Die Digitalisierung und die Integration von Homeoffice in den Arbeitsalltag sind offensichtliche Treiber für Veränderungen in zahlreichen Rechtsabteilungen und Kanzleien. Das Ausbremsen gewohnter Arbeitsabläufe lenkt den Blick noch stärker als zuvor auf Effizienz und Kosten– und das wird sich nicht darin erschöpfen, dass unzählige Firmen und Kanzleien entdeckt haben, dass Videokonferenzen nicht nur funktionieren, sondern auch Miete und Reisekosten sparen.
Schon jetzt zeigt sich außerdem, wie eine veränderte Diskussion um gesellschaftliche Werte in den USA und Europa sich auf die inhaltlichen Schwerpunkte der Rechtsberater auswirkt. Schon vor der Pandemie haben die ,Fridays for Future‘-Bewegung, die MeToo- und Anti-Rassismus-Demonstrationen gesellschaftliche Diskussionen verstärkt, die auch bei Unternehmen und Kanzleien Veränderungen bringen und Teil des Risikomanagements sein werden. Die Debatte um das Unternehmensstrafrecht und das Lieferkettengesetz rücken auch hierzulande die Unternehmensverantwortung in ein neues Licht.
Wirtschaftskanzleien werden im Jahr 2030 ihre Leistungen anders erbringen als heute. Und sie werden andere Leistungen erbringen. Neben die klassische Rechtsberatung werden weitere Dienstleistungen treten, und die Struktur der Sozietäten wird anderen Wirtschaftsunternehmen ähnlicher werden.
Im Jahr 2030 …
… verdienen mit M&A nur noch einige wenige internationale Kanzleien gutes Geld. Litigation- und Compliance-Praxen sind wesentlich profitabler.
… sind 80 Prozent der Kanzleien in die Gewerblichkeit gewechselt.
… sitzen bei mehr als der Hälfte der Dax- und MDax-Unternehmen wieder Juristen mit eigenem Rechts- und Compliance-Ressort im Vorstand.
… vergeben Unternehmen 60 Prozent der Mandate auf Festpreisbasis.
… sind die Kosten für externe Rechtsberatung um 30 Prozent gesunken.
… wollen die kreativsten Nachwuchsjuristen nicht mehr in die Großkanzleien, sondern gründen Legal-Tech-Start-ups und
bieten virtuelle Rechtsberatung.
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(Antje Neumann, Astrid Jatzkowski, Norbert Parzinger)