Grub-Partner Ulrich Brugger (57) resümiert dementsprechend, dass man „den Nutzen der größeren Einheit nicht gezogen habe. Man hat nebeneinander hergelebt“. Der Heidelberger Partner von Wellensiek, Christopher Seagon (40), sieht das ähnlich: „Wir haben inhaltlich zu wenig zusammen gemacht.“
Zudem scheinen auch Differenzen über die künftige Ausrichtung der Kanzlei bestanden zu haben. Brugger plädierte schon seit längerem für eine stärkere Spezialisierung kanzleiinterner Abteilungen, womit wahrscheinlich auch das Beratungsgeschäft gestärkt worden wäre. Die Wellensiek-Praxis versteht sich demgegenüber in erster Linie als Verwaltungskanzlei, die Beratungstätigkeit nur bei Restrukturierungen und dem sonstigen insolvenznahen Bereich anbietet, und zwar vor allem in Frankfurt, München und Berlin.
Auch mögliche Interessenkonflikte durch die gleichzeitige Verwaltungs- und Beratungstätigkeit im Südwesten haben dem Vernehmen nach eine Rolle für den Trennungsbeschluss gespielt.
Als falsch wiesen Brugger und Seagon Presseberichte zurück, die als Gründe für die Trennung Disharmonien zwischen den beiden Seniorpartnern und das Problem der Gewerbesteuerpflicht von Insolvenzverwalterpraxen nannten. Jobst Wellensiek und Volker Grub seien vielmehr nach wie vor gut befreundet.
Rückwirkend zum 1. Januar werden die Teile als Wellensiek Rechtsanwälte und wie früher als Grub Brugger & Partner auftreten. Bei Wellensiek arbeiten künftig elf Partner und 41 Associates in neun Büros, bei Grub sieben Partner und elf Associates in zwei Büros. Auf rund sieben Verwalter kann die Wellensiek-Einheit in Zukunft zählen, auf drei das Grub-Büro in Stuttgart.
Beide Kanzleien wollen auch weiterhin in München vertreten sein. Dabei soll jeweils die Rechtsberatung und nicht die Verwaltung im Mittelpunkt stehen. Der bisherige Standortleiter Dr. Georg Streit, der Anfang 2004 von EY Law Luther Menold zu Wellensiek gestoßen war, hat sich Grub und Brugger in ihrem neuen Büro angeschlossen. Bei Wellensiek geblieben sind Vincenz von Braun und Dr. Thomas Laskos, der erst Anfang des Jahres von McDermott Will & Emery gekommen ist.
Mit dem Ende von Wellensiek Grub & Partner ist auch die dritte große Allianz der deutschen Insolvenzrechtsszene zerbrochen. Bereits 2001 endete nach nur einem Jahr die Zusammenarbeit der Köln-Dresdner Kanzlei um Dr. Bruno Kübler mit den Ulmer Kollegen um Michael Pluta. Ebenfalls nur ein Jahr hielt hww Hess Wienberg Wilhelm, bevor Seniorpartner Dr. Harald Hess Ende 2003 die Großkanzlei mit ihren damaligen Stammsitzen in Mainz, Dresden und Hamburg wieder verlassen hatte. (Jörn Poppelbaum)