Artikel drucken
25.09.2020

German Property Group: Amtsgericht Bremen hält Insolvenzantrag für unzulässig

Der Insolvenzkrimi um die German Property Group ist um ein weiteres Kapitel reicher: Das Amtsgericht Bremen hat nun den Insolvenzantrag zurückgewiesen, wogegen German Property sofortige Beschwerde eingelegt hat. Beides bestätigte das Gericht auf Nachfrage. In dem aus Verwaltersicht lukrativen Verfahren muss nun das Landgericht Bremen als übergeordnete Instanz entscheiden, ob das örtliche Verfahren mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Prof. Dr. Gerrit Hölzle von Görg fortgeführt werden kann. Allerdings prüft auch das Amtsgericht Hannover weiter seine Zuständigkeit für den Fall.

Gerrit Hölzle

Gerrit Hölzle

Dem Beschluss des Amtsgerichts Bremen war ein vom ehemaligen Geschäftsführer der German Property Group, Charles Smethurst, in Auftrag gegebenes Schreiben an das Gericht vorausgegangenen. Darin moniert Smethurst unter anderem, dass zwischen der Sitzverlegung des zuvor in Hannover-Langenhagen ansässigen Unternehmens und dem Insolvenzantrag zu wenig Zeit lag. Das Amtsgericht sieht darin wohl den zentralen Grund für seinen Beschluss, den Insolvenzantrag zurückzuweisen. Nach der Beschwerde muss sich nun das Landgericht Bremen mit der Frage beschäftigen, ob die Sitzverlegung der German Property Group vier Wochen vor dem Insolvenzantrag rechtens ist.

Die Vorwürfe Smethursts, die in dieser Woche der Business-Insider aufgegriffen hat, gehen allerdings deutlich weiter. Er unterstellt Hölzle und dem Insolvenzdienstleister Alldatax Gläubigerschädigung. Gegen solche Vorwürfe verwahrt sich Hölzle. Bekannte Vertreter von Gläubigern der German Property Group halten dies ebenfalls für abwegig und beschreiben Hölzle als „akribischen Verwalter“. Die Vorwürfe Smethursts interpretieren sie vielmehr als Kampagne, nicht zuletzt, um von eigenen Verfehlungen abzulenken.

Justus Buchwaldt

Justus von Buchwaldt

Ob das Verfahren in Bremen und bei Hölzle bleibt, ist allerdings alles andere als sicher: Anfang der Woche hat auch das Amtsgericht Hannover seine Zuständigkeit in dem Verfahren Dolphin Capital 80 (DC80) festgestellt. Das Verfahren hat der Münchner Anwalt Peter Mattil von Mattil & Kollegen im Auftrag einer Gläubigerin der German Property Group in Hannover beantragt, nachdem er die German Property gebeten hatte, zum Vermögen der DC80 Auskunft zu geben. Die DC80 ist eine von knapp 200 Gesellschaften der Gruppe, in die zahlreiche der ausschließlich ausländischen Investoren nach JUVE-Informationen besonders viel Geld eingezahlt hatten. Gläubigervertreter gehen nach JUVE-Informationen von deutlich mehr als eine Milliarde Euro aus.

Das Hannoveraner Gericht hat sich bei DC80 für zuständig erklärt und mit Justus von Buchwaldt von BBL Brockdorff & Partner auch einen Gutachter bestellt, der zu einem späteren Zeitpunkt vorläufiger Insolvenzverwalter werden könnte. Der Antrag zur Dolphin Capital 80 in Hannover ist laut gut unterrichteter Kreise zeitlich vor dem Bremer Antrag gestellt worden. Gemäß Insolvenzordnung ist das Gericht zuständig, bei dem zuerst die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt worden ist. (Martin Ströder, Ludger Steckelbach)

  • Teilen