Öffentliche Übernahme

SAF-Holland umwirbt mit Noerr Haldex-Aktionäre

Der Nutzfahrzeugzulieferer SAF-Holland will erneut den schwedischen Bremsenhersteller Haldex übernehmen. 66 schwedische Kronen je Aktie in bar bietet SAF-Holland, die nach Aktienzukäufen schon einen beträchtlichen Anteil an dem skandinavischen Unternehmen hält. Der Gesamtwert des Angebots liegt bei umgerechnet 307 Millionen Euro.

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Das Übernahmeangebot entspreche einer Prämie von 46,5 Prozent auf den Vortagesschlusskurs der Haldex-Aktien an der Nasdaq Stockholm. Dies sei der endgültige Angebotspreis, heißt es aus dem SDax-Konzern.

Holger Alfes

SAF-Holland wollte bereits vor sechs Jahren das schwedische Unternehmen für rund 450 Millionen Euro übernehmen. Damals stieg das Unternehmen aus einem Bieterwettbewerb aus, den es sich mit ZF Friedrichshafen und Knorr Bremse lieferte. SAF-Holland habe bereits 14,1 Prozent der ausstehenden Aktien von Haldex erworben, hieß es weiter. Der größte Teil dieses Aktienpakets stammt von Knorr-Bremse, die laut einer eigenen Mitteilung für ihren 9,2-Prozent-Anteil rund 28 Millionen Euro erlöst.

Darüber hinaus hätten sich auch die Vermögensverwalter Athanase Industrial Partners und Nordea Asset Management, der schwedisch-staatliche Pensionsfonds Fjärde AP-fonden, sowie die Versicherung Afa verpflichtet, das Angebot unter bestimmten Bedingungen anzunehmen. Diese Investoren halten zusammen etwa einen Anteil von 22,5 Prozent an Haldex. Weitere Pakete zwischen 4 und 9 Prozent halten beispielsweise BNP Paribas, UBS, Bank of America und Caceis Bank, die zur französischen Crédit Agricole Group gehört.

Unicredit und Hessische Landesbank finanzieren

Der Verwaltungsrat von Haldex empfehle den Aktionären von Haldex einstimmig, das für Juli geplante Angebot anzunehmen, teilte SAF-Holland weiter mit. Finanziert werden soll der Zukauf zunächst mit Barmitteln sowie mit Krediten, die die Unicredit und die Hessische Landesbank bereitstellen. Um die Schulden wieder abzubauen, sei später auch eine Kapitalerhöhung möglich. SAF Haldex hat sich eine Mindestannahmeschwelle von  90 Prozent gesetzt und braucht für den Deal noch die kartellrechtliche Freigabe.

Haldes erzielte 2021 einen Umsatz von etwa 455 Millionen Euro. SAF-Holland, die Achsen und Fahrwerksysteme sowie Sattelkupplungen für Lastwagen und Anhänger herstellt, setzte 2021 knapp 1,25 Milliarden Euro um. 

Christoph Wolf

Berater SAF-Holland
Noerr (Frankfurt). Dr. Holger Alfes (Federführung), Dr. Stephan Schulz, Dr. Jörg-Peter Kraack (beide Hamburg; alle Kapitalmarktrecht), Dr. Nikolai Warneke, Dr. Alexander Schilling (beide Bank- und Finanzrecht), Dr. Kathrin Westermann (Kartellrecht), Michaela Engel, Elisabeth Dworschak (beide Steuerrecht; beide München), Sebastian de Schmidt (Kapitalmarktrecht/M&A); Associates: Martina Buller, Omar Sokorei (beide Bank- und Finanzrecht), Julian Monschke (Datenschutz), Sebastian Wrobel, Lucas Gasser (beide Berlin), Jerzy Kapitańczuk (Warschau; alle Kartellrecht)
Vinge (Stockholm): Erik Sjöman; Associate: Martin Svanberg, Linn Adelwald (alle Kapitalmarktrecht) – aus dem Markt bekannt 
Ropes & Gray: Jonathan Klarfeld (Kartellrecht; Washington), Craig Marcus, Marc Rotter (beide Kapitalmarktrecht; beide New York); Associate: Brandon Sisson (Kartellrecht; Atlanta) – aus dem Markt bekannt 

Berater Haldex
Mannheimer Swartling ( Stockholm): Aleksander Ivarsson; Associate: Max Runesson (beide Corporate) – aus dem Markt bekannt 

Berater Knorr Bremse 
Baker McKenzie: Dr. Christoph Wolf (M&A; Frankfurt), Dr. Nicolas Kredel (Kartellrecht; Düsseldorf; beide Federführung), Joakim Falkner, Carl Svernlöv, Henric Roth (alle Stockholm), Holger Engelkamp (Berlin; alle Corporate); Associates: Dr. Florian Kotman (Kartellrecht; Düsseldorf); Stefan Balazs (Corporate; Stockholm)

Bettina Steinhauer

Berater Unicredit und Hessische Landesbank
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Bettina Steinhauer (Federführung; Finanzrecht), Olaf Mertgen (Steuerrecht), Dr. Simon Reitz; Associates: Christian Cranmore (München), Marcel Knörchen (alle Finanzrecht)

Hintergrund: Da sowohl SAF Holland als auch Knorr-Bremse und Haldex börsennotiert sind, sind in dieser grenzüberschreitenden Transaktion entsprechende Meldepflichten zu berücksichtigen.

Die Gremien von SAF-Holland setzen beim Ankauf der Aktienpakete sowie dem freiwilligen Barangebot auf Noerr, ihrer ständige Beraterin im Kapitalmarktrecht. Ein Team um Alfes hatte schon den ersten Anlauf zur Übernahme der kleineren Haldex begleitet und arbeitet im Hinblick auf das schwedische Recht erneut mit Vinge zusammen. Zu den US-Themen der internationalen Fusion berät Ropes & Gray.

Haldex vertraut nach JUVE-Recherchen wieder auf Mannheimer Swartling, die auch schon 2016 die Offerten aus Deutschland begutachtete.

Als Knorr-Bremse vor gut fünf Jahren für Haldex-Anteile mitbot, hatte das Münchner Unternehmen ein Corporate-Team von Hengeler Mueller an seiner Seite. Für den Verkauf der damals erworbenen Anteile kam nun Baker zum Zug, die seinerzeit schon kartellrechtliche Fragen geklärt hatte und nun auch wieder für die Fusionskontrolle einbezogen wurde.

Die anderen Anleger, die sich verpflichteten, ihre Haldex-Anteile zu verkaufen, setzten auf ihre jeweiligen Investmentmanager und Inhouse-Juristen, heißt es im Markt. 

Das deutsche Clifford-Team ist bankenseitig schon langjährig mit Finanzierungsfragen von SAF-Holland befasst. (mit Material von dpa)

Copyright Teaserbild: Anne Milloux/Haldex

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