Zwar ist die außerordentliche Leistung der deutschen Büros auch auf den gegenüber dem Pfund stärker gewordenen Euro zurückzuführen. Doch laut verlässlichen Zahlen, die JUVE vorliegen, hat die deutsche Corporate-Praxis im vergangenen Geschäftsjahr auch die Planungen um etwa acht Prozent übertroffen. Dagegen hatten die Gesellschaftsrechtler in London gleichzeitig unter schwierigen Marktbedingungen zu leiden.
„Der angestammte industrielle Mandantenstamm in Deutschland hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Corporate-Gruppe hierzulande ein gutes Jahr hatte,“ kommentierte der Co-Head der weltweiten Corporate-Praxis, der Düsseldorfer Partner Dr. Axel Epe. „In Deutschland ist die Arbeit vielleicht etwas weniger konjunkturabhängig als in Großbritannien. Unsere englischen Anwälte brauchen aber sicherlich auch nicht in Sack und Asche zu gehen, sie haben sich in einem schwierigen Marktumfeld gut geschlagen.“
Besonders deutlich fiel das Münchner Corporate-Team um Dr. Peter Nussbaum, Dr. Hans-Jörg Ziegenhain und Dr. Norbert Rieger im vergangenen Geschäftsjahr auf. Obwohl sich weder Epe noch der Managing Partner Dr. Konstantin Mettenheimer zu konkreten Zahlen äußern wollten, konnte JUVE innerhalb der Kanzlei in Erfahrung bringen, dass das Büro in der bayrischen Hauptstadt mit fast zwölf Millionen Euro Umsatz um 40 Prozent über dem kalkulierten Budget lag.
Den zweitgrößten Überschuss erzielte Düsseldorf mit 18 Prozent bei einem Umsatz von 33 Millionen Euro. Köln lag mit ungefähr zwölf Millionen Euro Umsatz um zwölf, Frankfurt mit 43 Millionen Euro immerhin noch um vier Prozent über der Kalkulation. Berlin bleibt für die Corporate-Praxis laut dieser Zahlen der schwierigste Markt: Das Ergebnis von knapp über neun Millionen Euro nannte ein Corporate-Partner „enttäuschend“.
Der profitabelste Standort der deutsch-österreichischen Corporate-Praxis liegt allerdings nicht in Deutschland. In dieser Disziplin brilliert Wien mit knapp 1,4 Millionen Euro Gewinn pro Partner. Es folgen München und das Rheinland (die Kölner und Düsseldorfer Büros werden zusammengerechnet), vor allem aufgrund der traditionell höheren Leverage in Köln, sowie der besonders starken Leistung des Düsseldorfer Büros.
Interessant sind auch die Ergebnisse des Hamburger Standortes, der lange Zeit als der profitabelste von Bruckhaus galt. Laut den JUVE vorliegenden Zahlen hinkte die Hansestadt im vergangenen Geschäftsjahr hinter dem Rheinland hinterher, und ist jetzt um 14 Prozent weniger profitabel als Köln/Düsseldorf. Allerdings hatte das Büro seit der Fusion mit Freshfields kanzlei-intern einige der Hauptumsatzträger verloren: Nussbaum ging nach München, Dr. Stephanie Hundertmark wechselte nach Berlin, Dr. Christian Wilde wurde Senior Partner der Sozietät. Zudem verließen Dr. Andreas Rittstieg, der sich selbstständig machte, und Dr. Hans-Wilhem Jenckel die Kanzlei ganz.