Eine weitverbreitete Annahme im Soft-IP-Markt besagt, dass spezialisierte Boutiquen keinen strukturellen Nachteil gegenüber größeren Einheiten haben. Moderatere Honorare, transparente Kostenstrukturen und stabile Mandatsbeziehungen im formellen Markenrecht haben das Geschäftsmodell vieler IP-Boutiquen lange Zeit attraktiv gehalten.
Dennoch: Der Modernisierungsdruck macht auch vor kleinen Einheiten nicht halt. Wer den Generationswechsel verpasst und die Partnerstruktur nicht rechtzeitig öffnet, dem droht Stagnation – im schlimmsten Fall ist sogar die Existenz gefährdet. In diesen Wochen zeigt der Zerfall der Münchner Traditionsboutique Klaka exemplarisch, wie gravierend die Folgen ausbleibender Nachwuchsförderung sein können. Zum Jahresende verlassen sämtliche Equity-Partner die Kanzlei und machen in anderen Einheiten weiter.
Die Gründe für den Zerfall der einstigen Vorzeigekanzlei sind vielschichtig. Lange galt Klaka als feste Größe – mit Mandanten wie BMW und Longchamp und einer festen Verankerung im Markt. „Das war eine absolute Vorzeigekanzlei im Litigation in München – ein echter Platzhirsch“, sagt ein Partner einer gemischten IP-Kanzlei. Doch der Generationswechsel blieb irgendwo auf der Strecke. Die Associate-Riege blieb immer zu klein, die Partnerernennung von Dr. Carola Onken 2016 war die einzige in den vergangenen zehn Jahren. Seither sind laut Handelsregister fünf Partner aus Altersgründen aus der Partnerschaft ausgeschieden.
Generationswechsel als strukturelles Risiko
Der Fall Klaka mag ein Extrembeispiel sein. Aber allein ist die Kanzlei mit dem Problem nicht: Auch jenseits von München tun sich IP-Boutiquen mit der Erweiterung ihres Partnerkreises schwer. In Frankfurt etwa Danckelmann und Kerst: Der jüngste der insgesamt sechs – nicht alle auf IP-spezialisierten – Equity-Partner ist laut Handelsregister 55 Jahre alt, der älteste 84. Auch der Name der Kölner Soft-IP-Boutique Jonas fällt im Markt immer wieder, wenn es um eine fehlende Nachwuchsriege geht. Die Kanzlei war 2006 als Spin-off der Linklaters-Markenabteilung entstanden und musste 2012 den Tod ihres Gründungsgesellschafters verkraften. Acht Jahre dauerte es, bis die verbliebenen drei Equity-Partner ihren Kreis um einen Medienrechtler erweiterten – doch der verließ die Kanzlei im vergangenen Jahr wieder.
Demgegenüber zeigen einzelne Boutiquen, dass der Generationswechsel gelingen kann. Die IP-Kanzlei Hoyng ROKH Monegier hat in den vergangenen Jahren eine junge Partner- und Anwaltsriege aufgebaut, die sich mittlerweile von der starken Patentpraxis emanzipiert und fest im Markt verankert ist. Die Hamburger Kanzlei Harte-Bavendamm hat ihre Partnerriege gezielt verjüngt und damit den Rückzug des Gründungs- und Namenspartners ermöglicht. Auch Lubberger Lehment galt lange als positives Beispiel: Die junge Generation übernahm zunehmend die Verantwortung für wichtige Mandanten, Wettbewerber nannten Lubberger Lehment schon seit Langem als ein Fall für einen gelungenen Generationswechsel. Doch als Dr. Andreas Lubberger mit 67 Jahren im Mai überraschend zu Nordemann Czychowski & Partnerwechselte, wurde offensichtlich, dass es wohl doch nicht ganz so geschmeidig zwischen den Generationen lief. Tatsächlich hinterlässt er aber ein gut bestelltes Haus. Die verbliebenen sieben Partner investieren entschlossen in den Aufbau einer starken Associate-Riege und in die Modernisierung der Kanzlei. „Die Kanzlei wird das gut verkraften, es ist eher für die Außenwirkung ungünstig“, sagte ein Düsseldorfer Prozessspezialist – noch bevor bekannt wurde, dass in München die zwei Klaka-Partner sowie ein IT-Rechtler von Taylor Wessing dazustoßen.
Großkanzleien auf dem Rückzug
Parallel dazu ziehen sich internationale Großkanzleien weiter aus dem Soft-IP zurück oder verkleinern ihre Praxen. So verlor die deutsche Praxis von Baker McKenzie mit dem Wechsel von Dr. Michael Fammler zu Löffel Abrar ihren letzten Equity-Partner im Soft-IP. Die Entwicklung ist keineswegs neu: Die Fokussierung auf hochprofitables Geschäft hat über die Jahre das klassische Soft-IP-Segment aus den großen Einheiten herausgedrängt. Teams von Linklaters, Freshfields, Latham & Watkins und Clifford Chance wurden umgebaut, und zahlreiche Boutiquen entstanden als Spin-offs. Die Rolle bei vielen Großkanzleien hat sich gewandelt: Wo früher große Soft-IP-Praxen zum Standard gehörten, liegt der Schwerpunkt heute oft auf Transaktionsbegleitung und Digitalisierungsberatung. Genuines, oft kleinteiliges Soft-IP-Geschäft passt meist nicht mehr in den strategischen Fokus.
Einige internationale Großkanzleien halten dennoch an einer starken Soft-IP-Praxis fest. Hogan Lovellsetwa gilt weiterhin als Gütegarant im Marken- und Wettbewerbsrecht. Zwar hat sich die Praxis ebenfalls über die Jahre verändert, aber insbesondere im Hamburger Kraftzentrum wurden immer wieder neue Partner ernannt. Heute ist die Praxis personell sogar größer als vor 20 Jahren. Insbesondere gelang dem Team durch den Einsatz digitaler Anwendungen der Sprung in die Moderne.
Die Bewertungen behandeln Kanzleien, die im Marken-, Design- u. Wettbewerbsrecht vor allem prozessual tätig sind. Trotz starker Überschneidungen setzen die Kanzleien unterschiedliche Schwerpunkte, sodass Marken- und Wettbewerbsrecht in separaten tabellarischen Übersichten dargestellt sind. Im Markenrecht sind nur Kanzleien erfasst, die sich auch intensiv in zivilrechtl. Prozessen engagieren. Urheberrechtl. Kompetenz wird wg. der engen Verknüpfung mit der Branche im Kapitel Medien berücksichtigt.