Artikel drucken
27.05.2019

Nach Spitzelaffäre: Hogan Lovells einigt sich mit Ex-EWE-Vorstand

Hogan Lovells hat sich mit dem ehemaligen EWE-Vorstand Nikolaus Behr in der sogenannten Spitzelaffäre auf einen Vergleich geeinigt. Nach Informationen der Nordwest-Zeitung soll Hogan Lovells Behr einen Geldbetrag im „hohen sechsstelligen Bereich“ gezahlt haben. Hogan Lovells bestätigte auf JUVE-Anfrage die Einigung, die bereits im Januar stattgefunden hatte, wollte sich aber nicht weiter dazu äußern.

Christian Depken

Christian Depken

Behr hatte Hogan Lovells im Zusammenhang mit der Überwachung eines Beschäftigten per GPS-Sender Falschberatung vorgeworfen und beim Landgericht Hamburg auf Schadensersatz verklagt. In dem Fall ging es um einen Arbeitsrechtsstreit mit einem Mitarbeiter.

Die Verständigung sei Mitte Januar getroffen worden, gerichtskundig (Az. 305 O 273/17) und damit beendet, teilte Behrs Pressesprecher mit.

Behr hatte 2017 argumentiert, der Hamburger Arbeitsrechtspartner Dr. Eckard Schwarz von Hogan Lovells habe ihn nicht über die Rechtswidrigkeit der Maßnahme aufgeklärt, sondern sogar die Überwachung selbst in Auftrag gegeben. Die Kosten seien damals über die Kanzlei abgerechnet worden.

Behr war EWE-Personalvorstand und ohne Abfindung gegangen. Ob er nach dem Vergleich auch gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber EWE Ansprüche geltend machen will, ist noch nicht klar. Eine Steilvorlage bietet die Einigung dafür in jedem Fall.

Schwarz, damals Office Manager der Kanzlei in Hamburg, trat in Folge der Affäre von dieser Position zurück.

Beendet sind vorerst auch die gerichtlichen Auseinandersetzungen, die der bespitzelte ehemalige EWE-Mitarbeiter gegen EWE und Behr führte. Der Ex-Mitarbeiter verlor sowohl das Verfahren vor dem Landgericht Lübeck (Az. 4 O 125/17) als auch das vor dem Arbeitsgericht in Oldenburg (Az. 7 Ca 223/18).

Vertreter Nikolaus Behr
Riverside Mauritz Depken Vogelsang Scharninghausen Reichelt (Hamburg): Dr. Christian Depken

Jonas Mark

Jonas Mark

Vertreter Hogan Lovells
Fieldfisher (München): Dr. Jonas Mark

Hintergrund: Hogans Lovells-Vertreter Mark ist mit seinem Team Anfang des Jahres zu Fieldfisher gewechselt, um für die Kanzlei eine Konfliktlösungspraxis aufzubauen. Bis dahin firmierte die vierköpfige Mannschaft unter JM Legal. Intern begleitete damals bei Hogan Lovells Karl Pörnbacher den Komplex. Der Münchner Partner managed schon lange die Beraterhaftungsfälle der Kanzlei in Deutschland. Aktuell wollte sich Hogan Lovells dazu nicht äußern.

Die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen den Hamburger Partner sowie gegen Behr sind seit Längerem eingestellt. Der Anwalt wurde dabei von Roxins Managing-Partner Dr. Oliver Sahan verteidigt.

Behrs Anwalt Depken hat Anfang 2017 in Hamburg mit vier weiteren Partnern die Kanzlei Riverside gegründet. Depken ist einer der Corporate-Partner der Kanzlei und berät auch häufig bei gesellschaftsrechtlichen Streitigkeiten.

EWE wurde in den Verfahren von White & Case vertreten. Das Team von Karl-Jörg Xylander hatte zuvor auch die interne Ermittlung beim Energieversorger geleitet, als die Spitzelvorwürfe bekannt wurden. (Christiane Schiffer, mit Material von dpa)

  • Teilen