JUVE Kanzlei des Jahres

Arbeitsrecht

Arbeitsrecht hat Hochkonjunktur

Auch wenn die Wirtschaft brummt – Arbeitsrecht ist trotzdem in aller Munde. Die Neufassung des AÜG sorgt für eine Menge Beratungsbedarf bei Unternehmen und erstreckt sich zunehmend in den Bereich Compliance: Groß ist die Angst vor hohen Bußen und strafrechtlicher Verfolgung. Compliance spielt auch bei der Organ- und Führungskräfteberatung eine große Rolle: So hat der Abgasskandal längst die höchsten Ebenen großer Konzerne erfasst, die dadurch sehr viel Beratung bei spezialisierten Arbeitsrechtlern – häufig im Zusammenspiel mit Gesellschaftsrechtlern – nachfragen. Spezialisten sind auch in anderen Bereichen gefragt: So sorgt die Niedrigzinsphase für viel Arbeit bei der Neustrukturierung von bAV-Modellen, das Betriebsrentenstärkungsgesetz wirft seine Schatten voraus, ebenso die EU-Datenschutzgrundverordnung.

Zudem macht das noch unbestimmte Schlagwort ‚Arbeiten 4.0‘ die Runde. So bemerken zahlreiche Arbeitsrechtler, dass damit altbekannte Diskussionen wie um den Arbeitszeit- oder Betriebsbegriff aufflammen. Viele rufen nach einer Antwort aus der Politik, die nach Ansicht vieler Experten in ihrem Weißbuch ‚Arbeiten 4.0‘ nur unzureichende Lösungsvorschläge anbietet. Die Klärung anderer, aber nicht minder schwieriger Sachverhalte lag einmal mehr bei den Gerichten. So fällte der EuGH in zwei wichtigen Fragen zu Bezugnahmeklauseln und Mitbestimmung im Aufsichtsrat Urteile.

Kanzleimarke versus Beraterpersönlichkeiten

Die meisten Kanzleien haben ihre strategisch motivierten Umbauten inzwischen hinter sich gebracht. Einzig im Münchner Arbeitsrechtsmarkt brodelte es: Der anstehende Weggang von Prof. Dr. Georg Annuß von Linklaters (mit unbekanntem Ziel) und der schon eine Weile im Markt kolportierte bevorstehende Abgang eines weiteren, hoch anerkannten Großkanzlei-Arbeitsrechtlers warfen die Frage auf, inwieweit Beraterpersönlichkeiten mit hochwertigem Geschäft künftig Raum in internationalen Großkanzleien haben werden. Selbst große Einheiten, die der individuellen Entwicklung ihrer Partner traditionell viel Raum geben wie CMS Hasche Sigle, legen ihr Augenmerk verstärkt auf die Weiterentwicklung der Marke als Ganzes und bauen nicht ausschließlich auf die Geschäftsentwicklung einzelner Partner.

Großkanzleien Vorreiter bei Legal Tech

Wie die Kanzleien ihr Geschäft künftig strukturieren, bestimmt auch der Einsatz von Technologien. Gerade CMS Hasche Sigle, aber auch andere internationale Großkanzleien sind hier Vorreiter: Sie haben sowohl das Budget als auch das Interesse, die interne Wertschöpfung zu optimieren. Zudem bietet sich eine Vielzahl arbeitsrechtlicher Spezialmaterien wie das AÜG oder Sozialpläne gut dafür an. Mit Legal-Tech-Lösungen haben Boutiquen aufgrund geringerer Budgets und fehlender Infrastruktur größere Probleme, entsprechend setzten sie auf stärkere standortübergreifende Tätigkeit: Mit Kliemt in München und Naegele in Berlin gab es gleich zwei weitere Büroeröffnungen. Dass Vangard Frankfurt in den Fokus nimmt, ist ein offenes Geheimnis.

 


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die einen Schwerpunkt in der arbeitsrechtlichen Beratung von Unternehmen als Arbeitgeber haben. Ein Überblick der auf Arbeitnehmerberatung spezialisierten Kanzleien findet sich in der Tabelle „Besonders empfohlene Kanzleien für die Beratung von Betriebsräten, Gewerkschaften und Arbeitnehmern“ unter weitere empfohlen Kanzleien im Arbeitsrecht.


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