Brexit

Frankreich hilft Anwälten und Kanzleien mit Übergangsregelung

Was das deutsche Justizministerium und die Bundesregierung ablehnen, hat Frankreich nun per Verordnung beschlossen: eine umfassende Brexit-Übergangsregelung für Anwälte und Kanzleien. Für ein Jahr können LLP-Kanzleien und Anwälte mit britischem Titel im Fall des harten Brexits in Frankreich weiterarbeiten wie bisher. Die unterschiedliche Handhabung in Deutschland und Frankreich könnte auch daran liegen, dass die Franzosen einen Brexit nicht so sehr fürchten wie die Deutschen.

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FlaggeVon den 50 führenden Kanzleien in Frankreich stammen Medienberichten zufolge 11 aus Großbritannien. Sie allein stehen mit ihren knapp 1.600 Anwälten für einen Umsatz von rund 700 Millionen Euro. Zusammen mit den amerikanischen LLPs im französischen Markt, die auch über London in Frankreich beraten, betrifft die Übergangsregelung zusammen rund 33 LLPs und damit weit weniger Kanzleien als in Deutschland. Von den 33 sind 23 bei der Pariser Anwaltskammer gemeldet, die 42 Prozent der französischen Anwälte zugelassen hat. Alle können im Fall eines harten Brexit für ein Jahr in der gleichen Form weiterarbeiten wie bisher.

Die Übergangsregelung gilt alllerdings nicht nur für LLP-Einheiten, sondern auch für Berater mit britischen Anwalts- sowie Steuerberatertiteln, die nicht bei einer französischen Kammer eingeschrieben sind. Und auch Briten und im britischen Recht geschulte europäische Anwälte, die zum Tag des Austritts Großbritanniens bei einer der französischen Kammern zugelassen sind oder bis zum Stichtag eine Zulassung erhalten, sind für ein Jahr auf der sicheren Seite.

Marktüberblick Frankreich

Um von einer französischen Kammer zugelassen zu werden, muss man mindestens drei Jahre hauptberuflicher Beratung im französischen Recht nachweisen. Zu dieser Gruppe gehören insgesamt rund 100 Briten in Frankreich.

Frankreich sieht dem Brexit deutlich entspannter entgegen

Vor der französischen Initiative hatte bereits Österreich eine ähnliche Übergangsregelung für die dort ansässigen Kanzleien vorgeschlagen. In Deutschland dagegen verweigern Bundesregierung und Bundesjustizministerium den deutschen und britischen LLPs Hilfe, obwohl die Nachfrage groß ist.

Dass Frankreich eine Übergangsregelung vorlegt, hat Marktkennern zufolge unterschiedliche Gründe. So reguliere Frankreich den Anwaltsmarkt seit Langem sparsamer als Deutschland. Dafür steht beispielsweise eine der britischen LLP sehr ähnliche Rechtsform für Personengesellschaften. Aber auch die landesweite Bedeutung der Pariser Anwaltskammer, die sehr gut mit der Pariser Regierungspolitik vernetzt ist, gilt als ausschlaggebend für die politische Schlagkraft der Branche.

Hinzu komme, dass die Franzosen sowohl den Bestandsschutz stärker gewichten als auch dem Brexit lange nicht so unnachgiebig gegenüberstehen, wie die Deutschen. Die deutsche Einstellung verbiete pragmatische Lösungen für eine Branche, die sich – wie viele glaubten – gut selbst helfen könne. (Martin Ströder)

Mehr zum Thema, wie sich Kanzleien in Deutschland auf den Brexit vorbereiten, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des JUVE Rechtsmarkt (03/19), die am Montag erschienen ist.

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