Strabag

Schönherr macht Deripaska zum Ankeraktionär

Der österreichische Baukonzern Strabag SE gehört wieder zu einem Viertel dem russischen Geschäftsmann Oleg Deripaska. Über die zyprische Rasperia Trading, dem Beteiligungsvehikel seiner Industrieholding Basic Element, erwarb der Oligarch weitere 5,6 Prozent der Aktien.

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Christian Herbst
Christian Herbst

Für rund 123 Millionen zog Deripaska damit eine Option, die auf einem Syndikatsvertrag mit den anderen Großaktionären beruhte. Der russische Unternehmer war bereits im Jahr 2007 bei dem Bauriesen eingestiegen. Den Vertrag hatte er seinerzeit mit den Altaktionären – der Haselsteiner-Familie sowie der Raiffeisen- und der Uniqa-Gruppe – geschlossen.

Als Deripaska in der Wirtschaftskrise 2009 seine Anteile abgeben musste, sicherte er sich über ein sogenanntes Call-Option-Agreement mit den anderen Aktionärsgruppen eine Rückkaufoption auf 25 Prozent der Anteile. Ein Jahr später handelte er mit den anderen Kernaktionären einen größeren Zeitrahmen für den Rückkauf aus, der in Einzeltranchen erfolgen sollte. Dieser Zeitrahmen endete am 15. Juli.

Mit der nun ausgeübten, letzten Rückkaufoption erhöht Deripaskas Beteiligungsholding Rasperia ihren Anteil von 19,4 Prozent auf 25 Prozent plus 1 Aktie. Auch dieser Beteiligungszukauf erfolgte zu dem vereinbarten Aktien-Stückpreis von 19,25 Euro. Die Bundeswettbewerbsbehörde hatte der Anteilsaufstockung bereits vor wenigen Tagen zugestimmt.

Der Strabag-Konzern beschäftigt weltweit mehr als 73.100 Mitarbeiter. Kürzlich kündigte die deutsche Tochter Strabag AG an, ab dem Geschäftsjahr 2015 einheitlich unter dem Namen Strabag operieren zu wollen; dafür werden insgesamt 18 Tochterunternehmen verschmolzen oder umfirmiert werden. In Österreich wurde die Markenzusammenführung bereits im Jahr 2000 vollzogen, bei den Schweizer Töchtern erfolgte sie im Herbst 2008. Als nächster Meilenstein ist für die deutsche Strabag-Tochter der Rückzug von der Börse vorgesehen.

Berater Oleg Deripaska / Rasperia Trading / Basic Element
Schönherr
(Wien): Dr. Christian Herbst (Corporate/M&A; Federführung), Volker Weiss (Fusionskontrolle); Associate: Maximilian Lang (Corporate/M&A)
Egorov Puginsky Afanasiev & Partners (Moskau): Robin Wittering (Corporate/M&A)

Berater Raiffeisen/Uniqa
Herbst Kinsky (Wien): Dr. Philipp Kinsky
Pistotnik & Krilyszyn (Wien): DDr. Karl Pistotnik

Berater Dr. Hans Peter Haselsteiner / Haselsteiner Privatstiftung
Pistotnik & Krilyszyn (Wien): DDr. Karl Pistotnik

Hintergrund: Oleg Deripaska vertraut seit Jahren auf den versierten Schönherr-Partner Dr. Christian Herbst. Beide lernten sich nach JUVE-Informationen 2007 kennen, als sich Deripaska kurzzeitig am ebenfalls börsennotierten Baukonzern Hochtief beteiligt hatte. Herbst hatte auch im Namen von Deripaskas Firmengruppe bereits das Call-Option-Agreement mit den anderen Strabag-Aktionären ausgehandelt und die gestaffelten Rückkäufe betreut. Für die aktuelle Optionsausübung wurde Robin Wittering aus Moskau hinzugezogen. Der Lititgation-erfahrene Anwalt verfügt über eine Zulassung in England und Wales und war 2012 von Herbert Smith zu seiner aktuellen Kanzlei EPAM gewechselt.

Philipp Kinsky
Philipp Kinsky

Dr. Philipp Kinsky berät die Uniqa im Hinblick auf Beteiligungen bereits seit 2005. Nicht zuletzt aufgrund der Integration der Raiffeisen Versicherung 2012 in die Uniqa Group, betreut er deren Strabag-Anteile nun mit. 

Die Raiffeisen-Gruppe setzt schon seit Jahrzehnten immer wieder auch auf den Rat von DDr. Karl Pistotnik. Der gut vernetzte Jurist kennt sich in der Bau- und Immobilienbranche bestens aus, er ist unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender des ebenfalls börsengelisteten Baukonzerns Porr und Geschäftsführer zahlreicher Liegenschaftsverwaltungen. Er soll nach Marktinformationen nun auch Haselsteiner beraten haben, der ansonsten regelmäßig dem Rat des Corporate-Partners von CMS Reich-Rohrwig Hainz, Dr. Peter Huber, vertraut.

Die Übernahmekommission hatte den Syndikatsvertrag und zwischenzeitlich auch die vorliegende Beteiligungsasymmetrie ausführlich im Hinblick auf meldungspflichtige Kontrollwechsel begutachtet. Die Auslösung einer Angebotspflicht hatte sie jeweils verneint. Nach der aktuellen Beteilungsaufstockung hält Rasperia nun wieder – wie die anderen Ankeraktionäre – eine Sperrminorität an der börsengelisteten Strabag.

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