Zum Standardprogramm der Vorsichtsmaßnahmen gehört bei nahezu jeder Kanzlei, dass nur noch notwendige Reisen unternommen werden, einzelne haben das Reisen praktisch ganz eingestellt. Dazu gehören nach JUVE-Informationen beispielsweise P+P Pöllath + Partners, Friedrich Graf von Westphalen und Greenberg Traurig.
Außerdem werden Mandantenveranstaltungen und Konferenzen abgesagt oder wenn möglich auf Videoübertragung oder Streaming verlegt. Latham & Watkins hat ihr globales Partnermeeting gecancelt, das für vergangene Woche in New York anberaumt war. Größere interne und externe Meetings sollen für die nächsten sechs Wochen unterbleiben. Linklaters kündigte an, dass ihr für Ende April in Berlin geplantes internationales Partnertreffen nur virtuell stattfindet. Im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestags, der gerade über eine Reform des Rechtsdienstleistungsgesetzes diskutierte, mussten gestern die Mitglieder der SPD-Fraktion geschlossen die Sitzung verlassen – es gibt im Umfeld einen Corona-Verdachtsfall.
Diverse Kanzleien haben Rückkehrer aus Risikogebieten für 14 Tage zur vorsorglichen Quarantäne ins Homeoffice geschickt, unter anderem Linklaters, Gleiss Lutz, Beiten Burkhardt und Cleary Gottlieb Steen & Hamilton. Darunter fallen sowohl Rückkehrer aus Skiurlauben in Südtirol als auch Geschäftsreisende aus Asien und Italien.
Zusätzlich treffen Kanzleimanagements Maßnahmen, damit im Fall einer umfangreicheren Quarantäne oder bei Büroschließungen ihre Mitarbeiter möglichst reibungslos von zu Hause arbeiten können. Die Kanzlei Kleiner mit Standorten in Düsseldorf, Mannheim und Stuttgart hat schon vorsorglich zwei Büroangestellte ins Homeoffice geschickt, die im Falle einer größeren Krankheitswelle in den Büros dann die Stellung halten können.
Hengeler Mueller testet die Auslastung ihrer IT- und Remote-Kapazitäten und soll außerdem die Bestellung von 100 Laptops beschleunigt haben. Auch Görg hat IT-Notfall-Teams gebildet, außerdem müssen alle Mitarbeiter notwendige Arbeitsmaterialien nach der Arbeit mit nach Hause nehmen. Dazu gehören auch die Zugangskarten für das besondere elektronische Anwaltspostfach. Wie der Hamburger Partner einer englischen Kanzlei berichtete, häufen sich auch die Nachfragen von Mandanten, wie die Notfallpläne der Kanzleien konkret aussehen. Wie uns Beteiligte berichten, wurde kürzlich der Praxisgruppenchef einer Kanzlei aus dem laufenden Panel einer Veranstaltung geholt. Er möge sich als „Funktionsträger“ umgehend mit seinem Arbeitsmaterial ins Homeoffice zurückziehen. Eine Kölner Kanzlei, deren Mitarbeiter in mehreren getrennten Gebäuden untergebracht sind, hat den Kontakt zwischen den verschiedenen Teilen unterbunden, damit im Ernstfall wenigstens ein Teil vor Ort arbeitsfähig bleiben kann.
Goodwin Procter setzte eine umfangreiche Besucherregelung in Kraft. So sollen Mandanten und Besucher ein Goodwin-Büro nicht betreten, wenn dieser oder ein Angehöriger „in Festlandchina, Südkorea, Iran oder Italien gereist sind oder sich etwa bei einer Zwischenlandung am Flughafen dort aufgehalten“ hat. Dasselbe gilt für Besucher mit Symptomen einer Infektion wie Fieber oder Husten. In Österreich waren Kanzleien schon früh vom Corona-Virus betroffen, ein Senior-Partner der Kanzlei Wolf Theiss ist schwer erkrankt, drei weitere Mitarbeiter wurden positiv getestet. Zahlreiche Kanzleien in Österreich vermeiden wegen der Epidemie derzeit persönlichen Kontakt, Haslinger Nagele hat die Feier zu ihrem 20-jährigen Kanzleijubiläum in Wien Ende März auf unbestimmte Zeit verschoben.
Viele Kanzleien berichten außerdem, dass sie ihre Räume mit zusätzlichen Desinfektionsmitteln ausgestattet haben. Wie hinter vorgehaltener Hand zu hören ist, werden aber auch in Kanzleien Desinfektionsmittel geklaut.
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