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22.08.2019

Anschlag auf Anwalt: Stadtplan-Erbe Falk beteuert Unschuld

Am Frankfurter Landgericht hat am Mittwoch der Prozess gegen den Hamburger Unternehmer Alexander Falk begonnen. Der Erbe des Stadtplanverlages soll laut Staatsanwaltschaft dafür verantwortlich sein, dass 2010 ein früherer Anwalt von Clifford Chance, der inzwischen bei DLA Piper arbeitet, angeschossen wurde. Falk soll den Anschlag in Auftrag gegeben haben. Dass es überhaupt zum Prozess gekommen ist, liegt an einem Zeugen. Er meldete sich vor zwei Jahren bei der Polizei. Clifford Chance und DLA Piper hatten eine Belohnung von 100.000 Euro ausgeschrieben.

Daniel Wölky, Alexander Falk, Björn Gercke (v.l.)

Falk bestritt die Vorwürfe am ersten Prozesstag. „Diesen Auftrag habe ich nicht gegeben“, sagte der 50-Jährige in einer rund einstündigen Stellungnahme vor Gericht. Er sitze seit knapp einem Jahr in Haft für eine Tat, die er nicht begangen habe. „Einen feigen Anschlag in Auftrag zu geben, widerspricht allem, was mir wichtig ist, meiner Erziehung, meinen Werten, meinem Sportsgeist.“ Falk räumte allerdings ein, damals einen Datendiebstahl unter anderem bei dem betroffenen Anwalt in Auftrag gegeben zu haben, um in einem Rechtsstreit seine Unschuld zu beweisen.

Wer 2010 die Schüsse auf den Anwalt abgegeben hat, ist bis heute nicht klar. Nach einem Verdächtigen wurde damals sogar mit Hilfe der ZDF-Sendung ‚Aktenzeichen XY ungelöst‘ gesucht. Falk saß zu dieser Zeit bereits wegen Bilanzfälschungen in Haft. Erst vor zwei Jahren kam wieder Bewegung in den Fall, als sich ein Zeuge und dessen Cousin beim Landeskriminalamt Hamburg meldeten. Sie präsentierten den Mitschnitt eines Gesprächs zwischen Falk und zwei weiteren Männern. Auf dem Band, das am ersten Prozesstag abgespielt wurde, ist zu hören, wie sich Falk über den Anschlag freut, er sagt, er habe gejubelt, als hätte er einen Elfmeter verwandelt. Das sei „sehr geil“ und „genau das richtige Signal“ gewesen. Auf den Aussagen dieser Zeugen fußt nun im Wesentlichen die Anklage, die Falk versuchte Anstiftung zum Mord sowie Anstiftung zu gefährlicher Körperverletzung vorwirft. Motiv für den Mordauftrag seien Habgier und Rachegelüste gewesen.

Ein Deal mit Folgen

Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass das Opfer, der heutige DLA-Anwalt, und sein damaliger Kollege den Zorn Falks auf sich gezogen haben, weil sie als Klägervertreter gegen ihn prozessierten. Durch die Prozesse verlor Falk, der zeitweise als einer der hundert reichsten Deutschen galt, einen großen Teil seines Vermögens, insgesamt sollte er 208 Millionen Euro zurückzahlen. 2008 verurteilte ihn das Landgericht Hamburg unter anderem wegen versuchten Betrugs zu vier Jahren Haft.

Der Betrugsvorwurf resultierte aus einer Transaktion, bei der Falk um die Jahrtausendwende seine Firma Ision an das britische Unternehmen Energis verkaufte. Energis wurde seinerzeit von Clifford beraten. Ision musste jedoch Insolvenz anmelden, die Bilanzen waren, wie sich später herausstellte, für den Verkauf gefälscht worden.

Bei den darauffolgenden Prozessen spielte Clifford wieder eine entscheidende Rolle, federführend mit dem späteren Anschlagsopfer und einem weiteren Partner. Sie setzten für die Energis-Insolvenzverwalterin Ansprüche gegen Falk durch. Im Laufe des Verfahrens hatte Clifford mit einem Forderungsbetrag von 763 Millionen Euro den damals wohl höchsten Adhäsionsantrag in Deutschland gestellt.

Ralf Höcker

Ralf Höcker

Belohnung bereits gezahlt

Nach dem Anschlag – der betroffene Partner war bereits vor der Tat von Clifford zu DLA Piper gewechselt – hatten Clifford und DLA gemeinsam die Belohnung ausgesetzt. Die Belohnung sollte ein Zeichen sein, dass die Kanzleien eine solche Tat nicht hinnehmen und ihren Teil zur Aufklärung beitragen wollten. Auf Anraten ihres Anwalts wurde die Belohnung nicht, wie sonst oft üblich, im Falle einer Verurteilung fällig, sondern bereits zur Eröffnung des Hauptverfahrens. Clifford holte sich in dieser Sache den Strafverteidiger Hans Hauschild von Karras & Kollegen in Fulda an die Seite, einem vor allem in Hessen sehr bekannten Individualverteidiger. Über ihn ist die Belohnung nach JUVE-Informationen inzwischen an den Anwalt des Zeugen geflossen.

Falk wird von Prof. Dr. Björn Gercke sowie Daniel Wölky von Gercke Wollschläger verteidigt. Thomas Bliwier von bdk Rechtsanwälte ist Ende 2018 aus dem Mandat ausgeschieden. Gercke hatte den Fall von Gerhard Strate von Strate und Ventzke übernommen. Der Wechsel hatte für Aufsehen gesorgt, weil Gercke eigentlich ein klassischer Wirtschaftsstrafrechtler ist. In presserechtlichen Fragen setzt Falk auf Prof. Dr. Ralf Höcker.

Gercke erklärte bereits im Vorfeld des Prozesses, er wolle einen Freispruch erwirken: Erstens mache es überhaupt keinen Sinn, den Counsel einer Großkanzlei zu erschießen, da das Mandat jederzeit von einem anderen Anwalt übernommen worden wäre. Das sei das Prinzip einer Großkanzlei und der Teams, die jeweils hinter einem Mandat stünden. Und zweitens habe es der plötzlich aufgetauchte Zeuge lediglich auf die Belohnung abgesehen.

Dieser habe versucht, Falk zu erpressen und fünf Millionen Euro verlangt. Als das nicht gelang, habe er zumindest die 100.000 Euro einstreichen wollen. Die Verteidigung hat außerdem ein Gutachten bei einem vereidigten IHK-Sachverständigen in Auftrag gegeben. Dieses belege, so Gercke, dass der Gesprächsmitschnitt manipuliert sei.

Inzwischen wird in einem gesonderten Verfahren gegen den Zeugen selbst ermittelt, er soll angeblich als Schütze infrage kommen. Dessen Cousin, ebenfalls als Zeuge aufgeführt, habe seine ursprüngliche Aussage inzwischen komplett zurückgezogen, weil es, so seine Begründung, einen Mordauftrag Falks nie gegeben habe.

Das Gericht hat bis Dezember insgesamt 18 Verhandlungstage angesetzt, mehr als 20 Zeugen sowie Sachverständige sollen vernommen werden. (Eva Flick; mit Material von dpa)

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