General Counsel bemängeln an internationalen Großkanzleien, dass diese wenig flexibel seien und es ihnen häufig an Effizienz fehle. Deshalb mandatieren Unternehmen für ein bestimmtes Projekt immer häufiger nicht mehr nur eine Kanzlei für alle Rechtsgebiete, sondern für jeden Bereich eine kleinere Einheit. Die wachsende Zahl an hochkarätigen Spin-offs von Großkanzleien befördert diese Entwicklung. Punkten können Großkanzleien hingegen weiterhin bei sehr komplexen und hochvolumigen Deals.
Die Reaktion auf diese Entwicklung schlägt sich bei den marktführenden Kanzleien vor allem in einer Strategie nieder: Man fokussiert sich auf das transaktionsbezogene und hochprofitable Geschäft. Linklaters und Freshfields haben es vorgemacht, Clifford Chance geht mit ihrer jüngsten Umstrukturierung auf Partnerebene nun einen ganz ähnlichen Weg. Doch während an der Marktspitze noch umgebaut und konsolidiert wird, sind Kanzleien wie CMS Hasche Sigle und Noerr bereits im Aufwind. Denn sie haben längst verstanden, was die Rechtsabteilungsleiter wirklich wollen: hohe Qualität bei flexiblen Honoraren und hoher Effizienz.
Beide Kanzleien haben in den vergangenen Jahren ihre Qualität nicht nur durch die Aufnahme von renommierten Quereinsteigern – häufig aus Großkanzleien – aufpoliert. Die interne Aufstellung wurde optimal an die Anforderungen des Marktes angepasst, Stärken der Kanzlei deutlich herausgearbeitet. In Kombination mit moderaten Stundensätzen findet dieses Modell immer häufiger auch bei deutschen Konzernen Anklang. Kein Wunder also, dass Noerr und CMS inzwischen auch solche Transaktionen stemmen, die den Marktführern gut zu Gesicht stehen würden. (Christin Nünemann, Astrid Jatzkowski)
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