…).

Interessant ist auch, dass die Sicherheitengeber beim ADG-Kredit sich beim Bemühen um eine außergerichtliche Einigung gemeinschaftlich von Dr. Andreas Rittstieg von Gleiss Lutz vertreten ließen. Vorerst sind die Verhandlungen aber gescheitert, so dass Rittstieg derzeit keine zentrale Rolle in dieser Sache mehr spielt.

Neben den zivilrechtlichen Beratern sind auch zahlreiche Strafverteidiger mandatiert. Fast alle Beklagten sind auch im Visier der Staatsanwaltschaft Köln, die den Sachverhalt mit der Einsatzgruppe Byzanz aufklären will. Ende 2010 starteten die Ermittlungen (mehr…), inzwischen hat die Staatsanwaltschaft wegen zweier zwielichtiger Immobiliengeschäfte Anklage erhoben. (Volker Votsmeier)

  • Teilen