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07.09.2017

Insolvenzmarkt: Kübler-Verwalter wechseln zu Römermann

Die traditionsreiche Insolvenzverwalterkanzlei Kübler ist auf Schrumpfkurs. Sie schließt ihre Büros in Frankfurt und Hamburg. Nach JUVE-Informationen reduziert sie zudem ihr Verwalterteam in Köln deutlich. Bisheriger Hauptprofiteur der Umbrüche ist die norddeutsche Sozietät Römermann. Diese ist seit Jahren auch im Verwaltungssegment tätig, zählte bislang aber nicht zu den bundesweit bestimmenden Insolvenzkanzleien.

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Frank-Ludwig Danko

Römermann angeschlossen hat sich der langjährige Geschäftsführende Kübler-Partner Dr. Franz-Ludwig Danko (56), der überwiegend in Frankfurt und Dresden tätig ist. Er wurde in der Verwaltungseinheit von Römermann zum Geschäftsführer bestellt und bringt mit Dresden und Kassel auch weitere Standorte ein, die er zusammen mit dem Frankfurter Büro leiten wird. Zum Oktober wechselt in Hamburg zudem der langjährige Kübler-Standortleiter und Verwalter Dominik Montag (48) zu Römermann. Montag wird als Geschäftsführer die Leitung der Römermann-Insolvenzstandorte in der Hansestadt sowie in Kiel übernehmen.

Bereits Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass der zweite Frankfurter Kübler-Verwalter, Thomas Rittmeister (48), Kübler verlässt und im Oktober für die norddeutsche Verwalterkanzlei Reimer in Frankfurt eröffnet.

Nach JUVE-Informationen steht auch der Verwaltungszweig in Köln, wo die Kanzlei Mitte der 1970er-Jahre gegründet worden war, praktisch vor dem Aus. Hier werden zwei Verwalter, deren Namen der Redaktion bekannt sind, die Kanzlei zu einem noch unbekannten Zeitpunkt verlassen. Damit ist dann nur noch der mittlerweile hauptsächlich in Dresden ansässige 72-jährige Kanzleigründer Dr. Bruno Kübler als Verwalter auch in Köln aktiv. Dagegen bleibt das Beratungssegment in Köln erhalten.

„Konzentration auf wichtige Standorte“

Kübler teilte zu den Veränderungen mit, dass die Kanzlei sich vor dem Hintergrund „einer mehrjährig rückläufigen Anzahl von Insolvenzverfahren“ sowie der Aufgabe des Kriteriums der „Ortsnähe“ bei der Verwalterbestellung durch den Bundesgerichtshof entschieden habe, „sich auf die für die Kanzlei besonders wichtigen Standorte zu konzentrieren“. In diesem Zusammenhang habe man „in den vergangenen zwölf Monaten eine Reihe von Personalmaßnahmen umgesetzt, die zu einer Reduzierung des Personalbestandes in Höhe von circa 20 Prozent führen“. Künftig wolle sich Kübler vor allem den Bereichen Restrukturierung und Kriminalinsolvenzen zuwenden.

Insbesondere auf dem letzten Feld ist Kübler als Verwalter der Dresdner Infinus-Gruppe in einen der größten Anlegerbetrugsfälle in der deutschen Nachkriegsgeschichte eingebunden und konnte auch bei Fällen wie dem des Pflegeheimbetreibers Maxi viel Erfahrung sammeln. Dennoch bezweifeln Marktbeobachter, dass die jetzigen drastischen Veränderungen allein mit der beschriebenen Neuausrichtung des Geschäfts zu tun haben. Tatsächlich habe Kübler zu lange auf reine Verwaltungen gesetzt und zu spät auf die zunehmende Zahl sogenannter ESUG-Verfahren reagiert, was zu einer Missstimmung innerhalb der Kanzlei geführt habe. So seien die jetzigen Veränderungen auch nicht alle von der Kübler-Seite forciert worden.

Von zuletzt noch 10 Verwaltern und knapp 40 Partnern dürften bei Kübler nach den aktuellen Weggängen zunächst noch 5 Verwalter und rund 30 Partner verbleiben, darunter auch die 3 geschäftsführenden Partner Bruno Kübler, Dr. Bettina Breitenbücher (Dresden, Stuttgart) und Sebastian Laboga (Berlin, Bochum).

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Dominik Montag

Bei Römermann werden mit dem Gewinn der Büros in Hessen und Dresden sowie den beiden neuen Partnern insgesamt fünf Anwälte an rund 45 Gerichten regelmäßig als Insolvenzverwalter bestellt – neben Danko und Montag auch Kanzleigründer Prof. Dr. Volker Römermann (Hamburg), Martin Gehlen (Hannover) und Friederike Matz (Berlin). Die Kanzlei nimmt für sich in Anspruch, neben der Insolvenzverwaltung und Sachwaltung eine wesentliche Säule in der Restrukturierungsberatung zu haben. Dies habe in den vergangenen Jahren zu einem „kontinuierlichen Wachstum“ geführt. (Jörn Poppelbaum)