Die Marktentwicklungen in den nördlichen Bundesländern unterscheiden sich erneut deutlich. Während es in Hamburg gleich mehrere wichtige Partner- bzw. Teamwechsel gab, blieb es im Rest der Region eher ruhig. In Hamburg allerdings eröffneten oder schlossen gleich mehrere Kanzleien Büros. Neu in der Hansestadt ist etwa Seitz, die mit einem starken Arbeitsrechtsteam von Watson Farley & Williams eröffnete und auch im Gesellschaftsrecht vor Ort Fuß fassen will. Mit dem Markteintritt von DWF ist in Hamburg auch eine weitere internationale Kanzlei präsent. Sie investierte, in Großbritannien Private-Equity-finanziert, massiv und holte Teams von Arnecke Sibeth Dabelstein und SKW Schwarz – letztere verabschiedete sich damit gänzlich aus Hamburg. Clyde & Co bleibt zwar mit einer kleinen Präsenz vor Ort, aber der Großteil der Anwälte, darunter sechs Partner, macht in eigener Einheit unter dem Namen NoordenJones weiter. Mit der Ankündigung Linklaters’ Ende 2025 ihren Standort in Hamburg zu schließen, zieht sich eine weitere internationale Kanzlei aus dem Markt zurück.
Vielfältig bleibt die Landschaft der Corporate-Boutiquen in Hamburg. Während sich viele schwer tun, neue Partner zu ernennen, sorgte vor allem der Wechsel des SJPP-Transaktionsteams zu Valbeek für Aufsehen. Die Insolvenzrechtler machen seither unter SJPP Restrukturierung weiter. In diesem Fachgebiet war ohnehin viel Bewegung: CMS Hasche Sigle bediente sich bei BBL Brockdorff, und Pluta holte ein prominentes Team von Johlke Niethammer.
Einige große Mittelstandsberater nutzen die aktuelle Immobilienflaute als Gelegenheit, sich für bessere Zeiten zu wappnen: So verstärkte sich Heuking mit einem fünfköpfigen Team von Norton Rose Fulbright.
Darüber hinaus war Hamburg Schauplatz einer bemerkenswerten Entscheidung, die zwar DLA Piper traf, aber viele andere Kanzleien genauso gut hätte treffen können: Das Verwaltungsgericht Hamburg gab der Arbeitsschutzbehörde recht, die die Kanzlei angewiesen hatte, Arbeitszeiten engmaschig nachzuhalten, um angestellte Anwälte vor ausufernder Mehrarbeit zu schützen. Das Verfahren ist in der Berufung.
Zwischen Generationswechsel und Digitalisierung
In den anderen nördlichen Bundesländern präsentiert sich der Rechtsberatungsmarkt hingegen relativ ruhig. Einige Partner gingen in den Ruhestand, nur wenige wechselten die Adresse.
In Schleswig-Holstein bleibt Brock Müller Ziegenbein der unangefochtene Marktführer, während in Bremen und Niedersachsen mehrere Kanzleien konkurrieren. Allerdings profitieren die lokal ansässigen Kanzleien hier wie dort kaum vom Aufwind, den die Regionen dank der Rüstungsindustrie, erneuerbarer Energien, Logistik oder Weltraumfirmen wie OHB spüren. Bestenfalls lokale Notariate können sich bei großen Vorhaben ab und zu ihren Anteil sichern.
Anders sieht das bei der Konsolidierung des Gesundheitsmarkts aus, bei der nicht nur die Bremer Kanzlei Kessler mitspielte. Meist sind es langjährige Mandanten, die den Kanzleien immer wieder größere Deals auf die Tische bringen, wie die Beteiligung von Loyfort beim Verkauf der Reck-Gruppe zeigt. Ähnlich war die Konstellation bei Lebuhn & Puchta in Hamburg: Die etablierten Kontakte ihres Scandinavian Desk zur dänischen Orkla sorgten für die Beteiligung an der Übernahme von Vortella.