SachsenLB-Organklagen

Gleiss-Mandant Gerrit Raupach schließt Vergleich mit Freistaat Sachsen

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  • JUVE

Der Freistaat Sachsen und ein ehemaliger SachsenLB-Vorstand haben einen außergerichtlichen Vergleich abgeschlossen. Wie das sächsische Finanzministerium heute mitteilte, erkennt der Bankmanager Gerrit Raupach die Schadensersatzforderungen des Freistaats Sachsen in einer nicht bekannten Höhe an. Durch den Vergleich erledigt sich die gegen ihn geführte Organhaftungsklage vor dem Landgericht Leipzig.

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Raupach war bei der SachsenLB für das Firmenkunden- und Immobilienkreditgeschäft verantwortlich. Aktuell ist er im dreiköpfigen Management der Valovis Bank, welche laut jüngsten Presseberichten zufolge in verschiedene Unternehmensteile zerlegt werden soll.

Der erfahrene Bankmanager gehört zu der achtköpfigen Ex-Führungsriege der Landesbank, gegen die der Freistaat Sachsen aus abgetretenem Recht klagt. Insgesamt sind diverse Schiedsverfahren und mehrere Zivil- und Strafprozesse vor dem Landgericht Leipzig anhängig (mehr…, mehr…). Gegenstand der Zivilklagen sind Schadensersatzforderungen aufgrund möglicher Pflichtverletzungen der Vorstandsriege im Zusammenhang mit riskanten Kapitalmarktinvestitionen. Die SachsenLB war über diverse ausländische Töchter stark im Geschäft mit US-Hypothekenmarktkrediten tätig. Diese meldeten in der Immobilienkrise 2007 massive Verluste und trugen wesentlich zur wirtschaftlichen Schieflage der Bank bei. In der Folge musste der Freistaat Sachsen aufgrund seiner Gewährträgerhaftung für an die Bank gerichtete Forderungen in Höhe von 2,75 Milliarden Euro geradestehen. Die Bank selbst wurde kurze Zeit später von der LBBW übernommen.

Nun müssen Wirtschaftsprüfer die Vermögenswerte von Raupach überprüfen, erst danach wird festgelegt, wie hoch sein persönlicher Leistungsbeitrag an den Freistaat Sachsen sein wird. Auswirkungen hat der Vergleich zudem auf einen Deckungsstreit zwischen dem Freistaat Sachsen und dem D&O-Versicherer Chartis vor dem Oberlandesgericht Frankfurt (mehr…). Chartis, die innerhalb des D&O-Konsortiums für etwaige Managerhaftungsfälle bei der SachsenLB als Grundversicherer agiert, lehnt bislang eine Zahlung der Versicherungssumme aus der D&O-Police ab. Laut Pressemitteilung kann der Freistaat Sachsen aufgrund des Vergleichs in dem noch laufenden Klageverfahren gegen Chartis von einer Feststellungs- auf eine Zahlungsklage umstellen.

Vertreter Freistaat Sachsen
Latham & Watkins (Frankfurt): Dr. Uwe Eyles, Volker Schäfer, Christine Gärtner – Organhaftungsklagen vor LG Leipzig
Clifford Chance (Frankfurt): Heinz‐Günter Gondert, Sebastian Rakob (beide Federführung), Dr. Martin Jawansky, Corinna Baltzer – Deckungsklage vor dem OLG Franfkurt

Vertreter Gerrit Raupach
Gleiss Lutz (Frankfurt): Dr. Stefan Rützel, Dr. Andrea Leufgen – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Gerrit Raupach setzte bei den außergerichtlichen Verhandlungen auf das Gleiss-Team, das ihn auch in den Zivilklagen vertritt.

Der Freistaat Sachsen vertraut weiterhin auf das bewährte Kanzlei-Gespann aus Latham & Watkins und Clifford Chance. So ist Latham neben den Organhaftungsklagen auch als Parteivertreterin für den Freistaat Sachsen in diversen Schiedsverfahren tätig. Die Rolle von Clifford Chance ist dagegen eher die einer strategischen Beraterin, ihre Prozessexpertise tritt in dem Deckungsstreit mit Chartis vor dem Oberlandesgericht Frankfurt in Erscheinung. Der D&O-Versicherer lässt sich dort von der versicherungsrechtlichen Praxis von Friedrich Graf von Westphalen aus Köln vertreten.

 

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