Hauptversammlungen

Warum die Beratung wieder attraktiv ist

Hauptversammlungen galten vielen Anwälten lange als wenig lukrative Pflichtübung. Doch schon seit einiger Zeit wird die HV-Beratung wieder als wichtiger strategischer Baustein gehandelt, um den direkten Kontakt zu Vorständen und Aufsichtsräten zu etablieren. Dabei haben die Kanzleien eine durchaus unterschiedliche Herangehensweisen.

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Thomas Bücker
Thomas Bücker

Das große Geld lässt sich mit der HV-Begleitung heute wie damals nicht machen. Dennoch begleitet die Corporate-Praxis von Freshfields Bruckhaus Deringer regelmäßig Stammmandanten wie Continental, RWE, Fraport oder Zalando bei deren Hauptversammlungen. Beziehungsarbeit ist das Stichwort, wie Partner Dr. Thomas Bücker betont. „Oft sitzt man ja mit auf dem Podium, Seite an Seite mit den Organen, auch in kritischen Momenten. Das schafft Nähe und Vertrauen – auch zur Rechtsabteilung natürlich.“ Ganz so anstrengend wie vor den Reformen der Aktionärsrechterichtlinien des letzten Jahrzehnts ist die Arbeit heute nicht mehr, erklärt er. „Früher waren Hauptversammlungen mitunter sehr aggressiv – das war unangenehm, auch für die Berater“, erinnert sich Bücker.

Josef Hofschroer
Josef Hofschroer

Bei Greenberg Traurig hat Dr. Josef Hofschroer die HV-Begleitung ganz neu auf die Tagesordnung gebracht. „Man muss die Rechtsprechung der OLGs im Detail kennen und genau wissen, wie man bestimmte Manöver antizipiert und korrekt reagiert“, erläutert Hofschroer. Bis das entsprechende Spezialwissen aufgebaut und die nötige Erfahrung gesammelt ist, muss die Kanzlei einiges investieren. Doch durch den direkten Zugang zu Vorständen und Aufsichtsräten kann sich das durchaus rentieren. „Mit der Vorbereitung einer unkritischen HV ist man insgesamt etwa einen Monat lang beschäftigt, Nacharbeiten gibt es selten“, berichtet Hofschroer. „Bei kritischen HVen sieht der Aufwand ganz anders aus.“ Weil es für das Unternehmen dann schnell um die Existenz gehen kann, spiegelt sich das allerdings meist auch in den Beraterhonoraren wider.

HV – Für Hengeler eine Selbstverständlichkeit

Oliver Rieckers
Oliver Rieckers

Wettbewerber wie Hengeler Mueller oder Linklaters nutzen diese Gelegenheiten schon seit Langem, um ihre Konzernkontakte zu pflegen. „Bei Hengeler ist die HV-Begleitung ein selbstverständlicher Teil der umfassenden gesellschaftsrechtlichen Beratung börsennotierter Unternehmen“, erklärt Dr. Oliver Rieckers, Corporate-Partner im Düsseldorfer Büro. Anders als Freshfields, die stärker auf Sondersituationen fokussiert ist, oder Linklaters, die vor allem die Marktdurchdringung im Dax-Segment forciert, bleibt Hengeler in der Breite präsent: Keine andere Kanzlei steht so vielen MDax-Unternehmen bei deren Hauptversammlungen zur Seite. „Die Begleitung übernimmt häufig der Partner, der auch eine vorgelagerte Übernahme federführend betreut hat“, berichtet Rieckers. Ähnlich agiert etwa Gleiss Lutz, während die Corporate-Praxen von Clifford Chance, Latham & Watkins oder White & Case hier kaum präsent sind.

Auch Notare setzen auf die Kundenbindung

Auch der Kreis der Notare, die die Hauptversammlungen der deutschen Konzerne protokollieren, ist begrenzt. So setzen etwa alle Münchner Dax-Unternehmen außer BMW auf Dr. Tilman Götte, den ehemaligen Präsidenten der Bundesnotarkammer und einen der bekanntesten Amtsträger in der Bayern-Metropole. Eine ähnliche Rolle spielen in Düsseldorf Prof. Dr. Norbert Zimmermann, im Ruhrgebiet die Notare aus dem Hause Kümmerlein und in Niedersachsen die Kanzlei Göhmann. „Es gibt vielleicht 20 bis 30 typische Situationen in einer HV“, erklärt Kümmerlein-Partner Dr. Ulrich Irriger, der regelmäßig für E.on, RWE und Thyssenkrupp auf dem Podium sitzt. „Die muss man kennen, einordnen und schnell entschärfen können. Und dafür muss man sie öfter mal erlebt haben.“

Wie die Anwälte können sich dann auch die Notare auf ein ergiebiges Geschäft aus der Verbindung zum jeweiligen Großkonzern freuen – manchmal. „Einen Zusammenhang zwischen der HV-Begleitung und laufender Tätigkeit für ein Unternehmen gibt es nicht automatisch“, sagt Irriger. Auch für Notare ist der publikumswirksame Auftritt auf dem Podium manchmal vor allem strategische Arbeit an der Mandantenbeziehung – und an der eigenen Marke.

Mehr zu den Juristen auf dem Podium mit einer großen Übersicht lesen Sie im aktuellen JUVE-Rechtsmarkt 12/2018.

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