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27.09.2017

Sie haben keine Wahl: Produktive Kanzleien zahlen die höchsten Gehälter

Je höher der Umsatz pro Berufsträger (UBT) in einer Kanzlei ausfällt, desto höher liegt das Festgehalt der angestellten Anwälte. Mit anderen Worten: Die produktivsten Kanzleien zahlen auch das meiste Geld. Interessanterweise ist dieser Zusammenhang bereits in den ersten Berufsjahren erkennbar.

Keine Überraschung? Obwohl die meisten Kanzleimanager betonen, dass die ersten Jahre von Nachwuchsanwälten mehr kosten als sie einbringen, sind sie bei einem hohen Umsatzniveau dazu bereit, diese Lücke durch hohe Gehälter sogar noch zu vergrößern. Hier macht sich deutlich bemerkbar, dass der Kampf um die besten Absolventen über das Einstiegsgehalt geführt wird.

Für die Betrachtung hat azur die Kanzleien in vier UBT-Gruppen eingeteilt und mehrjährige Zeiträume in den Blick genommen. Beim Gros der mittelständisch orientieren, zum Teil nur regional tätigen Sozietäten und einigen internationalen Kanzleien liegen die Jahresgehälter im ersten bis dritten Berufsjahr (Festgehälter für Vollzeitstellen, Angaben aus der azur-Associateumfrage 2016) bei einem Mittelwert von 80.000 Euro. Bei höherer Produktivität ist das Gehalt schon deutlich ambitionierter: 101.000 beziehungsweise 110.000 Euro sind in den weiteren UBT-Gruppen der Standard.

Mit dem UBT steigt auch das Gehalt

Im vierten bis sechsten Berufsjahr zieht sich das Feld auseinander. Die Mittelwerte liegen zwischen 81.000 Euro in der unteren Gruppe bis 130.000 Euro in der Gruppe der produktivsten Kanzleien – knapp 50.000 Euro Differenz. Je mehr Berufserfahrung die Associates vorweisen können, desto stärker differenziert sich ihre Bezahlung.  Die Ursache ist nicht nur das unterschiedliche Umsatzniveau. Bei längerer Zugehörigkeit kommen in vielen Kanzleien differenzierte Gehältermodelle zum Tragen. So sind unter anderem die Steigerungsraten nicht immer festgeschrieben.

Auf die Zufriedenheit der Associates wirkt sich der Zusammenhang von UBT und Festgehalt allerdings nur zum Teil aus. Zwar vergeben die Anwälte aus der höchsten UBT-Gruppe auch die besten Noten für die Zufriedenheit mit dem Gehalt. Aber die Kanzleien, die pro Berufsträger am wenigsten umsetzen, schneiden nicht per se am schlechtesten ab. Mehr Geld ist nicht gleich mehr Zufriedenheit. Die Umfrageergebnisse legen den Schluss nahe, dass gerade die Spitzenverdiener unter den Associates darauf achten, dass ihre Bezahlung angemessen ist: Sie vergleichen Arbeitslast und Seniorität mit denen ihrer Kollegen in der eigenen und in fremden Kanzleien. (Markus Lembeck)