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31.08.2012

iPad-App: Ergo geht mit Redeker gegen Handelsblatt vor

Die Ergo-Versicherung wehrt sich per einstweiliger Verfügung gegen die Art der Berichterstattung des Handelsblattes. Die Zeitung hatte wiederholt über fragwürdige Reisen der Versicherungsvertreter nach Budapest, Mallorca und Jamaika berichtet. Die Versicherung zog nun vor das Landgericht Köln.

Tobias Würkert

Tobias Würkert

Stein des Anstoßes ist aber nicht die Berichterstattung als solche, sondern die Berichte der Konzernrevision, in denen die Art der Reisen detailliert beschrieben sind. Diese stellt das Handelsblatt allen Besitzern der iPad-App ‚Handelsblatt Morning Briefing‘ seit gestern zum Herunterladen zur Verfügung.

In den Berichten erhalten die Leser Einblick über die Erkenntnisse der Konzernrevision zu den Reisen in die Gellert-Therme nach Budapest sowie zu mehreren Reisen in einen Club auf Jamaika. Gestern erreichte das Handelsblatt eine einstweilige Verfügung per Fax, heute erhielt die Zeitung die formelle Zustellung. Die Wirtschaftszeitung darf demnach speziell den Revisionsbericht „HMI-Wettbewerbsreise – Budapest 2007“ nicht mehr verbreiten. Das Handelsblatt will Rechtsmittel gegen diesen Beschluss einlegen.

Der Grund der einstweiligen Verfügung sei das urheberrechtliche Vergehen des möglichen Downloads. So lautet die Begründung der Vertreter. Die Revisionsberichte seien geistiges Eigentum der Ergo und dürften deswegen nicht komplett zur Verfügung gestellt werden. Nach Auffassung des Handelsblatts habe das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit aber Vorrang vor eventuellen urheberrechtlichen Ansprüchen der Ergo-Versicherung.

Zwischenzeitlich konnte das früheres Vorstandsmitglied Dr. Ulf Redanz einen Erfolg verbuchen. Der Ergo-Vorstand hatte ihn angezeigt, weil er angeblich in die Incentive-Reise nach Budapest verwickelt gewesen sollte. Laut Mitteilung seines Verteidigers hat die zuständige Staatsanwaltschaft Hamburg das Verfahren jedoch eingestellt. Demnach war er weder in die Reiseplanung eingebunden, noch hatte er Kenntnis von ihr.

Vertreter Ergo
Redeker Sellner Dahs (Bonn): Gernot Lehr; Associate: Tobias Würkert (Federführung)

Vertreter Handelsblatt
Inhouse (Düsseldorf): Thomas Gottlöber (Leiter Recht), Dr. Nina Court-Coumont

Landgericht Köln, 14. Zivilkammer
Dr. Martin Koepsel

Hintergrund: Die Ergo Versicherung mandatierte Redeker Sellner Dahs im Oktober 2011. Überhaupt ist die Kanzlei häufig gefragt, wenn es um schwierige Fälle in der Presse geht. So war Partner Lehr an der Rehabilitation des ehemaligen HSH-Chefjustiziars Gößmann (mehr…) beteiligt und stand dem ehemaligen Bundespräsidenten Wulff in der Kreditfrage zur Seite (mehr…). Neben Lehr spielen regelmäßig auch die jüngeren Partner und Associates eine wichtige Rolle, wie nun auch Würkert.

Das Handelsblatt hat bisher keine Kanzlei eingeschaltet und bearbeitet den Fall noch komplett mit interner Hilfe. Wenn sie Rat von außerhalb hinzuziehen, vertrauen sie schon seit Jahren regelmäßig auf Dr. Roger Mann, Partner der Hamburger Einheit Damm & Mann.

Im Ermittlungsverfahren vor der Hamburger Staatsanwaltschaft vertraute Ex-Vorstand Redanz dem Strafverteidiger Prof. Norbert Gatzweiler von der Kanzlei Gatzweiler & Münchhalffen aus Köln. Gatzweiler trat auch in der Affäre um die HSH Nordbank als Vertreter von früheren Vorständen auf (mehr…). (Eva Flick, Parissa Kerkhoff)

Update (5. September 2012): Mittlerweile hat das Handelsblatt Dr. Roger Mann von Damm & Mann wegen der Verfügung mandatiert.

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