EnBW-Desaster

Land tut sich schwer, Kanzlei zu finden, Gleiss sucht doch externe Hilfe

Autor/en
  • JUVE

Die Suche nach externen Beratern für die rechtliche Aufarbeitung des verfassungswidrigen EnBW-Einstiegs gestaltet sich für das Land Baden-Württemberg weiter schwer. Nachdem CMS Hasche Sigle bereits abgewunken hatte, soll das Wirtschafts- und Finanzministerium nun bei Hengeler Mueller, White & Case und einer weiteren, anglo-amerikanischen Großkanzlei angefragt haben. Auch die stark in der Kritik stehende Sozietät Gleiss Lutz sucht nun externen Rat.

Teilen Sie unseren Beitrag

Auch die stark in der Kritik stehende Top-Sozietät Gleiss Lutz sucht nach JUVE-Informationen nun doch externen Rat. Intern hatte die Kanzlei ihre Rolle bei der Transaktion bereits überprüft und sah keine Ansprüche (mehr…). Das von Gleiss beratene Land hatte beim 4,7 Milliarden Euro teuren Einstieg bei EnBW das Haushaltsrecht des Landtags umgangen. Aufgrund des inzwischen stark gesunkenen Werts der EnBW-Anteile ist dem Land durch den verfassungswidrigen Einstieg inzwischen ein Schaden in Milliardenhöhe entstanden.

Ob es aufseiten des Wirtschafts- und Landesministeriums überhaupt zu einem Mandat für eine der angefragten drei Kandidatinnen kommen wird, ist nach JUVE-Informationen völlig unklar. Die anglo-amerikanische Großkanzlei soll bereits abgelehnt haben. Bis Ende der kommenden Woche können Hengeler und White & Case ihre möglichen Angebote einreichen, in zwei Wochen soll dann eine Entscheidung fallen. Beide Kanzleien wollten sich gegenüber JUVE nicht äußern.

In jedem Fall gehört zu den am höchsten gehandelten Namen im EnBW-Komplex der Frankfurter Hengeler-Partner Dr. Markus Meier. Er bringt alleine schon durch seine Erfahrung aus dem Mammut-Haftungsprozess zwischen der ehemaligen Kanzlei Haarmann Hemmelrath und der Düsseldorfer Werhahn-Gruppe nahezu ideale Voraussetzungen mit (mehr…).

Für den sehr zähen Findungsprozess gibt es mehrere Gründe: In Stuttgart sind die Anwälte der angesehenen örtliche Prozesspraxen von Gleiss und ihrer Wettbewerber CMS, Thümmel Schütze & Partner sowie Haver & Mailänder persönlich so eng miteinander verbunden, dass ein direktes Vorgehen gegen einen der Mitbewerber in einem Fall wie diesem als praktisch ausgeschlossen gilt. Zudem bringen auch außerhalb von Stuttgart viele Kanzleien Gleiss große Hochachtung entgegen. Die Bereitschaft, gegen die Wettbewerberin vorzugehen, ist entsprechend gering.

Abseits davon löst eine Anfrage wie die des Landes nach Meinung von Marktbeobachtern in jeder größeren Kanzlei eine Grundsatzdiskussion darüber aus, ob man gegen Kollegen vorgehen will. Vor diesem Hintergrund ist es zumindest fraglich ob das Land Hengeler oder White & Case für sich als Berater wird gewinnen können.

Zudem ist neben der Rolle von Gleiss in dem Deal auch die der Investmentbank Morgan Stanley umstritten, die zu den wichtigen Mandanten einer Reihe von Großkanzleien gehört oder zumindest ein sehr interessanter potenzieller Mandant wäre. Dies engt den Kreis möglicher Berater weiter ein. (René Bender, Anja Hall)

Artikel teilen