Latham & Watkins hat ihr Brüsseler Büro mit der erfahrenen Europa- und Beihilferechtsspezialistin Elisabetta Righini (48) verstärkt. Righini war bis vor einem Jahr Kabinettsmitglied des früheren EU-Wettbewerbskommissars Joaquín Almunia.
Dort fielen einige sehr prominente Beihilferechtsverfahren in ihren Zuständigkeitsbereich, wie etwa die Auseinandersetzungen rund um den Nürburgring und die deutsche EEG-Gesetzgebung sowie eine lange währende Prüfung gegen die Deutsche Post. Für die Europäische Kommission hatte sie insgesamt 15 Jahre lang gearbeitet, davon verbrachte sie 10 Jahre im Juristischen Dienst, der die Kommission in Rechtsfragen berät und vertritt. In über 100 Fällen vertrat sie die Kommission dabei in Prozessen vor den Europäischen Gerichten in Luxemburg. Righini kommt als Counsel dazu und wird nebenher weiterhin einen Lehrauftrag in London wahrnehmen.
Dass eine Kanzlei so gezielt beihilferechtliche Verstärkung über einen Quereinsteiger sucht, ist ungewöhnlich, dürfte aber Ausdruck für die wachsende Bedeutung dieser speziellen europarechtlichen Materie sein. Jean-Paul Poitras, Managing-Partner des Brüsseler Latham-Büros, sagte: „Elisabetta kommt in einer Zeit zu uns, in der sich die Kommission zunehmend gewillt zeigt, ihr Instrumentarium auf weitere Branchen auszudehnen. Auch auf solche, die bislang noch nicht Gegenstand von beihilferechtlichen Untersuchungen gewesen sind.“ Die Untersuchung der steuerrechtlichen Gesetzgebung einiger EU-Mitgliedsstaaten unter beihilferechtlichen Aspekten, bei der auch die Steuerstrukturen von US-Konzernen wie Apple oder Starbucks in den Fokus gerieten, dürfte das Thema auch bei den US-Mandanten der Kanzlei stärker als bislang auf die Tagesordnung gehoben haben.
Latham hat ihr Brüsseler Büro in den vergangenen zwei Jahren schon mehrfach verstärkt. Unter anderem kam von WilmerHale der angesehene Kartellrechtler Dr. Sven Völcker dazu. Er rückte vor einigen Monaten auch in die weltweite Co-Leitung der Kartellrechtspraxis, der nun auch Righini angehören wird. Im Frühjahr hatte Latham in Brüssel jedoch auch eine Kartellrechtspartnerin verloren: Susanne Zühlke gründete zunächst eine eigene Kanzlei, Mitte dieses Monats schloss sie sich jedoch wieder einer internationalen Kanzlei an und wurde Partnerin bei Willkie Farr & Gallagher.