Edelmetall

Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt wegen 460-Millionen-Euro-Betrug bei Heraeus

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen die Heraeus Precious Metals wegen eines möglicherweise über Jahre laufenden Betrugs, der einen erheblichen Schaden angerichtet haben soll. Die Ermittlungen beruhen auf einer Selbstanzeige des Unternehmens. Sechzehn aktuelle und ehemalige Mitarbeiter, darunter Führungskräfte, stehen unter Betrugsverdacht. Diese Kanzleien sind beteiligt.

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Der Vorwurf wiegt schwer: Heraeus soll seit 2015 Edelmetalle einbehalten haben, die rechtmäßig Kunden gehörten. Das Unternehmen hat wegen der Vorwürfe bereits 457,7 Millionen Euro Rückstellungen für mögliche finanzielle Risiken gebildet.

Joachim Kaetzler

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf die Recycling-Sparte von Heraeus Precious Metals in Hanau, einer der weltgrößten Raffineriestandorte. Edelmetallreste in der Mahlausrüstung sollen einbehalten worden sein. Soweit bekannt, hat sich keiner der Beschuldigten persönlich bereichert.

Ein Whistleblower brachte die Angelegenheit im Oktober 2023 ins Rollen. Laut Financial Times untersuchte Heraeus zunächst intern, nach Kritik von KPMG kam dann jedoch CMS Hasche Sigle unter Aufsicht des Verwaltungsrats ins Spiel. Ein Abschlussbericht wird laut Financial Times noch in diesem Quartal erwartet.

Eike Bicker

Der südafrikanische Bergbaukonzern Northam Platinum erhielt bereits im August eine einmalige Zahlung von 66 Millionen Dollar von Heraeus. Diese Summe bezog sich auf eine „einvernehmliche“ Neubestimmung historischer Raffinerie-Ergebnisse über etwa ein Jahrzehnt.

Führungswechsel und Familienverbindungen

Die Ermittlungen haben bereits personelle Konsequenzen nach sich gezogen. Jan Rinnert, der das Unternehmen zwölf Jahre als Vorstandsvorsitzender führte, verließ Heraeus. Er ist mit der Tochter von Jürgen Heraeus verheiratet, dem Patriarchen der Unternehmerfamilie und ehemaligen Vorstandsvorsitzenden, der zwei Jahrzehnte lang den Aufsichtsrat leitete. Unter den Beschuldigten sollen frühere Führungskräfte des Unternehmens sein, darunter auch ein Chefjurist.

Heraeus erklärte gegenüber der Financial Times, man habe „transparent gehandelt“, die Behörden „proaktiv informiert“ und bereits „alle betroffenen Kunden vollständig entschädigt“.

Heraeus gehört vollständig der erweiterten Heraeus-Familie mit etwa 200 Gesellschaftern. Das  Unternehmen erzielte 2024 einen Umsatz von 29,4 Milliarden Euro und zählt zu Deutschlands größten familiengeführten Industriekonzernen.

Christoph Knauer

Die Vertreter im Überblick

Berater Heraeus
CMS Hasche Sigle (Frankfurt): Dr. Joachim Kaetzler (Compliance)
Gleiss Lutz (Frankfurt): Dr. Eike Bicker (Compliance)

Vertreter Jan Rinnert
Knauer (München): Prof. Dr. Christoph Knauer

Laura Borgel

Weitere Vertreter:
Arktik (Frankfurt): Dr. Björn Kruse
Feigen Graf (Frankfurt): Dr. Laura Borgel
Hübner (Frankfurt): Dr. Yannic Hübner
Klengel (Frankfurt): Dr. Jürgen Klengel
Krug Fröba Dominok Rathgeber (Frankfurt): Björn Krug
Ohly Zöller (Aschaffenburg)
Ramser und Partner (Frankfurt): Lukas von Gierke
Schilling Tute (Frankfurt): Dr. Hellen Schilling, Christoph Tute, Associates: Dr. Sigrid Mehring-Zier, Dr. Katrin Frank
Schröder Racky (Frankfurt): Eva Racky
v. Pelchrzim (Frankfurt): Dr. Gero von Pelchrzim
Verte (Köln): Dr. Christian Schmitz
Zimmermann Smok (Wiesbaden)

Staatsanwaltschaft Frankfurt: Dr. Jesco Kümmel (Oberstaatsanwalt)

Hintergrund: Alle Vertreter sind aus dem Markt bekannt. CMS soll zunächst alleine unter Führung des vor allem im Bereich Banking bekannten Kaetzler mit der internen Untersuchung beauftragt worden sein. Gleiss Lutz mit dem Compliance-Spezialisten Bicker kam nach der Untersuchung dazu.

Der Fall beschäftigt – soweit sie inzwischen bekannt wurden – primär Frankfurter Verteidiger. Bemerkenswerte Ausnahme ist Knauer. Auffällig ist auch, dass sich hier weit überwiegend nicht die alteingesessenen Platzhirsche der Frankfurter Verteidigerszene engagieren, sondern die Folgegeneration. Kanzleien wie Arktik, Hübner, Krug Fröba, aber auch Schröder Racky oder Schilling Tute sind in dieser Konstellation erst wenige Jahre am Markt. Jedoch können alle Verteidiger auf viel Erfahrung aus anderen Kanzleien zurückgreifen. So war etwa Hübner bis Herbst noch bei Schilling Tute tätig.

Auch Oberstaatsanwalt Kümmel ist kein Unbekannter: Er vertrat die Anklage im sogenannten „Sommermärchenprozess“.

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