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19.09.2012

290 Millionen Euro-Schadensersatzklage: Verivox-Gesellschafter wehren sich erfolgreich mit Schulte Riesenkampff

Das Verbraucherportal Verivox muss vier ehemaligen Gesellschaftern keinen Schadensersatz zahlen. Das entschied das Landgericht Heidelberg und wies deren Klage über 290 Millionen Euro zurück.  Die vier Ex-Gesellschafter hatten ihre Anteile 2006 veräußert. Im Nachhinein fühlten sie sich dann über die wirtschaftlichen Aussichten von Verivox getäuscht. Sie argumentierten, dass  sie sich bei richtiger Information nicht von ihren Anteilen getrennt und so am Erfolg des Unternehmens partizipiert hätten.

Andreas Lober

Andreas Lober

Nikolaus Starzacher und Andrew Goodwin hatten Verivox, ein Vergleichsportal für Telefon- und Strompreise, 1998 in Heidelberg gegründet. Ein Jahr später stieg Alexander Preston in das Unternehmen ein. 2003 beschäftigte Verivox bereits 110 Mitarbeiter. Doch die positive Entwicklung stockte, Starzacher zog sich aus der Geschäftsleitung zurück, Goodwin und Preston als Geschäftsführer knüpften Kontakte zum irischen Investor Independent News and Media (INM).

Starzacher und zwei weitere Gesellschafter, Dr. Stefan und Dr. Robert Herr erkauften dann für insgesamt 2,8 Millionen Euro ihre Anteile in Höhe von 71,4 Prozent an INM. Preston und Goodwin verkauften ebenfalls an den Investor, erhielten dafür aber kein Geld, sondern 25,5 Prozent Anteile an der Käufergesellschaft.

2009 stieg dann der britische Finanzinvestor Oakley ein, der für rund 20 Millionen Euro die Anteile von INM übernahm. Im gleichen Jahr verklagten Starzacher und Herr nun ihre ehemaligen Geschäftspartner. Der Vorwurf: Diese hätten heimliche Gespräche mit dem Investor geführt und die Entwicklung des Unternehmens verfälscht dargestellt, um sie so zum Verkauf zu bewegen. Die Teilklage belief sich zunächst auf 10 Millionen Euro und wurde im Verlauf des Prozesses auf 290 Millionen Euro erweitert. Die Kläger begründeten diese Erweiterung damit, dass sie bei richtiger Information nicht verkauft hätten und das Unternehmen heute 400 Millionen Euro wert sei.

Die Beklagten erhoben darauf Widerklage, damit die Kläger für alle Schaden haften, die durch die Erhöhung der Schadenssumme entstehen würden. Der Verkauf des Unternehmens sollte damit verhindert werden.

Das Gericht hat nun Klage und Widerklage abgewiesen. Die Beklagten Goodwin und Preston hätten zwar eine Pflichtverletzung ihren anderen Gesellschaftern gegenüber begangen, indem sie die Gespräche mit den Investoren verschwiegen hätten. Ein Schaden durch diese Pflichtverletzung sei aber nicht entstanden, begründete das Gericht das Abweisen der Klage. Außerdem war die Kammer nicht davon überzeugt, dass die Kläger Starzacher und Herr anderenfalls ihre Anteile behalten hätten.

Die Widerklage wies das Gericht ab, weil die Erhebung einer Klage nur in Ausnahmefällen eine sittenwidrige Schädigung des Gegners sei.

2011 verbuchte Verivox einen Umsatz von 42 Millionen Euro und beschäftigte rund 200 Mitarbeiter in Heidelberg und Berlin. Im März geriet das Unternehmen zudem in die Schlagzeilen, weil es 50 Mitarbeiter entlassen musste.

Vertreter Dr. Stefan Herr, Dr. Robert Herr
Allen & Overy (Frankfurt): Prof. Dr. Daniel Busse – aus dem Markt bekannt

Vertreter Nikolaus Starzacher, Karl Starzacher
Lehner Dänekampf Mayer (Düsseldorf): Frank Mayer – aus dem Markt bekannt

Vertreter Andrew Goodwin
Schulte Riesenkampff
(Frankfurt): Christoph Just (Litigation), Dr. Clemens Just (Corporate)

VertreterAlexander Preston
Schulte Riesenkampff
(Frankfurt): Dr. Andreas Lober (IT; Federführung)

Vertreter Verivox:
Gleiss Lutz
(Frankfurt): Dr. Stefan Rützel (Federführung), Dr. Sebastian Schalk (beide Litigation) – aus dem Markt bekannt

Landgericht Heidelberg, 11. Kammer für Handelssachen
Renate Rohde
(Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Schulte Riesenkampff vertritt Verivox schon seit zehn Jahren und war unter anderem bereits tätig, als der Private-Equity-Investor Oakley Capital bei dem Vergleichsportal einstieg (mehr…).

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