Die Zahlen dokumentieren, mit welcher Konsequenz speziell die großen internationalen Kanzleien nach mehr Profitabilität streben. Besonders deutlich wird der Abbau bei den Kanzleien, die vor einiger Zeit beschlossen haben, ihre Partnerschaften zu straffen: Linklaters Oppenhoff & Rädler, Clifford Chance und Lovells. Linklaters begann im Sommer des vergangenen Jahres damit, den Status von fast einem Viertel der deutschen Equity-Partner zu überprüfen (JUVE 08/04), mit der Folge, dass viele Partner die Kanzlei verließen. Lovells verfolgte ähnliche Pläne und gab zum Jahreswechsel bekannt, dass sie sich weltweit von einer Reihe von Partnern trennen wollte, zu einem erheblichen Teil davon in Deutschland (JUVE 02/05). Clifford Chance schließlich schloss im Frühjahr mit dem Berliner Büro einen kompletten Standort (JUVE 01/05). Die Kanzlei, im vergangenen Jahr noch die zweitgrößte hierzulande, findet sich jetzt auf Platz 4 der größten Kanzleien Deutschlands wieder.
Etwas anders verlief dagegen die Entwicklung in Deutschlands größter Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Im Gegensatz zu den anderen verkleinerte sich zwar die Anzahl der Partner, doch dafür stellte die englisch-deutsche Sozietät mehr Associates ein, so dass Freshfields im Ergebnis sogar ganz leicht gewachsen ist.
Großer Gewinner nach Kanzleigröße ist dagegen CMS Hasche Sigle. Nach der Übernahme des Kölner Büros von Norton Rose zum Jahreswechsel (JUVE 02/04) wurde sie zur zweitgrößten Kanzlei in Deutschland. Gleichzeitig musste sich Norton Rose aus dem Kreis der Sozietäten mit mehr als 100 Anwälten hierzulande verabschieden.
Doch ist die Entwicklung in den nicht fusionierten deutschen Kanzleien insgesamt auffällig. Bis auf Hengeler Mueller und Gleiss Lutz sind alle im Vergleich zum Vorjahr gewachsen oder gleich groß geblieben. Das gilt auch für Taylor Wessing: Die englisch-deutsche Kanzlei, deren einzelne Ländergesellschaften nicht finanziell integriert sind, legte ebenfalls deutlich zu.
Allerdings haben auch bislang konservativ geführte deutsche Kanzleien angefangen, die Struktur der Vollpartnerschaft aufzuweichen. So führte Hengeler Anfang 2004 die Position des ‚Counsel’ als weitere Partnerform ein, laut Kanzleisprecher Dr. Andreas Austmann eine Zwitterform: Der Counsel sei kein Durchgangsstadium zum Equity-Partner, sondern ein Spezialist mit festem Jahresgehalt, der besondere Transaktionen selbst federführend beraten kann.
Auch Heuking Kühn Lüer Wojtek zog in diesem Jahr nach und ernannte 2005 sechs Anwälte zu Salary-Partnern: Sie haben ein Einkommen wie ein Angestellter, sind jedoch berechtigt an Partnersitzungen teilzunehmen. Die Stufe sei eine mögliche, aber keine notwendige Voraussetzung für die Vollpartnerschaft, erklärte eine Sprecherin der Kanzlei. (Jörn Poppelbaum)
NACHTRAG JUVE 08/05:
Einige Berufsträger-Zahlen der deutschen Praxis von Linklaters Oppenhoff & Rädler sind in der Tabelle zur Nachricht irrtümlich falsch angegeben. Bei der Zahl der Associates muss es richtig 245 (Vorjahr 242) heißen statt 328 (Vorjahr 342). Bei der Gesamtzahl der Berufsträger muss es richtig 328 (Vorjahr 342) heißen statt 411 (Vorjahr 442). Im Text der Nachricht heißt es im Zusammenhang dieser falschen Zahlen, Clifford Chance sei gegenüber dem Vorjahr nach Personalstärke von Rang 2 auf 4 abgerutscht. Tatsächlich ist Clifford jetzt drittgrößte Kanzlei, überholt nur von CMS Hasche Sigle (durch die Fusion mit dem großen Kölner Norton Rose-Büro).
Auch Taylor Wessing und Lovells tauschen die Plätze 5 bzw. 6. Bei Taylor Wessing haben wir zehn Partner – und damit zehn Berufsträger insgesamt – zuviel berechnet. Richtig ist: 128 Partner, 231 Berufsträger (Lovells: 237).