Die Personalpläne der Unternehmensjuristen senden ein zurückhaltendes Signal. Nach den aktuellen Ergebnissen der JUVE-Inhouse-Umfrage hat 2025 nur noch gut die Hälfte der Rechtsabteilungen neue Berufsträger eingestellt, genau genommen 52 Prozent nach 61 Prozent im Vorjahr. Erstmals liegt der Anteil damit unter der 60-Prozent-Marke. Zugleich musste fast jede fünfte Abteilung Juristen entlassen, wobei die Entlassungszahlen im Vorjahr marginal waren.
Noch deutlicher fällt der Blick in die Zukunft aus. Für 2026 planen lediglich 29 Prozent der Rechtsabteilungen, neue Volljuristinnen und -juristen einzustellen – der niedrigste Wert seit Beginn der Befragung. Ein knappes Viertel ist sich überdies unsicher. Bei den Fachkräften rechnet nur jede zehnte Abteilung mit Neueinstellungen. Viele General Counsel stehen damit vor der Aufgabe, steigende regulatorische und operative Anforderungen ohne personelles Wachstum zu bewältigen.
Die General Counsel bleiben dabei pragmatisch und setzen auf Fortbildungen. Ein Drittel qualifiziert Assistenzen höher oder bildet Volljuristen in nichtjuristischen Themen fort. Jede fünfte Abteilung integriert IT-Spezialisten, um über Legal Tech Effizienzgewinne zu realisieren. Externe Projektjuristen oder Secondees spielen weiterhin eine Rolle, wenn auch selektiver als in den Vorjahren.
Strukturell sind die Unterschiede erheblich: Während Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitenden im Schnitt 31 Berufsträger beschäftigen, kommen Mittelständler mit bis zu 1.000 Beschäftigten häufig mit fünf oder weniger Juristen aus. Im Inland zählen Rechtsabteilungen durchschnittlich 16 Volljuristen, ergänzt um sieben Fachkräfte und zwei nichtjuristische Experten. Fast alle Chefjuristen berichten direkt an CEO oder CFO – ein Zeichen ihrer gewachsenen strategischen Einbindung, trotz begrenzter Ressourcen.
Parallel sinkt der Anteil der Teams, die auf zusätzliche finanzielle Ressourcen hoffen können. Nur noch rund die Hälfte der Befragten rechnet mit mehr juristischen Mitarbeitenden – deutlich weniger als im Vorjahr. Der Spielraum für personellen Ausbau wird damit enger, selbst dort, wo der Bedarf unbestritten ist.
Als Reaktion gewinnen Effizienzmaßnahmen weiter an Bedeutung. Der Ausbau von Legal Tech steht – bereits zum zweiten Mal in Folge – ganz oben auf der Prioritätenliste der Chefjuristen. Ebenso nimmt die Einbindung fachfremder Kolleginnen und Kollegen zu. IT-Spezialisten, Projektmanager oder Controller werden gezielt integriert, um Prozesse zu straffen und Schnittstellen professioneller zu steuern.
Im Gesamtbild ähnelt die Entwicklung derjenigen im Kanzleimarkt: Auch dort werden Neueinstellungen insgesamt reduziert, die expansive Phase früherer Jahre ist vorbei. Während einzelne Sozietäten wie Hengeler Mueller oder White & Case ihre Einstellungszahlen stabilisieren oder ausbauen, dominiert in der Breite Zurückhaltung.
Alle Ergebnisse der JUVE Inhouse-Umfrage lesen Sie im JUVE Rechtsmarkt Inhouse spezial, der am 25. Februar erscheint.
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