Mammutprojekt abgeschlossen

Daimler rangiert Lkw-Sparte mit Glade und Linklaters an die Börse

Autor/en
  • Norbert Parzinger

Mercedes-Autos und -Lkw gehen getrennte Wege. Jüngst wurde die Aufspaltung des Automobilkonzerns im Handelsregister verankert, nun startete der Börsenhandel mit Daimler Truck-Papieren.

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Foto: Daimler
Thomas Laubert

Die Daimler-Aktionäre hatten die Trennung auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Oktober beschlossen. 

Daimler Truck beschäftigt über 100.000 Menschen und ist aus eigener Sicht weltweit größter Hersteller von Lkw und Bussen. Daimler-Aktionäre werden Teilhaber des neuen Unternehmens, sie bekommen für zwei Papiere je eine neue Aktie von Daimler Truck ins Depot. Den verbleibenden Anteil von 35 Prozent behält Daimler selbst. Künftig will das Unternehmen, das sich auf das Pkw- und Van-Geschäft konzentriert, als Mercedes-Benz Group firmieren. 

Angesichts der großen Herausforderungen für die Automobilbranche mit Milliardeninvestitionen in E-Autos und selbststeuernde Fahrzeuge wird der Bruch bei Daimler von Branchenexperten überwiegend positiv beurteilt. Allerdings könnten beide Hersteller auch anfälliger für Übernahmeversuche werden. Automobilkonzerne stehen zurzeit wegen des Mangels an Halbleitern und anderen elektronischen Bauteilen zusätzlich unter Druck.

Der Truck-Spin-off ist nur das jüngste Beispiel für die Abspaltung von Konzernsparten im Dax- und MDax-Umfeld. Siemens brachte in den vergangenen Jahren die Medizintechnik und die Energiesparte an die Börse, auch die Energiekonzerne E.on, Innogy, RWE und Uniper sortierten sich neu. Aus Bayer entstanden im Lauf der Jahre die eigenständigen Konzerne Lanxess und Covestro.

Hans-Ulrich Wilsing

Mit der 2019 erfolgten Trennung der drei Bereiche Pkw, Lkw und Finanzdienstleistungen hatte Daimler die Vorarbeiten für den nun erfolgten Spin-off erledigt. Anders als damals angedacht, wurde die Finanzierungssparte Daimler Mobility nun aber auf Mercedes und Daimler Trucks aufgeteilt. Um die Mittel für die Übernahme eines Finanzdienstleistungsportfolios von Daimler Mobility durch die neue Daimler Truck Financial Services zu finanzieren, platzierte Daimler Truck milliardenschwere Fremdwährungsanleihen in US- und Kanadischen Dollar. 

Den Börsengang von Daimler Truck begleitete ein Bankenkonsortium unter der Führung von BNP Paribas, Citigroup und Goldman Sachs. Beteiligt sind zudem die Deutsche Bank, JPMorgan, Berenberg, BofA und die LBBW.

Marco Sustmann

Berater Daimler
Inhouse (Stuttgart): Dr. Thomas Laubert (General Counsel), Fabian Römer (M&A), Eckehard Mosler (Corporate/Capital Markets), Dr. Kerstin Neumann (Corporate/Financial Services) 
Linklaters (Düsseldorf): Prof. Dr. Hans-Ulrich Wilsing, Dr. Ralph Wollburg (beide Corporate/M&A), Dr. Marco Carbonare (Kapitalmarktrecht/M&A; Frankfurt; alle Federführung), Dr. Michael Leicht, Dr. Daniel Pauly (beide TMT; Frankfurt), Christoph Barth (Kartellrecht/Investitionskontrolle), Dr. Klaus von der Linden, Mirko König, Carsten Rauch, Kevin Roy, Ulli Janssen (alle drei Frankfurt; alle Corporate/M&A); Associates: Dr. Luise Winkler, John Hunt (Frankfurt), Martina Farkas (Hamburg), Pierre-Emmanuel Perais (New York), Igor Rogovoy (London; alle Corporate/M&A), David-Julien dos Santos Goncalves (Kartellrecht/Investitionskontrolle)
Glade Michel Wirtz (Düsseldorf): Dr. Marco Sustmann, Dr. Andreas Merkner (beide Federführung), Dr. Friedrich Schulenburg, Dr. Alexander Retsch, Dr. Philipp Schanze; Associate: Dr. Philipp Elixmann, Dr. Felix Bangel (alle Corporate/M&A)
Hogan Lovells (Düsseldorf): Jens Uhlendorf (Corporate/M&A), Dr. Julian Fischer, Lennart Lautenschlager (beide Bank- und Finanzrecht, Frankfurt), Dr. Sabine Ernst; Associates: Isabel Gläser (beide Corporate/M&A), André Melchert (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt)
Luther (Frankfurt): Dr. Marco Arteaga, Dr. Annekatrin Veit (München; beide Arbeitsrecht)
Allen & Overy (München): Dr. Walter Uebelhoer, Dr. Ilja Baudisch (beide Bank- und Finanzrecht)

Carsten Berrar

Berater Banken – IPO und US-Bond
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar, Dr. Krystian Czerniecki (beide Federführung), Dr. Sophie Moeder, Dr. Max Birke (nur US-Bond); Associates: Dr. Alexander Koch, Dr. Philipp Hartmann, Zin Nakam (alle Kapitalmarktrecht)

Berater Banken – Kreditfazilität
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Frank Laudenklos; Associate: Georg Lübbehüsen (beide Bank- und Finanzrecht)

Hintergrund: Mit der Truck-Abspaltung beendete die Daimler-Rechtsabteilung ihr letztes Großprojekt in gewohnter Aufstellung. Künftig haben sowohl der Pkw-Hersteller Mercedes-Benz als auch Daimler Truck eigene Konzernrechtsabteilungen. Bei Daimler Truck übernimmt der bisherige Daimler-Rechtschef Laubert die Rolle des General Counsel, bei Mercedes der bisherige Chief Compliance Officer Dr. Wolfgang Bartels.

Die Glade Michel Wirtz-Partner Sustmann und Merkner sind seit etlichen Jahren eng mit Daimler verbunden und hatten unter anderem bereits zur Konzernaufteilung 2017 bis 2019 beraten. Gemeinsam mit Linklaters begleiteten sie auch die außerordentliche Hauptversammlung im Oktober. 

Ralph Wollburg

Linklaters‘ Rolle hat sich unterdessen stark vergrößert. Die Kanzlei hatte insgesamt 14 Jahre lang in dem milliardenschweren Schiedsverfahren um die Lkw-Maut für die Bundesrepublik Deutschland agiert – und damit gegen Daimler und Deutsche Telekom, die hinter dem Betreiberkonsortium Toll Collect standen. Erst nachdem sich beide Seiten 2018 verglichen hatten, zog der Daimler-Aufsichtsrat für die Konzernaufspaltung mit dem Düsseldorfer Gesellschaftsrechtler Wilsing erstmals wieder einen Linklaters-Partner hinzu. Beim Truck-Spin-off beriet Linklaters nun Konzernvorstand und Aufsichtsrat gemeinsam. Der internationale M&A-Chef der Kanzlei, Wollburg, hatte in den vergangenen Jahren bereits eine ganze Reihe ähnlich großer Abspaltungen für Dax-Konzerne begleitet, darunter Bayer/Covestro, E.on/Uniper und Volkswagen/Traton. Erstmals für Daimler tätig waren auch die Linklaters-Kapitalmarktrechtler um Partner Marco Carbonare.

Hogan Lovells hatte im Zuge der Dreiteilung des Daimler-Konzerns vor mehreren Jahren die Hauptrolle bei der internationalen Umsetzung des Projekts gespielt. Federführend war damals der Münchner Partner Dr. Nikolas Zirngibl. Nun begleitete die Kanzlei die weltweite Aufspaltung der Finanzierungssparte Daimler Mobility mit einem Team, das von dem Düsseldorfer Corporate-Partner Uhlendorf und dem Frankfurter Regulierungsexperten Fischer gemeinsam gesteuert wurde. Hogan Lovells arbeitet auch in den USA regelmäßig mit Daimler zusammen.

Sullivan & Cromwell hat seit Februar die Banken beim IPO und bei der Begebung des US-Bond beraten. Die Kanzlei blickt bereits auf eine lange Mandatsbeziehung zu Daimler. Ein Vorschlag von Daimlers Rechtsabteilung für die Rolle des renommierten Teams als Anwalt der Banken kam den begleitenden Banken offenbar recht. (mit Material von dpa)

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