JUVE Kanzlei des Jahres

Compliance-Untersuchungen

Rechtsunsicherheit bremst Compliance

Im August 2019 legte das Bundesjustizministerium den lang erwarteten Entwurf für ein Unternehmenssanktionsrecht vor. Diskussionen um das Thema beherrschten aber schon Monate zuvor die gesamte Szene. Die Sorge war groß, dass rechtliche Widersprüche, die oft den Aufbau von Compliance-Systemen und interne Aufklärung erschweren, nicht gelöst, sondern noch verschärft werden.

Denn seit der Bundesgerichtshof 2017 entschied, dass Unternehmen, die sich um ihre Compliance-Aufstellung gekümmert haben, im Falle eines Falles mit einer Strafminderung belohnt werden, sind noch mehr Firmen aktiv geworden. Der Entwurf berücksichtigt die Vorgaben des BGHs, schafft einen Rahmen für interne Untersuchungen und regelt Grundzüge der Kooperation zwischen Unternehmen und Ermittlungsbehörden. Was am Ende bleibt, ist schwer vorauszusehen. Bei Redaktionsschluss hatten die Debatten gerade erst begonnen.

Kanzleien holen Strafrechtler in ihre Teams

Es war auch das gesetzgeberische Engagement, das dazu führte, dass immer mehr Mandanten nach Compliance-Beratung fragten und so immer mehr Kanzleien Erfahrung sammelten. Das setzt einige der Vorreiter wie die US-Kanzleien Skadden Arps Slate Meagher & Flom oder Gibson Dunn & Crutcher unter einen gewissen Druck. Zwar verfügen sie über Erfahrung und internationale Reichweite, die andere nicht bieten, doch weil ihre Teams klein blieben und Mandate oft US-orientiert sind, kann die thematische Weiterentwicklung nur langsam fortschreiten.

Ein Beispiel bildet die Rolle des Strafrechts. Weil Staatsanwaltschaften bei Rechtsverstößen in der Wirtschaft häufiger und schärfer ermitteln, haben viele Kanzleien umgedacht: Strafrechtliche Kompetenzen sind nun gesucht. Allen & Overy, Norton Rose Fulbright, Pinsent Masons und White & Case sind nur einige Beispiele für Kanzleien, die sich zuletzt mit erfahrenen Anwälten verstärkten.

Mit Dr. Helmut Görling, zuletzt bei Herbert Smith Freehills, verabschiedete sich einer der erfahrensten Anwälte der Szene in den Ruhestand. Er hatte früh erkannt, dass Compliance interdisziplinär angelegt sein muss.

Heute ist für viele selbstverständlich geworden, dass Compliance anders als die klassische Governance-Beratung eine neue Herangehensweise von den Kanzleien verlangt. Compliance-Untersuchungen und Risikoanalysen in Unternehmen sind nicht umsonst Bereiche, in denen die rechtliche Beratung längst mit Legal-Tech-Lösungen unterstützt wird.

Zu den Pionieren im Beratermarkt gehören hier Baker & McKenzie und Pohlmann & Company, und auch CMS Hasche Sigle und GSK Stockmann arbeiten intensiv an ihrer Infrastruktur. Der Aufbau von Servicecentern, wie sie Freshfields Bruckhaus Deringer und CMS Hasche Sigle in Deutschland etablieren, sind noch rar. Allerdings erhöhen Mandanten den Druck mit Blick auf die Kosten, sodass manche Kanzlei wird umdenken müssen.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die sich mit Aufbau und Überprüfung von Compliance-Strukturen, internen Untersuchungen bei Verdachtsfällen und akuten Krisensituationen fachübergreifend befassen. In einer separaten Übersicht werden Kanzleien erfasst, die primär in einem spezifischen Fachgebiet beraten. Hier skizzierte Vorwürfe gegen Unternehmen und Manager sind in der Regel nicht rechtskräftig festgestellt.

Weitere Kanzleien, die sich mit einzelnen Aspekten von Compliance befassen, finden sich in den Kapiteln Wirtschafts- und Steuerstrafrecht, Kartellrecht, Datenschutz, Vergabe- (v.a. drohende Vergabesperren), Gesellschafts- (u.a. Managerhaftung, Due Diligence), Arbeits-, Bank- und Finanz- und Versicherungsrecht (v.a. Aufsichtsrecht).

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