Sal. Oppenheim

Staatsanwälte klagen Banker wegen Schickedanz-Kredit an

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  • JUVE

Die Staatsanwaltschaft Köln hat gegen die ehemaligen persönlich haftenden Gesellschafter von Sal. Oppenheim eine neue Anklage erhoben. Diesmal geht es um die Vergabe eines 350-Millionen-Euro-Kredits an die Briefkastenfirma ADG, die das Geld an die Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz weiterverliehen hatte.

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Daniel Krause
Daniel Krause

Auch in ihrer neuen Anklage vermutet die Staatsanwaltschaft Untreue in einem besonders schweren Fall beziehungsweise Beihilfe hierzu. Die Staatsanwälte gehen davon aus, dass der Kredit an Schickedanz nicht hätte vergeben werden dürfen. Als dieses Geschäft 2005 abgeschlossen wurde, stand die Quelle-Erbin bei Sal. Oppenheim bereits mit 650 Millionen Euro in der Kreide. Die Bank wurde seinerzeit geführt von Bankchef Matthias Graf von Krockow, Christopher Freiherr von Oppenheim, Friedrich Carl Janssen, Dieter Pfundt und bis 2008 von Detlef Bierbaum. Aufsichtsratschef war Georg Baron von Ullmann.

Hinter der Firma ADG standen wiederum einige Bankverantwortliche selbst: von Krockow, sein damaliger Mit-Geschäftsführer von Oppenheim, Aufsichtsrat von Ullmann und der Troisdorfer Immobilienunternehmer Josef Esch. Nach Ansicht der Strafverfolger hätten die Banker den ADG-Kredit nicht mehr an Schickedanz vergeben dürfen, weil sie so ein zu hohes Risiko für ihre eigene Bank eingingen. Denn die persönlich haftenden Gesellschafter hafteten zum einen für die Bank selbst, zum anderen gingen sie über die ADG verdeckt zusätzlich Einzelbürgschaften ein. Womöglich hätte die Schickedanz-Leihgabe als Organkredit vom Aufsichtsrat abgesegnet werden müssen. Das geschah allerdings nicht. Auch die vereinbarten Zinsen sollen gemessen an dem hohen Risiko nicht marktüblich gewesen sein.

Noch im Frühjahr 2005 hatten die Sal. Oppenheim-Banker versucht, den ADG-Kredit rechtlich mit einem Gutachten der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek abzusichern. Allerdings ist unklar, ob dieses Gutachten zur Entlastung taugt. Kenner des Falls bezweifeln die Aussagekraft, weil ihm lediglich ein abstrakter Sachverhalt zugrundeliegt.

Vertreter Matthias Graf von Krockow
Krause & Kollegen (Berlin): Dr. Daniel Krause
Strafverteidigerbüro (Köln): Christof Püschel

Vertreter Christopher Freiherr von Oppenheim
Prof. Dr. Klaus Volk (München)
Grub Brugger & Partner (München): Dr. Norbert Scharf

Vertreter Dieter Pfundt
Dr. Dörr & Partner (Frankfurt): Dr. Felix Dörr

Vertreter Friedrich Janssen
Prof. Dr. Franz Salditt (Neuwied)
Gercke & Wollschläger (Köln): Dr. Ulrich Leimenstoll

Vertreter Detlef Bierbaum
Livonius (Frankfurt): Dr. Barbara Livonius

Berater Bankhaus Sal. Oppenheim
Feigen Graf (Frankfurt): Hanns Feigen

Vertreter Josef Esch (wegen Beihilfe)
Kempf & Dannenfeldt (Frankfurt): Eberhard Kempf

Staatsanwaltschaft Köln
Gunnar Greier (Leiter der Ermittlungsgruppe Byzanz), Torsten Elschenbroich

LG Köln, 16. Große Strafkammer
Sabine Grobecker (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Alle Vertreter sind aus dem Markt bekannt.

Die strafrechtlichen Mandate sind schon seit Längerem vergeben, im Wesentlichen seitdem die Staatsanwaltschaft ermittelt (mehr…). Wegen verschiedener Immobiliengeschäfte in Köln und Frankfurt hat die Staatsanwaltschaft bereits Anklage erhoben (mehr…). In diesen Komplexen beginnt der Prozess am 27. Februar in Köln. Die Richterin Sabine Grobecker hat allein hierfür bis Weihnachten dieses Jahres 78 Verhandlungstage angesetzt. Der Fall ADG soll in einem eigenen Prozess verhandelt werden. Die Kreditnehmerin Schickedanz geht überdies in dieser Sache zivilrechtlich gegen Sal. Oppenheim und die ehemals dort Verantwortlichen vor (mehr…).

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