Netztransaktionen bleiben der Goldstandard im Energiesektor. Wer zugleich Transaktionsgeschäft und Netzregulierung beherrscht, ist die Gewinnerin eines Spiels, an dem nur wenige Kanzleien teilnehmen. Ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen Kanzleien wie Hengeler Mueller mit dem RWE-Mandat zur Apollo-Partnerschaft für den Amprion-Ausbau und der erstmaligen Mandatierung durch Allianz Capital Partners. Auch Clifford Chance bleibt bei Netztransaktionen eine Klasse für sich, wie die Beratung des Konsortiums aus APG, GIC und NBIM zum Tennet-Einstieg zeigt. Ebenfalls Anspruch auf die vorderen Plätze beansprucht Latham & Watkins mit der Begleitung von Apollo zur Netzausbau-Partnerschaft mit RWE sowie White & Case, Linklaters und neuerdings auch A&O Shearman. CMS Hasche Sigle war mit der Beratung der KfW zu deren Tennet-Beteiligung ebenfalls an einem der wichtigsten Infrastruktur-Deals des Jahres beteiligt, während Freshfields gemessen an ihrer früheren Präsenz in diesem Marktsegment an Boden verliert.
Entscheidend für das Investoreninteresse ist die Bundesnetzagentur und die angelaufene Diskussion um den neuen Entgeltrahmen. Das tradierte Geschäftsmodell der Prozesskostengemeinschaft erlebt vor diesem Hintergrund bei Kanzleien wie Becker Büttner Held, EY Law und Dolde Mayen & Partner eine Renaissance. Mit Addleshaw Goddard dringt eine weitere Kanzlei in dieses Feld vor. Boutiquen wie Leitfeld und Rosin Büdenbender vertreten ebenfalls Netzbetreiber in den Beschwerdeverfahren gegen die sogenannten Nest- und Ramen-Festlegungen. Die Bundesnetzagentur wiederum hat erkannt, dass sie sich nicht selbst verteidigen sollte und deshalb die Zusammenarbeit mit Redeker Sellner Dahs auch zu netzregulatorischen Themen intensiviert.
Schwierig ist derzeit der Markt für erneuerbare Energien. Die Unsicherheit über die Regulierung des Ausbaus ist groß. Der Verkauf großer Plattformgesellschaften wie Qualitas scheiterte. Für Kanzleien, die neben M&A- auch Finanzierungsberatung bieten, ist das kein Problem: Denn wird ein Projekt nicht verkauft, wird es refinanziert. Davon profitieren Hogan Lovells Cadwalader, White & Case und auch Watson Farley & Williams mit ihren erfahrenen Projektfinanzierungsteams. Wichtig ist dabei, dass neben den Finanzierern auch Berater für Projektverträge, Genehmigungsfragen und Netzanschlüsse zum Aufgebot gehören.
Die Industrie sucht weiterhin neue Wege der Energiebewirtschaftung. Becker Büttner Held, Ritter Gent Collegen und die in diesem Marktsegment stark aufspielende PricewaterhouseCoopers Legal beraten umfassend zur Entwicklung von Energieanlagen inklusive Speicher auf Industriegeländen und zum Abschluss von Power Purchase Agreements. Genau diese Verträge stehen nach Einschätzung einiger Marktteilnehmer vor einem Innovationsschub.
(Fast) Jeder bleibt, wo er ist
Der Markt ist dynamisch, die Personalbewegungen in den Kanzleien sind es nicht. Ausnahmen bilden etwa Osborne Clarke oder Eversheds Sutherland, die Projektfinanzierer gewinnen konnten, oder Orrick Herrington & Sutcliffe, die einen regulatorisch versierten Vertragsspezialisten von Clifford Chance abwerben konnte. Daneben schloss sich eine insbesondere in der Netzregulierung erfahrene Partnerin PwC Legal an. Abgesehen davon wachsen die Sektorgruppen überwiegend aus den eigenen Reihen, oft, indem sie Immobilien- und Anlagenfachleute integrieren. Das Ziel: Die Mandanten von der Markterkundung über die Entwicklung bis zu Finanzierung und Verkauf der Projekte aus einer Hand beraten zu können. Neben großen Einheiten wie Hogan Lovells Cadwalader, Noerr und Taylor Wessing steht auch die Boutique Chatham Partners für ein solches Angebot.
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