Autoteile-Großhandel

Kartellbehörden genehmigen Trost-Übernahme

Der Auto-Ersatzteilegroßhändler Wessels + Müller darf den Wettbewerber Trost Auto Service Technik unter Auflagen übernehmen. Dies hat das Bundeskartellamt entschieden. In sechs Regionalmärkten müssen beide Firmen ihre Standorte an einen unabhängigen Dritten verkaufen. Wessels + Müller muss zudem die Einkaufsgemeinschaft Auto Teile Ring aufgeben, die mit dem größten Konkurrenten Stahlgruber Otto Gruber besteht.

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Der Auto-Ersatzteilegroßhändler Wessels + Müller darf den Wettbewerber Trost Auto Service Technik unter Auflagen übernehmen. Dies hat das Bundeskartellamt entschieden, das sich seit Ende 2014 mit der Transaktion beschäftigte. In sechs Regionalmärkten müssen beide Firmen ihre Standorte an einen unabhängigen Dritten verkaufen. Wessels + Müller muss zudem die Einkaufsgemeinschaft Auto Teile Ring aufgeben, die mit dem größten Konkurrenten Stahlgruber Otto Gruber besteht.

Michael Schmidt-Versteyl
Michael Schmidt-Versteyl

Wessels + Müller und Trost Auto Service Technik verkaufen Autoersatzteile vor allem an freie, nicht markengebundene Autowerkstätten, Tankstellen oder größere Unternehmen, die eigene Autowerkstätten haben. Kritisch sahen die Kartellwächter die Märkte in den Regionen Braunschweig, Darmstadt, Frankfurt, Heilbronn, Magdeburg und Stuttgart. Dort wäre der Wettbewerb zwischen den Großhändlern durch die Übernahme erheblich beeinträchtigt worden. Entscheidend in dem Fusionskontrollverfahren war die Frage, ob die Konkurrenz von Fahrzeugherstellern, Originalersatzteilherstellern sowie der Wettbewerb von Online-Händlern in die relevanten Märkte einzubeziehen war.

Die Trost-Gruppe mit Hauptsitz in Stuttgart erwirtschaftet mit etwa 4.000 Mitarbeitern an rund 150 Standorten einen jährlichen Umsatz von 825 Millionen Euro. Das Unternehmen lag bislang zu 40 Prozent in den Händen der Joachim Herz Stiftung, die über ihr Beteiligungsunternehmen Coro Invest beteiligt ist. 60 Prozent verkaufte die Gründerfamilie Trost. Der Umsatz von Wessels + Müller, die 3.300 Mitarbeiter beschäftigt, betrug im vergangenen Geschäftsjahr mehr als 840 Millionen Euro. Beide Unternehmen sollen auch nach der Fusion unabhängig bleiben.

Berater W+M
SSP-Law (Düsseldorf): Dr. Michael Schmidt-Versteyl, Stephan Schuran; Associates: Karsten Heidkamp, Florian Leenen (alle M&A/Corporate)
Hermanns Wagner Brück (Düsseldorf): Dr. Achim Wagner, Corinna Neunzig (beide Kartellrecht)

Harald Kahlenberg
Harald Kahlenberg

Berater Trost Auto Service/Mehrheitsgesellschafter
CMS Hasche Sigle (Stuttgart): Dr. Harald Kahlenberg (Federführung); Associate: Peter Giese (beide Kartellrecht)
Noerr (Frankfurt): Sebastian Bock; Associate: Daniel Müller (beide Finanzrecht)

Berater Joachim Herz Stiftung/Coro Invest
Graf von Westphalen (Hamburg): Christian Mayer-Gießen (Federführung), Dr. Ritesh Rajani (M&A/Corporate), Dr. Frank Tschesche (Steuerrecht; Frankfurt), Dr. Carsten Bittner (Kartellrecht), Dr. Malte Evers (Arbeitsrecht)

Berater Familie Trost
AFR Aigner Fischer (Stuttgart): Dr. Roderich Fischer, Florian Fischer (Federführung), Dr. Christoph Weber; Associate: Dr. Roland Kagan (alle M&A/Corporate; München)

Hintergrund: Mehrere Kanzleien waren mit der kartellrechtlichen Überprüfung der Fusion betraut, federführend waren dies CMS auf Verkäuferseite und die Düsseldorfer Boutique Hermanns Wagner Brück für die Käufer. Zudem wurde die Joachim Herz Stiftung/Coro Invest durch Graf von Westphalen-Partner Bittner im Kartellrecht beraten. CMS Kartellrechts-Partner Kahlenberg übernahm die Beratung der Mehrheitsgesellschafter und der Trost Auto Service Technik SE mit der Eröffnung der zweiten Phase durch das Bundeskartellamt.

Noerr beriet die Trost Auto Service Technik im Vorfeld bei der Verlängerung ihre Konsortialkredits bank- und finanzrechtlich.

In der Autozuliefererbranche fand zuletzt  auch an anderer Stelle ein Konzentrationsprozess statt: Kürzlich hatte die Kartellbehörde zugestimmt, dass die Deutsche Bahn über ihre Tochter DB Mobil Logistics die Kontrolle über ein neu gebildetes Gemeinschaftsunternehmen übernimmt, in dem das Geschäft der Intertec Beteiligungs GmbH und der SPA SystemPartner zusammengelegt werden: Es wird MarkenTechnikServie GmbH heißen und das gemeinsame Dach für die Belieferung von Groß- und Fachmärkten, Tankstellen und Versandhändlern werden. Baker & McKenzie berieten dabei die Deutsche Bahn und SPA, die SPA-Gesellschafter setzten auf die Kanzlei Harmsen Utescher.

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