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23.01.2018

Arcandor-Pleite: KPMG muss Millionenhonorar teilweise zurückzahlen

Monatelang hatten die Mitarbeiter bei Karstadt, Primondo und Quelle gegen die Pleite angekämpft – vergeblich. Im Juni 2009 ging der Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. Seit Jahren klagt deshalb Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch: gegen verantwortliche Manager, aber auch gegen die Krisenberater von damals. Nun hat das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt entschieden: Sanierungsgutachterin KPMG muss dem Insolvenzverwalter zwar einen Teil des Honorars zurückzahlen. Mit seinen millionenschweren Schadensersatzforderungen blitzte Jauch aber ab.

Hans-Gerd Jauch

Hans-Gerd Jauch

Beide Seiten hätten zum Zeitpunkt der Zahlung am 20. Mai 2009 bereits gewusst, dass die Finanzierung der weiteren Geschäftstätigkeit nicht mehr gesichert gewesen sei, heißt es in der Begründung des OLG. Weil die Beraterhonorare noch kurz vor der Pleite ausgezahlt wurden, seien andere Gläubiger benachteiligt worden. Zwei Millionen Euro muss KPMG nun zurückzahlen – und damit weniger, als vom Insolvenzverwalter gefordert.

Dieser verlangte neben dem gesamten Honorar in Höhe von 3,5 Millionen Euro zudem 81 Millionen Euro Schadensersatz von den Beratern, weil diese noch Ende 2008 Arcandor die Sanierungsfähigkeit bescheinigten. Der Konzern hatte mit seinen Tochtergesellschaften Karstadt, Primondo und Quelle am 9. Juni 2009 beim Amtsgericht Essen Insolvenz angemeldet. Die Frankfurter Richter kamen nun zu dem Schluss, es habe nicht zur Pflicht der Berater gehört, Arcandor auf die drohende Insolvenzgefahr hinzuweisen. Die Frage der Insolvenzreife sei nicht Teil des Auftrags von KPMG gewesen, ein Sanierungskonzept zu erarbeiten.

Auch gegen andere Berater ging Jauch zuletzt erfolglos vor: Im Jahr 2014 verklagte er nicht nur Sanierungsgutachterin KPMG vor dem Landgericht Frankfurt. In Düsseldorf strengte er zudem ein Verfahren gegen BDO an, die als Wirtschaftsprüfer Jahres- und Quartalsabschlüsse uneingeschränkt testiert hatten. In dem Fall haben die Richter bereits im Dezember 2017 die Forderungen des Insolvenzverwalters abgewiesen.

Vertreter Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch
Anchor (Stuttgart): Thomas Rieger, Dr. Robert Hänel (Augsburg); Associate: Dr. Martin Goebel (Mannheim)
Görg (Köln): Frank Linnenbrink, Michael Dahl

Zimmerling_Marc

Marc Zimmerling

Vertreter KPMG
Allen & Overy (Frankfurt): Dr. Marc Zimmerling, Associates: Angelique Pfeiffelmann, Rhea Karst 

Oberlandesgericht Frankfurt, 4. Senat
Dr. Christoph Rennig

HIntergrund: An der Beraterkonstellation hat sich in dem Fall nichts verändert. Auf beiden Seiten sind versierte Prozessexperten mit Erfahrung in Beraterhaftungsprozessen tätig. Insolvenzverwalter Jauch zog neben den eigenen Kollegen von Görg die von Beginn an involvierten Berater von Anchor hinzu. Allen & Overy-Partner-Zimmerling ist auch in anderen Haftungsprozessen für KPMG aktiv.

Abschlussprüferin BDO wurde in dem parallel laufenden Verfahren in Düsseldorf von Stefan Bank, Partner bei Bock Legal, vertreten. (Ulrike Barth)

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