Fakt ist, dass der DFB eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro jahrelang bewusst verschleierte. Eine dubiose Rolle spielte dabei eine Schweizer Kanzlei. Wofür das Geld tatsächlich verwendet wurde, ist weiter unklar.
Bewiesen ist, dass im Jahr 2002 – und damit zwei Jahre nach der WM-Vergabe – 6,7 Millionen Euro über Umwege nach Katar an Mohamed Bin Hammam flossen. Der einst einflussreiche Strippenzieher im Weltfußballverband Fifa ist inzwischen lebenslang gesperrt. Der Weg des Geldes ist extrem verschachtelt.
Schweizer Kanzlei im Zentrum der dubiosen Geldflüsse
Die Schweizer Sozietät Gabriel & Müller aus dem Kanton Obwalden erhielt dabei 2002 von zwei Seiten Millionenbeträge: einmal von einem Konto des späteren WM-Organisationschefs Franz Beckenbauer und dessen Berater Robert Schwan und einmal vom inzwischen verstorbenen Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus. Die Kanzlei leitete das Geld dann einmal an Beckenbauer zurück und einmal auf ein Konto der Firma Kemco aus dem Einflussbereich Bin Hammams.
Drei Jahre später zahlte der DFB dann 6,7 Millionen Euro an die Fifa, die das Geld an Dreyfus weiterleitete. Damit erhielt dieser sein Geld aus dem Jahr 2002 zurück. Freigezeichnet wurde die Überweisung an die Fifa mit dem nachweislich falschen Verwendungszweck „Kostenbeteiligung OK an Fifa Football Gala“ vom damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und dem damaligen Generalsekretär Horst Schmidt.
Beide geraten dadurch in größere Erklärungsnöte als bisher, denn auch nach der Freshfields-Untersuchung ist fraglich, wofür das Geld tatsächlich verwendet wurde. Einige der Fakten zu den Geldflüssen sind der Kanzlei erst seit Kurzem bekannt. So konnte sie die Rolle der Schweizer Kanzlei bislang nicht weiter hinterfragen. Auch Bin Hammam blieb Antworten schuldig.
Noerr-Partner steht Aufklärern nicht zur Verfügung
Das Freshfields-Team um den Frankfurter Partner Prof. Dr. Christian Duve war bei seiner Untersuchung nach eigenen Angaben vor zahlreiche Probleme gestellt: So fehlten etwa einige wichtige elektronische Daten, aber auch eine als wichtig eingeschätzte Akte aus dem Jahr 2000.
Zudem standen einige der von Freshfields kontaktierten Personen für Auskünfte nicht zur Verfügung. Von besonderem Interesse wäre nach Angaben der Kanzlei etwa die Befragung des Noerr-Partners Prof. Dr. Alexander Liegl gewesen. Liegl war seinerzeit einer der engsten Berater der Mediengruppe Kirch, die aufgrund der erworbenen TV-Rechte ein besonderes Interesse an einer Vergabe der WM nach Deutschland hatte. Eine Befragung durch die Freshfields-Ermittler lehnte er mit Hinweis auf das Mandatsgeheimnis und eine vertragliche Geheimhaltungspflicht ab.
Siebenstellige Beraterkosten – Aufarbeitung geht weiter
Das Beratungsmandat für Freshfields ist mit der heutigen Präsentation der Untersuchungsergebnisse bei Weitem noch nicht beendet. Die Kanzlei soll für den DFB weiter ungeklärte Fragen aufarbeiten. Dies wird die Kosten für den Verband weiter in die Höhe schrauben, denn Freshfields dürfte den Löwenanteil der Beraterkosten auf sich vereinigen. Diese bezifferte der designierte DFB-Präsident und aktuelle Schatzmeister des Verbands, Reinhard Grindel, bislang auf einen niedrigeren einstelligen Millionenbetrag.
Welche Auswirkungen die Erkenntnisse indes auf die drohende Aberkennung der Gemeinnützigkeit des DFB haben, konnte Grindel auf JUVE-Nachfrage noch nicht einschätzen. Eine nachträgliche Aberkennung der Gemeinnützigkeit könnte den Verband bis zu 25 Millionen Euro kosten.
DFB will Compliance-Abteilung schaffen
Aus dem „völligen Versagen der verbandsinternen Kontrollmechanismen“, wie es der kommissarische DFB-Präsident Dr. Rainer Koch auf der Pressekonferenz bezeichnete, will der Verband Konsequenzen für seine Struktur ziehen. So soll unter anderem eine Compliance- und Controlling-Abteilung geschaffen werden. Der designierte Präsident Grindel befürwortet zudem eine eigene Ethikkommission.
Intransparenz, wie sie bis zuletzt etwa der über die Affäre gestolperte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach lebte, soll so ein Riegel vorgeschoben werden. Niersbach hatten spätestens im Juni 2015 weitergehende Erkenntnisse über die unklaren Zahlungen vorgelegen, verbandsintern hielt er dies jedoch unter Verschluss. Das Präsidium wurde nicht informiert. Gegen Niersbach sowie den früheren DFB-Präsidenten Zwanziger und Horst Schmidt ermittelt unterdessen weiterhin die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in besonders schwerem Fall. (René Bender)