Reaktion auf Wettbewerber

Hengeler Mueller führt Salary-Partner-Stufe ein

Die Sozienversammlung von Hengeler Mueller hat vor fast zwei Wochen beschlossen, den Partnertrack in der Kanzlei zu verändern. Sie führt eine Salary-Partnerschaft als Vorstufe der Vollpartnerschaft ein.

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Mit dem weitreichenden Schritt reagiert die Lockstep-Kanzlei auch auf die Konkurrenz der US-Kanzleien im Transaktionsbereich. Die Entscheidung hat die Kanzlei auf JUVE-Anfrage bestätigt.

Bislang galt im Hengeler-System immer: Sechs Jahre Associate, dann Equity-Partner. Darauf konnten sich alle verlassen. Mit der Einführung des Counsels sowie der Anpassung des Partnertracks an die Lebenswirklichkeit von Eltern machte die Kanzlei bereits vor einigen Jahren erste Lockerungsübungen, die aber die partnerschaftliche Lockstep-Vergütung bislang noch nicht erreicht hatten.

Thomas Müller

Zwar ist die Partnerschaftsvergütung auch mit der jüngsten Änderung nicht unmittelbar betroffen. Augenscheinlich ähnelt der Schritt aber dem, was britische Kanzleien Lockstep-Gates nennen – also Schwellen, mit denen sich der Auf- und Abstieg der Equity-Partner auf den Vergütungsleitern besser oder überhaupt managen lässt, oft auch als Lockstep-Modifizierung bezeichnet.

Salary-Partner auf Hengeler-Art

Vor einer solchen Modifizierung scheut Hengeler jedoch zurück. Die Kanzlei spricht lieber davon, „eine Übergangsphase in die Equity-Partnerschaft“ zu schaffen. Sie führt ab sofort ein, dass alle neuen und die laufenden Associate-Kohorten – die jetzigen Senior Associates ausgenommen – nach sechs Jahren eine zweijährige Salary-Partnerschaft durchlaufen müssen, wenn sie Equity-Partner werden wollen. Über den Eintritt in diese Partnerform entscheidet die Sozienversammlung. Nach genau zwei Jahren als angestellte Partnerin oder Partner folgt dann die Sozienentscheidung zur Aufnahme in die Equity-Partnerschaft.

Aus Sicht von Hengeler bleibt es damit bei klaren Entscheidungszeitpunkten auf dem Partnertrack: Nach sechs Jahren werden Associates zu Hengeler-Partnerinnen und -Partnern. Zur Bezahlung der Salary-Partner liegen JUVE keine Informationen vor.

Wesentlicher Unterschied zu Equity-Partnern: Salary-Partner haben kein Stimmrecht in der Partnerversammlung. Ansonsten stehen den angestellten Partnerinnen und Partnern weitgehende Mitwirkungsrechte zu. Und auch ihre Leistungserbringung unterscheidet sich nicht: Eigenständig wie die Equity-Partner sollen sie mit eigenen Associates ihre Mandate bearbeiten. Geplant ist zudem die Teilnahme an einem zusätzlichen, die aktuellen Angebote ergänzenden Leadership-Programm. 

Gleichwertige Salary-Partnerschaft ohne Ablaufdatum

Bekannt ist zudem: Der Salary-Partner à la Hengeler kennt kein Ablaufdatum. Wer mag, darf die neue Partnerschaftsform bis zum Karriereende ausfüllen. Das Counsel-Programm bleibt von dem Schritt unberührt. Allerdings: Die Frage, ob angestellte Partner Equity-Partner werden, stellt sich nur einmal – nach genau zwei Jahren. Und auch ein Wechsel von der Equity-Partner- in die Salary-Partner-Stufe ist nicht vorgesehen. Die Änderung betrifft nur den Weg in die Partnerschaft.

Sebastian Schneider

„Ein Ziel der Änderung ist es, unserem Nachwuchs auf ihrem Partnertrack mehr Optionen zu bieten“, sagt Dr. Sebastian Schneider, Partner im Recruiting-Ausschuss der Sozietät, gegenüber JUVE. „Es gibt viele gute Associates, die nach sechs Jahren noch Potenzial haben, sich zu entwickeln – und das auch mit Partnerambitionen bei Hengeler tun möchten“, sagt Schneider. So wolle die Kanzlei diesen hochqualifizierten Leuten künftig ein attraktiveres Angebot machen können. 

Einen konkreten Anlass für die Anpassung des Partnertracks gebe es nicht, sagt Managing-Partner Thomas Müller. „Wir sind aber überzeugt, dass die Anpassung zum langfristigen Erfolg der Sozietät beitragen wird.“ Dabei gehe es unter anderen darum, den Mittelbau zu stärken, um die Sozietät noch schlagkräftiger zu machen.

US-Kanzleien als Vorbild und Motivator

Ob es wirklich keinen konkreten Grund für den Schritt gibt, über den die Sozietät immer wieder nachgedacht und nun mit „großer Mehrheit“ beschlossen hat, darf offenbleiben. Zumindest kann das neue Modell auch als Antwort auf die US-Kanzleien verstanden werden. Die werben, wie in US-Medien zu lesen, aber auch im deutschen Markt zu hören ist, immer aggressiver um gut ausgebildete Anwälte von Großkanzleien wie Hengeler Mueller, Freshfields Bruckhaus Deringer und anderen Einheiten, die im deutschen Markt unter anderem exzellente M&A-Anwälte ausbilden.

Bei genauerem Hinschauen fällt auf, dass die Weiterentwicklung des Partnertracks bei Hengeler ein System hervorbringt, das denen von US-amerikanische Kanzleien wie etwa Kirkland & Ellis sehr ähnelt: Bei einigen der hochprofitablen US-Einheiten finden sich Salary-Partnerschaften ebenso als Karrierestufen etabliert, die den angestellten Anwältinnen und Anwälten den Übergang in die Equity-Partnerschaft weisen. Anders als bei Hengeler ist die Salary-Partnerschaft bei Kirkland allerdings zeitlich beschränkt. Nach einer definierten Zeitspanne entscheidet die Partnerschaft, ob es als Equity-Partner weitergeht – oder der Kandidat die Kanzlei verlassen muss. Für den überwiegenden Teil steht dann der Abschied an.

Genau in diesem Detail dürfte der zentrale Unterschied zum neuen Hengeler-System liegen. Denn verabschieden will Hengeler seine Salary-Partner nicht mehr, sondern vor allem: Halten.

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