Endspurt um Opel

Shearman berät Bund, Sullivan und Gleiss die favorisierten Bieter

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  • JUVE

Der angeschlagene deutsche Autobauer Opel wird wieder weitgehend eigenständig. Der insolvenzbedrohte US-Mutterkonzern General Motors hat den Weg für eine Abspaltung seines europäischen Geschäfts GM Europe frei gemacht. Die europäischen Werke, Patente und der Zugriff auf Technologien seien schuldenfrei auf die Adam Opel GmbH übertragen worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Wie die Zukunft von Opel ohne GM aussehen könnte, will die Bundesregierung nun aushandeln. Dafür traf sie sich gestern Abend in Berlin mit Vertretern potenzieller Opel-Investoren und GM. Ziel der Regierung ist es, sich auf einen bevorzugten Bieter für die Rüsselsheimer festzulegen.

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Vier Interessenten wurden bisher als potenzielle Bieter gehandelt: der italienische Autobauer Fiat, der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna sowie der belgische Ableger des US-Finanzinvestors Ripplewood und der chinesische Autohersteller Beijing Automotive Industry Holding (BAIC).

Das Angebot von Magna soll sich auf 700 Millionen Euro belaufen. Bei einem Einstieg von Magna oder Ripplewood wird mit einem Abbau von rund 10.000 Stellen europaweit gerechnet. Nach jüngsten Informationen der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ (FAZ) sind beim einem Fiat-Einstieg auch etwa 10.000 Stellen gefährdet. Außerdem verlange Fiat laut FAZ nach einer Nachbesserung seines Angebots noch Staatsgarantien von sechs Milliarden statt sieben Milliarden Euro.

Am Dienstagabend hatte sich noch überraschend der chinesische Autohersteller und Daimler-Partner BAIC eingeschaltet und Interesse bekundet. Beraten werden die Chinesen dabei von der Deutschen Bank. Nach Finanzkreisen sehe das Angebot Garantien für alle deutschen Standorte über zwei Jahre sowie entgegen den anderen Konzepten keinen Stellenabbau in Deutschland vor. Auch die staatlichen Bürgschaften, die BAIC verlangen, lägen bei weniger als fünf Milliarden Euro unter dem Niveau der anderen Bieter.

Den neuesten Informationen zufolge sind hauptsächlich Fiat und Magna noch im Rennen um Opel. Ripplewoods Angebot sei abgewählt worden, so Finanzminister Peer Steinbrück. Das Angebot der chinesischen BAIC habe noch erheblichen Verbesserungsbedarf.

Bis die Übernahme erfolgen kann, will die Bundesregierung die Opel-Zukunft mit einem Überbrückungskredit in Höhe von 1,5 Milliarden Euro und einem Treuhandmodell sichern. Das Land Hessen will sich mit rund 450 Millionen Euro an der geplanten Überbrückungshilfe beteiligen. Der Kredit soll über öffentlich-rechtliche Banken organisiert und staatlich verbürgt werden. Allerdings soll der Mutterkonzern GM unerwartet weiteren Finanzbedarf über rund 300 Millionen Euro angemeldet haben. Daran ist die erste Verhandlungsrunde gescheitert, am Freitag findet ein weiteres Treffen statt. Sollte auch dann keine Vereinbarung getroffen werden, droht Opel die Insolvenz.

Der extreme Zeitdruck hängt mit dem Schicksal von General Motors zusammen. Nachdem gestern die GM-Gläubiger eine Umschuldung abgelehnt haben, steht die Opel-Mutter vor der Insolvenz. Das Sanierungskonzept von GM Europe für Opel hatte bereits vor Monaten einige Wellen geschlagen (mehr…).

Berater Bundesregierung

SHEARMAN & STERLING (Düsseldorf): Dr. Harald Selzner – aus dem Markt bekannt

Berater Land Hessen

SIMMONS & SIMMONS (Düsseldorf): Dr. Ulrich Brauer, Dr. Michael Bormann (beide Corporate) – aus dem Markt bekannt

Berater Adam Opel

HENGELER MUELLER (Frankfurt) : Dr. Ingo Klöcker (Corporate; Treuhandstruktur/Carve-out), Dr. Thomas Cron, Dr. Daniel Weiß (Finance; Brückenfinanzierung), Peter Dampf – aus dem Markt bekannt

Berater Magna

GLEISS LUTZ (Frankfurt): Dr. Wolfgang Bosch – aus dem Markt bekannt

Berater Fiat

SULLIVAN & CROMWELL (Frankfurt): Dr. Konstantin Technau, Dr. Carsten Berrar, Dr. Wolfgang Feuring – aus dem Markt bekannt

SZA SCHILLING ZUTT & ANSCHÜTZ (Mannheim): Dr. Georg Jaeger (Arbeitsrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Ripplewood

FRESHFIELDS BRUCKHAUS DERINGER (Düsseldorf): Dr. Stephan Waldhausen – aus dem Markt bekannt

Berater BAIC: Nicht bekannt

Berater GM Europe

CLIFFORD CHANCE (Frankfurt): Kolja von Bismarck (Restrukturierung), Dr. Arndt Stengel (Corporate), Dr. Stefan Simon (Arbeitsrecht), Dr. Stefan Sax (Insolvenzrecht) – aus dem Markt bekannt

@WEIL GOTSHAL & MANGES: Michael Francies (London), Jürgen Börst (Frankfurt) – aus dem Markt bekannt

@BAKER & MCKENZIE: Günther Heckelmann (Arbeitsrecht; Frankfurt), Dr. Peter Wessels (Gesellschaftsrecht; Berlin) – aus dem Markt bekannt

@GLEISS LUTZ: Dr. Ulrich Soltész (EU-Beihilferecht; Brüssel), Dr. Burghard Hildebrandt (Beihilferecht), Dr. Ralf Thaeter (Gesellschaftsrecht; beide Berlin) – aus dem Markt bekannt

@INHOUSE (Zürich): Ricardo Ventura (General Counsel) – aus dem Markt bekannt

Berater Opel-Management

@WELLENSIEK (Frankfurt): Alfred Hagebusch – aus dem Markt bekannt

Berater Gesamtbetriebsrat Opel

@APITZSCH (Frankfurt): Wolfgang Apitzsch – aus dem Markt bekannt

Gleiss hat GM Europe zuletzt beihilferechtlich bei dessen Sanierungsbemühungen beraten. Dass die Kanzlei nun für den aussichtsreichen Bieter Magna tätig ist, verdankt sie laut Beteiligten einem Waiver von GM Europe.

Die Mandatierung von Sullivan durch Fiat kommt wenig überraschend. Der US-Partner Scott Miller beriet Fiat schon kürzlich bei der Allianz mit Chrysler und unterhält seit längerem eine enge Mandatsbeziehung zum Fiat-CEO Sergio Marchionne. Für das nur rund 20-köpfige deutsche Sullivan-Büro ist dies der zweite Riesen-Deal binnen noch nicht einmal eines Jahres. Erst im Sommer 2008 hatte die Kanzlei die Commerbank bei der Übernahme der Dresdner Bank beraten.

Sullivan unterhält auch langjährige Kontakte zum belgischen Investor RHJ International. Dieser geht auf den US-Investor Ripplewood zurück, dem RHJ entstammt. Die Sozietät begleitet Ripplewood und ihren Gründer Timothy Collins in den USA seit längerem regelmäßig. Im vergangenen Jahr beriet Sullivan den Finanzinvestor als unterlegenen Bieter für die IKB.

Wer die chinesische BAIC bei deren späten Einstieg in die Bieterrunde begleitet, ist bislang nicht bekannt. Marktbeobachter halten allerdings Hengeler Mueller für die wahrscheinlichste Wahl. So hat die Sozietät exzellente Kontakte zur Deutschen Bank, die die Chinesen bei deren Offerte begleitet.

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