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03.08.2020

Cum-Ex: Sarasin muss wegen Falschberatung von Clemens Tönnies zahlen

Das Schweizer Bundesgericht hat die Bank J. Safra Sarasin zu Schadensersatz für Cum-Ex-Falschberatung verurteilt. Sarasin muss der Vermögensverwaltungsfirma von Clemens Tönnies knapp 900.000 Euro zuzüglich Zinsen zahlen. Tönnies‘ Kapitalgesellschaft hatte rund eine Million Euro in den Luxemburger Cum-Ex-Fonds Sheridan eingezahlt, nur ein Bruchteil floss zurück.

Sven Kuhse

Sven Kuhse

Wie zahlreiche andere vermögende Investoren, beispielsweise die Unternehmer Erwin Müller und Carsten Maschmeyer, hatte Tönnies‘ Asset Immobilien GmbH & Co. KG Kapital in den Luxemburger Sheridan-Fonds investiert. Der Fonds wurde wertlos, als die Finanzbehörden die Cum-Ex-Geschäfte aufdeckten. Tönnies klagte wegen Falschberatung, er sei über die Risiken der Geldanlagen nie aufgeklärt worden.

Da Tönnies Kapitalgesellschaft als KG firmiert, musste er in der Schweiz klagen. Zunächst verlor er 2019 in erster Instanz am Züricher Handelsgericht (Az. HG170121-O), da er damals nicht nachweisen konnte, dass seine Fonds-Anteile wertlos waren. Mithilfe der Luxemburger Kanzlei Molitor und nach mehreren Gesellschafterversammlungen der Fonds soll schließlich herausgekommen sein, dass die Vermögenswerte des Fonds letztlich nur noch aus Schadensersatzanspüchen gegen Anwälte und Berater bestanden.

Das Bundesgericht gab Tönnies nun in seiner Entscheidung von Ende Mai Recht und entschied, dass Sarasin für den eingetretenen Schaden bei seinem Anlageprodukt verantwortlich sei und deshalb auch dafür aufkommen muss. Nach JUVE-Informationen hat Sarasin die Summe von knapp 890.000 Euro plus 10 Prozent Zinsen bereits beglichen.

Vertreter Tönnies/Asset Immobilien
Roesle Frick & Partner (Zürich): Dr. Max Roesle, Sven Kuhse (beide Bankrecht)
Göhmann (Hannover): Prof. Dr. Ulrich von Jeinsen (Steuerrecht)

Ulrich von Jeinsen

Ulrich von Jeinsen

Vertreter Bank J. Safra Sarasin AG
Lenz & Staehelin (Zürich): Alex Wittmann (Litigation)

Schweizer Bundesgericht, 1. zivilrechtliche Abteilung
Christina Kiss (Präsidentin)

Hintergrund: Für Tönnies trat in der Schweiz der Prozessspezialist Roesle an, mit dem Göhmann über ihr Best-Friends-Netzwerk kooperiert. Göhmann-Partner von Jeinsen, der neben Tönnies auch einige andere Investoren in Cum-Ex-Streitigkeiten erfolgreich vertreten hat, begleitete das Schweizer Verfahren als Berater. Derzeit arbeitet er an Schadensersatzklagen gegen den TÜV Süd im Namen einiger Angehöriger von Opfern des Vale-Bergwerksunglücks in Brasilien. Hengeler hat die Vertretung des TÜVs übernommen.

Auf der Sarasin-Seite steht in Cum-Ex-Verfahren seit Jahren der Züricher Litigation-Partner Wittmann von Lenz & Staehelin. In Deutschland hat diesen Part Dr. Markus Meier von Hengeler Mueller übernommen. (Christiane Schiffer)

 

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