Immobilienkonzern

Größte Gläubigergruppe von Adler ruft Hengeler zu Hilfe

Der kriselnde Immobilienkonzern Adler beschäftigt immer mehr Kanzleien. Spätestens seitdem KPMG Luxemburg Ende April dem Jahresabschluss für 2021 das uneingeschränkte Testat verweigerte, suchen Beteiligte verschiedener Seiten juristischen Rat. Angesichts erster kapitalmarktrechtlicher Klagen versuchen das Unternehmen und große Gläubiger, Ruhe in die nötigen Aufräumarbeiten zu bringen.

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Der Berliner Wohnungsmarkt ist einer der Schwerpunkte der Adler Group. Foto: Marek Slusarczyk/Tupungato/stock.adobe.com

Fast 10 Milliarden Euro Verbindlichkeiten standen in der Bilanz 2021 der Adler Group. Der Immobilienkonzern wird derzeit an der Börse mit knapp 700 Millionen Euro bewertet. Vor einem Jahr waren es noch über 3 Milliarden Euro. Allein dieser Vergleich verdeutlicht, dass die Lage ernst ist. Ende April verweigerten Wirtschaftsprüfer von KPMG dem Jahresabschluss 2021 das Testat. Der Aktienkurs brach daraufhin erheblich ein. Mehrere Interessengruppen ringen nun um die Zukunft des Unternehmens.

Martin Tasma

Unter Beteiligten ist zu hören, dass ein praxisgruppenübergreifendes Team um den Berliner Hengeler Mueller-Partner Dr. Martin Tasma, einem anerkannten Experten für finanzielle Restrukturierungen, für die größte Gläubigergruppe aktiv ist. Zugleich soll der erfahrene Frankfurter Finanzierungspartner Dr. Johannes Tieves dabei sein. Der Eintritt von Hengeler Mueller für die zunehmend nervösen Anleihegläubiger ist ein weiterer Schritt in den Bemühungen, die Adler Group zu stabilisieren.

Hengeler hatte im Winter die Investmentgesellschaft KKR als Käuferin von Wohnimmobilien der Adler Group beraten. Mit dem Verkauf von 14.400 Wohn- und Gewerbeeinheiten, überwiegend in mittelgroßen Städten in Ostdeutschland, hatte der Immobilienkonzern seine Schuldenlast gesenkt.

Blackrock, Pimco und weitere Investoren sind involviert

Leo Plank

Eine zweite, kleinere Gruppe von Großgläubigern wird nach weiteren Quellen von einem Team um den Restrukturierungspartner Dr. Leo Plank von Kirkland & Ellis beraten. Gut 7 Milliarden Euro des Fremdkapitals entfallen auf Anleihen. Einige der führenden Investmentgesellschaften, etwa Blackrock, Pimco und Schroders, sowie zahlreiche Hedgefonds haben davon Pakete gekauft. 

Im Vorfeld hatte DMR Moser Degenhart Ressmann in der ersten Maiwoche eine rechtliche Analyse vorgelegt. Im Auftrag internationaler institutioneller Investoren prüfte die im vergangenen Herbst gegründete Münchner Boutique die Rechte der Anleihegläubiger nach der Veröffentlichung des Jahresabschlusses der Adler-Gruppe am 30. April mit Versagungsvermerk der KPMG Luxemburg. Die Abschlussprüferin KPMG sah sich darin nicht in der Lage, ein Prüfungsurteil abzugeben.

DMR vertritt die vorläufige Auffassung, dass die Veröffentlichung des Jahresabschlusses mit Versagungsvermerk nicht die rechtlichen Anforderungen an einen geprüften Jahresabschluss im Sinne der Bedingungen einiger von Adler emittierter Anleihen erfüllt. Aus diesem Grund hält sie eine entsprechende Verpflichtungserklärung unter den Anleihebedingungen für verletzt.

Erste Anlegerklagen

Ebenfalls Anfang Mai hat die Stuttgarter Kanzlei Weisswert im Auftrag eines Anlegers eine Klage beim Landgericht Frankfurt und einen Antrag nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz gegen Adler eingereicht. Auch Adler-Aktionäre stehen offenbar vor einer Klage um Schadenersatz. So informiert etwa die Berliner Kanzlei Schirp & Partner potenzielle Mandanten in diese Richtung. 

An der Vorgeschichte dieser aktuellen Entwicklung sind Anwälte zahlreicher weiterer Kanzleien beteiligt. Dr. Peter Maser etwa setzte sich als nun scheidender Stellvertretender und ehemaliger Vorsitzender des Verwaltungsrats für das Unternehmen ein. Er war bis Februar Equity-Partner bei Deloitte Legal. Nun ist der Stuttgarter Anwalt aus der Partnerschaft ausgeschieden.

Unter anderem White & Case hatte die Entstehung der Adler-Gruppe aus den Gesellschaften Adler, Ado Properties und Consus in den vergangenen Jahren umfassend gesellschafts- und kapitalmarktrechtlich begleitet. Hierbei hatte ein Team von Hogan Lovells die Consus Real Estate, jetzt ein Teil der Gruppe, beraten. Auch einige Consus-Anleihen sind von der aktuellen Klage betroffen.

Roger Kiem

White & Case soll nach Marktinformationen auch aktuell für die Adler Group aktiv sein. Ein Team um den Partner Prof. Dr. Roger Kiem etwa hatte bereits seit Mitte 2021 im Zusammenhang mit der Kampagne des Leerverkäufers Fraser Perring beraten. Der britische Shortseller Fraser Perring hatte der Gruppe vergangenes Jahr in einem Dossier gravierende Manipulationen bei der Bewertung ihrer Immobilien vorgeworfen.

Die BaFin soll diese Woche im Finanzausschuss des Bundestages ihre Erkenntnisse zu Adler vortragen. Seit einiger Zeit wertet die Behörde den KPMG-Sonderbericht aus.

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