Artikel drucken
11.07.2016

Oktoberfestparty: Bewährungsstrafe wegen Faustschlag

Im Prozess wegen Körperverletzung gegen den früheren Linklaters-Partner Laurenz Schmitt (54) ist vergangenen Freitag das Urteil gefallen (824 Cs 451 Js 140669/15). Schmitt war rund ein Jahr nach einer Schlägerei auf einer Oktoberfest-Party von einem ehemaligen Partner der Kanzlei, der nun als Nebenkläger auftrat, angezeigt worden. Das Gericht verhängte sieben Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Schmitt kündigte umgehend Berufung an.

Schmitt hatte seinem ehemaligen Kollegen mit der Faust ins Gesicht geschlagen, nachdem dieser eine Studentin am Rande einer Kanzleifeier beim Oktoberfest 2014 massiv sexuell bedrängt haben soll.

In seiner Urteilsbegründung betonte der Richter, dass es in dem Prozess vor allem darum gegangen sei, das Motiv für die Schläge aufzudecken. Schmitt habe das Opfer schützen wollen, gleichwohl sei Selbstjustiz nicht zulässig. Schmitt selbst hatte während des Prozesses immer wieder betont, dass es sich um Nothilfe gehandelt habe und sagte nach dem Urteil, er finde das angewandte Strafmaß unrichtig. “Ich werde gegen das Urteil Berufung einlegen und die bestehende Nothilfesituation neu bewerten lassen.” Während der Bewährungszeit von drei Jahren muss Schmitt 1.000 Euro monatlich zahlen sowie bis Jahresende 150 Sozialstunden ableisten. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung beantragt.

Dem anderen ehemaligen Linklaters-Partner, der in diesem Prozess als Nebenkläger auftrat, kann ebenfalls noch ein Prozess bevorstehen: Die Staatsanwaltschaft hat ihn Anfang 2016 wegen Vergewaltigung und vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt. Über die Zulassung dieser Anklage ist noch nicht entschieden, das Gericht hatte umfangreiche Nachuntersuchungen angeordnet. Der Angeschuldigte bestreitet den Vorwurf der Vergewaltigung.

In der Urteilsbegründung gegen Schmitt fand der Richter Bonkamp allerdings auch zu diesem Vorwurf klare Worte. Er glaube dem mutmaßlichen Opfer absolut, dass es eine Vergewaltigung gegeben habe, da die Aussagen im Prinzip “sehr glaubhaft” gewesen seien. Die Studentin und zwei weitere Zeuginnen waren auch im Prozess gegen Schmitt als Zeuginnen des Vorfalls geladen.

Vertreter Laurenz Schmitt
Hieronimi & Schickler (München): Klaus Schickler

Vertreter ehemaliger Partner als Nebenkläger
Lucas Stevens (München): Dr. Alexander Betz, Stephan Lucas, Dr. Alexander Stevens

Staatsanwaltschaft München
Markus Michel (Staatsanwalt)

Amtsgericht München
Dr. Josef Bonkamp (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Die Parteien sind seit Beginn des Prozess unverändert. (Eva Flick)

  • Teilen