„Wir brauchen einen neuen attraktiven Weg der Zusammenarbeit“, sagt Dr. Joachim Kämpf, Associate General Counsel bei ECE, einem Projektentwickler und -betreiber. Denn bislang lief es am Bau vor allem so: Der Bauherr minimiert seine Risiken am besten, indem er sie seinen Auftragnehmern vertraglich unterschiebt.
Die Auftragnehmer wiederum spielen ihr eigenes Spiel: Um den Auftrag zu gewinnen, geben sie besonders günstige Angebote ab. Zusätzliche Kosten holen sie sich vom Bauherrn über Nachträge zurück. Wenn der sich ziert, wird gestritten. Wenn es sein muss, jahrelang. Am Ende werden viele Großbauprojekte teurer und dauern länger als geplant.
„Das ist reine Ressourcenvernichtung“, sagt Kämpf. Sein Unternehmen hatte zwar noch nie ein gescheitertes Großprojekt wie den Flughafen Berlin-Brandenburg oder Stuttgart 21 zu verantworten. Trotzdem sehnt er sich danach, dass sich am Bau grundsätzlich etwas ändert. Wovon er träumt: Bauherr und Auftragnehmer arbeiten als Team an einem gemeinsamen Ziel, sie arbeiten miteinander und nicht gegeneinander. Wenn Fehler passieren, reduziert sich der Gewinn des gesamten Projektteams. Und alle profitieren, wenn Kosten eingespart werden.
Kooperation statt Konfrontation
In anderen Ländern wie den USA, Großbritannien und Australien ist dieser Traum bereits Realität. Baurechtler Dr. Wolfgang Breyer aus Stuttgart hat sich intensiv mit den Verträgen beschäftigt, die den internationalen Projekten zugrunde liegen. Breyer und Kämpf haben dieselbe Vision. Deshalb riefen sie Ende 2016 die Initiative ‚Teambuilding‘ ins Leben.
Inzwischen haben sie zahlreiche namhafte Anhänger gefunden, darunter die Bauherren BMW, DB Netz, Fraport und Bayer, die Planungsunternehmen Drees & Sommer und Albert Speer sowie die Bauunternehmen Ed. Züblin, Hochtief und Porr. Ihr Ziel: Die Entwicklung eines neuartigen Projektabwicklungsmodells, das den Traum von Kooperation statt Konfrontation auf der Baustelle Wirklichkeit werden lässt. Grundelemente dieses Modells sind der Mehrparteienvertrag und das Projektplanungstool Building Information Modeling (BIM).
Ob das funktioniert, wird nun in zwei Pilotprojekten getestet. Eins davon ist ein Kongresshotel in der Hamburger HafenCity. 2023 soll es eröffnen. Bauherr ist die ECE. Kämpf steckt also mittendrin.
Transparenz und Konsens
Der Mehrparteienvertrag sieht vor, dass am Bau nicht mehr der Bauherr allein das Sagen hat. Stattdessen wird es ein Projektmanagementteam geben, dem jeweils ein Vertreter aller Parteien angehört. Das Gremium folgt dem Konsensprinzip.
„Manchmal denken wir: Es ist total waghalsig, was wir tun“, sagt Kämpf. Denn innerhalb des Projektteams herrscht völlige Transparenz: Planer und Bauunternehmen müssen ihre Kosten sowie ihre Kalkulation und der Bauherr sein Budget offenlegen. „Das hat niemand bisher getan.“
Geplant wird das Projekt mithilfe des Planungstools BIM. Das bietet sich an. Schließlich ist das Planungstool ebenfalls darauf ausgelegt, dass alle Projektbeteiligten von Anfang an an einem gemeinsamen Modell planen, so dass die Planungen aller Gewerke optimal aufeinander abgestimmt sind – und nicht plötzlich ein Wassersprenkler genau dort an der Decke sitzt, wo eigentlich ein Fenster aufgehen soll. Welcher der BIM-Standards, die zurzeit auf dem Markt verfügbar sind, angewendet wird, entscheidet ebenfalls das Team und nicht der Bauherr.
Mehr zu Mehrparteienverträgen und dem aktuellen Einsatz von Building Information Modeling in der deutschen Baubranche lesen Sie im aktuellen JUVE Rechtsmarkt 12/2018 (Schwerpunt Immobilien).