Deutsche Berufseinsteiger erhalten bei Cleary 95.000 Euro, wenn sie einen LL.M. vorweisen. Bislang hatte die US-Kanzlei ihren Mitarbeitern ihr erstes Berufsjahr mit 87.000 Euro vergütet und gehörte damit in den vergangenen fünf Jahren stets zu den Spitzenarbeitgebern im deutschen Anwaltsmarkt. Wie bei US-Kanzleien üblich, erhielten die Cleary-Associates dabei zusätzlich einen Bonus zum garantierten Fixum. 2005 betrug dieser 10 Prozent des jeweiligen Jahresgehalts.
Von den Gehaltssteigerungen werden auch die älteren Associate-Generationen bei Cleary profitieren: Das Jahresfixum im zweiten Berufsjahr steigt von 100.000 auf 105.000 Euro, im dritten von 115.500 auf 117.000 Euro und im vierten von 133.500 auf 135.000 Euro. Keine Gehaltsteigerung bekommen hingegen die Mitarbeiter im fünften, sechsten und gegebenenfalls siebten Berufsjahr. Hier bleibt es bei den bisherigen 154.000, 177.000 bzw. 202.500 Euro.
Auch Gleiss greift für seine Mitarbeiter künftig tiefer ins Kanzleiportemonnaie. 95.000 Euro erhalten Berufseinsteiger ab Januar 2007 anstellte der bisher maximal möglichen 80.000 Euro, vorausgesetzt sie weisen einen Doktortitel und einen im englischsprachigen Ausland erworbenen LL.M. vor. Ohne LL.M., aber mit Doktortitel kommt ein Berufseinsteiger künftig auf 85.000 Euro, ohne einen der beiden Titel auf 80.000 Euro. Anders als Cleary zahlt Gleiss Associates keinen Bonus.
Die älteren Gleiss-Associates bekommen ab dem kommendem Jahr ebenfalls deutlich mehr Geld. Gleiss hebt die Bezüge im zweiten und dritten Berufsjahr jeweils um satte 15.000 Euro auf 105.000 bzw. 115.000 an. Assoziierte Partner erhalten ab dem vierten Berufsjahr 140.000 und im fünften 150.000 Euro.
Mit diesen drastischen Gehaltssteigerungen will die Gleiss-Partnerschaft ihre Mitarbeiter einerseits am wirtschaftlichen Erfolg der Kanzlei teilhaben lassen. „Wir haben einige sehr gute Jahre hinter uns, für die wir allerdings auch sehr hart gearbeitet haben“, sagte Personal-Partner Dr. Ulrich Baeck. „Ohne unsere Associates wäre dieser wirtschaftliche Erfolg nicht möglich gewesen.“ Andererseits setzt sich Gleiss mit den neuen Gehaltszahlen gezielt an die Spitze des Marktes. „Unserem Ruf, der ‚Porsche’ unter den Kanzleien in Deutschland zu sein, wollen wir auch in der Gehaltsfrage gerecht werden“, so Managing-Partner Dr. Martin Diller.
Bereits im Mai hatte Hengeler Mueller die Gehälter für Berufseinsteiger mit LL.M. auf 90.000 Euro erhöht. Die Top-Kanzlei zahlt Mitarbeitern keinen Bonus. Dennoch überschritt sie als erstes Schwergewicht im deutschen Markt die Grenze von 80.000 Euro. Bislang zahlten nur US-Kanzleien – darunter auch Cleary – Top-Gehälter um die 85.000 Euro und sattelten zusätzlich üppige Bonuszahlungen oben drauf, so dass ihre Mitarbeiter unter dem Strich über 90.000 Euro verdienten.
Cleary erobert sich nun mit ihren neuen Gehaltszahlen ihre einstige Spitzenstellung zurück. Eine Reaktion auf die Erhöhungen bei Hengeler wollten weder Vertreter der US-Kanzlei noch von Gleiss bestätigen. Die Erhöhungen seien vielmehr eine Reaktion auf den gestiegenen Wettbewerb. Zudem hätten die Mitarbeiter vier Jahre ohne Gehaltssteigerungen hinnehmen müssen, so Vertreter beider Kanzleien. Cleary habe zudem erst kürzlich die Gehälter in den USA stark angehoben, so eine Kanzleivertreterin.
Bemerkenswert ist vor allem die Entscheidung von Gleiss. Die Erhöhung der Gehälter für Berufseinsteiger um rund 19 Prozent ist die höchste Steigerungsrate der letzten zehn Jahre. Erstmals in der Geschichte des deutschen Rechtsmarkts zog Gleiss damit an Hengeler vorbei. Beide Kanzleien und auch Freshfields Bruckhaus Deringer hatten stets ihre Gehälter im Gleichschritt erhöht. Zuletzt zahlten alle drei Kanzleien maximal 80.000 Euro. Nun habe Gleiss den Konsens unter den deutschen Traditionskanzleien in Bezug auf die Mitarbeitergehälter aufgegeben, so ein Marktbeobachter. Ein anderer hielt dagegen, dass bereits Hengeler mit seiner Entscheidung im Mai den übrigen deutschen Großkanzleien den Gehaltskrieg erklärt habe.
Nach JUVE-Informationen werden noch in diesem Sommer weitere deutsche Kanzleien ihre Associate-Gehälter steigern. Spätestens seit der Entscheidung Hengelers diskutieren viele deutsche Top-Kanzleien über ähnliche Schritte. Schwergewichte wie Freshfields Bruckhaus Deringer, Clifford Chance, Allen & Overy, Linklaters oder Lovells zahlen bislang Gehälter, die weit unter der neuen Messlatte liegen, die Gleiss und Cleary vorgelegt haben. Beide Kanzleien signalisierten, dass sie ihre Gehälter nicht noch einmal anheben werden, falls ein Wettbewerber deutlich über die 95.000 Euro hinausgehen würde.