Interview mit EY Law

„Wir wollen die Schlagkraft im Gesellschaftsrecht noch deutlich erhöhen“

EY Law ist hat seinen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr um fast 20 Prozent gesteigert. Der Rechtsarm der Big 4-Gesellschaft ist inzwischen eine ernstzunehmende Anlaufstelle wechselwilliger Quereinsteiger aus renommierten Kanzleien geworden. JUVE sprach mit Christian Bosse, seit 2014 Managing-Partner von EY Law Germany, über seine To-do-Liste für die nächste Zeit.

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Christian Bosse
Christian Bosse

JUVE: Sie haben den Umsatz von EY Law in Deutschland zuletzt um 18,7 Prozent gesteigert. Wollen Sie dieses Tempo beibehalten?
Christian Bosse:
Wir werden auch dieses Jahr wieder stark im Umsatz wachsen. Es geht uns aber nicht nur um Wachstum, sondern auch um die Qualität unserer Beratung, die für uns im Mittelpunkt steht. Mit unseren Zugängen der letzten fünf Jahre haben wir stets ein zweistelliges Wachstum erreichen können – der Markt nimmt die Qualität unserer Beratung also wahr.

Das haben Sie zuletzt vor allem durch Personalzugänge geschafft. Allein im vergangenen Jahr wuchs die Berufsträgerzahl um knapp ein Drittel. Dadurch sank aber auch der Umsatz pro Berufsträger von 332.000 auf 305.000 Euro – bekommen Sie da nicht Druck von oben?
Wenn der UBT nach jahrelangem Wachstum mal sinkt, macht uns das nicht nervös. Wir sind Teil einer großen Organisation, die weiß, dass man manchmal strategisch investieren und Geduld haben muss. Mit jedem Neuzugang im Rechtsbereich kommen auch neue Synergien und Kontakte ins Gesamtsystem, von denen die Steuer- und Unternehmensberater ebenso profitieren können wie die Wirtschaftsprüfer, die sich nun durch die Rotation bei den Abschlussprüfungen sehr viel häufiger dem Wettbewerb stellen müssen.

EY Law hat zum Juli weltweit eine neue Karrierestufe eingeführt, den Associated Partner – was hat es damit auf sich?
Wir sind darauf bedacht, nicht nur durch Quereinsteiger, sondern auch organisch zu wachsen. Deshalb wollten wir zwischen Equity-Partner und Director – der dem Salary-Partner bei Kanzleien entspricht – noch eine unternehmerisch attraktive Stufe einziehen. Zielgruppe sind Non-Equity-Partner, die schon eigenes Geschäft haben und stärker am Umsatz beteiligt werden sollen.

Sie holen überwiegend Quereinsteiger von anderen WP-Rechtsarmen. Nehmen Ihnen die Wettbewerber das nicht bald übel?
Am Ende entscheiden ja immer die jeweiligen Kandidaten, wo sie ihre berufliche Entwicklung fortsetzen wollen. Unsere Quereinsteiger kommen überwiegend von den führenden Kanzleien Deutschlands; die wenigsten von den anderen Big4. Für unsere Corporate- und M&A-Praxis haben wir beispielsweise in den letzten Monaten wichtige Zugänge von Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller und Latham & Watkins verbuchen können.

Welche Schritte stehen als nächstes an?
Der Corporate/M&A-Ausbau ist keineswegs abgeschlossen. Gerade ist ein Transaktionsaktionsexperte von Osborne Clarke zu uns gestoßen, und wir wollen die Schlagkraft im Gesellschaftsrecht auch künftig noch deutlich erhöhen. Zudem möchten wir den Life-Science-Bereich weiter vorantreiben. Nach dem Wechsel des langjährigen Oppenländer-Partners Heinz-Uwe Dettling zu EY Law im Februar haben wir unseren Marktzugang im Life Science-Bereich sehr schön verstärken können. Darüber hinaus könnte ich mir auch vorstellen, dass wir in ausgewählten Rechtsgebieten auch noch ganze Teams an Bord nehmen.

In Mannheim schien nach der Eröffnung des Büros Ende 2015 die Expansion ins Stocken zu geraten…
Keineswegs, dort arbeiten mittlerweile 10 Juristen. Wir nutzen vorhandene EY-Standorte und ihre Infrastruktur, um auch vor Ort Rechtsgeschäft, insbesondere das Transaktionsgeschäft, aufzubauen. Für einige Mandate braucht man Berater vor Ort. Und das Netzwerk, das die EY-Kollegen regional schon haben, ist einfach sehr gut.

Über Ihren Hamburger Standort wiederum läuft die Zusammenarbeit mit dem britischen Rechtsdienstleister Riverview Law, an dem sich EY Law im Sommer beteiligte. Sondieren Sie auch den deutschen Markt nach Rechtsdienstleistern oder LegalTech-Firmen?
Es ist Teil unserer globalen Law Strategie, in zukunftsträchtige Technologie und Beratungsleistungen zu investieren. Wir werden diese Strategie auch in Deutschland weiter umsetzen und nach geeigneten Investitionsmöglichkeiten wie auch möglichen Neuzugängen Ausschau halten.

Das Gespräch führte Sonja Behrens.

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