Alexander Haertel (45), einer der Gründungspartner der Düsseldorfer IP-Boutique Kather Augenstein, wechselt zum Juli als Salary-Partner zu Bardehle Pagenberg. In deren Düsseldorfer Büro wird er für Patentprozesse zuständig sein. Damit hat die gemischte IP-Kanzlei nach Jahren wieder einen bekannten Prozessspezialisten am Rhein.
Bardehle Pagenberg gehört bei Patentstreitigkeiten in Deutschland nicht nur auf rechts-, sondern auch auf patentanwaltlicher Seite zu den Marktführern. Ihre bekannten Experten allerdings arbeiten bisher vor allem vom Münchner Hauptstandort aus. In Düsseldorf, wo Europas meistbeschäftigtes Patentgericht sitzt, hat die Kanzlei zwar ein Büro, aber schon lange keine Prozessexperten von Rang und Namen mehr.
Mit Haertel wechselt nun ein Patentprozessspezialist zu Bardehle Pagenberg, der bereits Erfahrung mit dem Aufbau in Düsseldorf hat. Er gehörte 2015 zu den Gründungspartnern von Kather Augenstein. Die Kanzlei spaltete sich damals von Preu Bohlig & Partner ab. Haertel sammelte in in den folgenden Jahren viel Erfahrung bei Prozessen um Mobilfunkpatente und bei FRAND-Themen. Er gehörte zu dem Kather Augenstein-Team, das 2015 für Ericsson Apple verklagte und zwei Jahre später auch Wiko. Einen der größten Mandatierungserfolge feierte Haertel mit Kather Augenstein, als VW die Kanzlei 2018 für die Abwehr der ersten großen Connected-Cars-Klage in Europa auswählte. Geklagt hatte der Chiphersteller Broadcom/Avago.
Zwar verglichen sich die Parteien schnell, aber der Auftakt war gemacht für eine Reihe weiterer Connected-Cars-Klagen vor deutschen Patentgerichten. Diese fanden ihren vorläufigen Höhepunkt in den Klagen der Avanci-Pool-Mitglieder Nokia, Sharp und Conversant gegen Daimler sowie von Broadcom/Avago gegen BMW. Haertels neue Kanzlei Bardehle spielt in diesen Klagen eine wichtige Rolle. Sie vertritt BMW gegen Broadcom/Avago sowie die Zulieferer Robert Bosch und TomTom als Streithelfer von Daimler in den Avanci-Klagen.
Bei Bardehle in Düsseldorf sind derzeit nur zwei Patentanwälte tätig. Bis 2010 war der Standort auch mit einem Rechtsanwalt besetzt. Dr. Christoph Lenz wechselte jedoch zur damaligen US-Kanzlei Howrey. Mit dem jetzigen Zugang stärkt Bardehle wieder vor Ort ihr Know-how bei Prozessen. Insgesamt arbeiten im deutschen Patentteam der Kanzlei 33 Patent- und 20 Rechtsanwälte, 21 von ihnen sind zwar Partner, aber laut Kanzleiwebsite davon nur neun Teilhaber. Neben Deutschland hat die Kanzlei auch Büros in Paris, Barcelona und Verona.
Bei Kather Augenstein verbleiben nach dem Wechsel sechs Partner, sieben Associates und ein of Counsel. Im Mai war zuletzt die Markenrechtlerin Nadine Bertram hinzugestoßen. Die 44-Jährige war zuletzt als Einzelanwältin selbstständig, hatte aber von 2004 bis 2017 bei Schmidt von der Osten Huber gearbeitet. Sie ist die erste angestellte Anwältin in der Düsseldorfer IP-Boutique, die zunächst nur im Marken- und Wettbewerbsrecht und nicht im Patentrecht tätig sein wird.